Ambient Awareness 2.0

Ambient Awareness

Ambient Awareness ist ein bereits ziemlich alter Begriff um das digitale Phänomen, der gefühlenten Nähe von räumlich getrennten Menschen untereinander zu beschreiben, dass durch nicht direkte Kommunikation entsteht.
Erste Begriffsbestimmugen für Ambient Awareness in der digitalen Welt, gehen bereits zurück auf das Jahr 1998 und heute treffen sie mehr zu denn je.

Abmient Awareness könnte man als latentes unterschwelliges Wissen über etwas oder jemanden beschreiben. Als eine ständig aktive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsdimension, die jedoch selten in den Fokus unserer aktiven Aufmerksamkeitssphäre gelangt.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Wahrnehmung des Wetters.
Auch ohne tiefergehende meteorologische Kenntnisse haben wir permanent ein Gefühl dafür, wie es sich entwickelt, was wir anziehen müssen wenn wir nach draussen gehen oder Ähnliches.

Das ganze passiert nebenher und wird in unserem Unterbewusstsein ständig aktualisiert. Diese Form der Achtsamkeit wird in Sozialen Medien ebenfalls aktiv.

Ambient Awareness in Social Media

Ist quasi die unterbewusste Wahrnehmung der Dinge, die in den Sozialen Netzwerken passieren.
Wenn jemand seinen Twitter Feed durchsieht oder seine Facebook Timeline durchscrollt, nimmt er vermutlich das meiste der Inhalte nicht aktiv wahr, es wird quergelesen.

Und in dem meisten Fällen genügt das auch, weil die Inhalte die man in sozialen Netzwerken präsentiert bekommt, ohnehin nicht immer der vollen Aufmerksamkeit wert sind.
Klassische Posts von Essen, darüber wie sich Menschen gerade fühlen oder wo sie gerade sind, erzeugen bei den meisten Nutzer bei genauerer Betrachtung wohl das Urteil, dass sie eigentlich ziemlich belanglos sind.

Die Summe machts:

Der Effekt den Ambient Awareness, erzeugt, entspringt genau dieser Belanglosigkeit in Summe.
Die vielen kleinen Status-Meldungen auf verschiedenen Plattformen erzeugen das Gefühl einer tieferen Verbindung mit dem Anderen und zwar ohne direkt mit diesem zu kommunizieren.
In sozialen Netzwerken wie Twitter geht es nicht darum, wie bspw. in einer Email Kommunikation oder bei einem Instant Messenger, dem Gegenüber auf jede seiner Statusmeldungen zu antworten und somit Face to Face Kommunikation digital zu führen.

Viel mehr geht es darum, aus dem stillen Hintergrund-Flow an kleinen und großen Belanglosigkeiten eine Form der Sensibilität zu erlangen, wie wir sie auch bei besagter Wetterfühligkeit erspüren.
Ambient Awareness in Social Media ist so gesehen, der fühlbare Ausdruck des digitalen Grundrauschens, das permanent im Netz stattfindet.

So mancher Nutzer kann mit dieser Sichtweise nicht viel anfangen. Die Aufforderung sich auf dieser Ebene zu äußern oder Äußerungen entgegenzunehmen, klingt für viele sogar anstrengend und unergiebig.
Doch technischen Möglichkeiten und immer neue Einfälle für die kreative Aufwertung und den Zugang zu Ambient Awareness in der digitalen Kommunikation entwicklen sich ständig weiter.

Ambient Awareness 2.0

Durch die Entwicklung des mobilen Internets sind Statusmeldungen in Videoform längst Realität geworden.
Das Aufnehmen, schneiden und editieren von Videoinhalten passiert bereits am Ort des geschehens und ist durch schnell ins Netz geladen.
Selbst Livestreams des eigenen Alltags, kratzen in Form von Sozialen Netzwerken wie Snapchat, Periscope oder Meerkat inzwischen an der Tür des Mainstreams.

Eine neue App namens Beme, experimentiert gerade mit dem Umstand, das derjenige der eine Statusmeldung in Videoform verfasst, bislang immer aktiv auf sein Smartphone Display schauen musste um einen Inhalt zu teilen.
Mit dem Ansatz von Beme fällt auch diese Grenze, da der User hier lediglich das Telefon an seine Brust hält um aufzuzeichnen und anschließend automatisch zu teilen.

Persönlichkeiten und Promintente sind im Netz inzwischen auf nahezu allen sozialen Kanälen vertreten um in den Fokus der unterschwelligen Ambient Awareness ihrer Zielgruppe zu geraten.
Mit Erfolg, wenn man über gewisse Personen nachdenkt, weiss man manchmal mehr über diese als es einem selbst zunächst den Anschein machte und zwar häufig ohne, dass man sich altiv mit ihnen auseinander gesetzt hätte.

Die latente Aufmerksamkeit der Menschen im Netz, machen sich inzwischen ganze Werbekampagnen zu nutze, indem sie sich breit in Social Media aufstellen, kontinuierlich Inhalte streuen und so das Geühl der persönlichen Nähe zu einem Produkt oder Unternehmen erzeugen.

Das alles ist natürlich nicht neu. Die subtile unterbewusste Wahrnehmung von Menschen und Dingen gab es auch schon vor dem Internet und vor der Zeit der Sozialen Medien.
Die Effekte von Ambient Awareness waren aber nie weitreichender als in diesen Tagen.

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