Asia Travel Logs (003) – Delhi

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Delhi! Die flirrende indische Landeshauptstadt hat natürlich so einiges zu bieten und wir haben sicher nur an ihrer Oberfläche gekratzt! Ein Besuch bei den Sikhs sowie eine halsbrecherische Riksha-Fahrt durch die Altstadt bleiben jedoch in Erinnerung! Es folgen die Tagebucheinträge vom 13. bis 15. November 2011.

13.11.2011
Delhi – Der saubere und moderne Flughafen hat eine nagelneue Airport-Metro, absolut modern und “state of the art” würde ich sagen. Perfekt um in die Stadt zu fahren, das haben wir uns schwieriger vorgestellt. ++ Wir steigen einmal um, und befinden uns schon direkt an der Haltestelle “Paharganj” dem Backpacker Ghetto von Old Delhi. ++ Hier geht es ähnlich zu wie auf der Khan San Road in Bangkok nur noch etwas freakiger. Ziemlich heruntergekommen ist es hier, staubig, bunt und laut. Wir müssen echt aufpassen wo wir hintreten, man kriegt kaum einen Fuß auf die Straße. ++ Hier gibt es ungefähr alles zu kaufen was man auf Reisen braucht sowie unzählige Budgetunterkünfte in denen man wenige Euros übernachten kann. ++ Wir schlafen im “Vivek” einem, professionell von einer Truppe Araber geführten, Guesthouse mitten im Getümmel. Wir sitzen gerade im zugehörigen Café und warten auf unser Essen. ++ Ich habe meinem Verlangen nach etwas kulinarisch vertrautem nachgegeben und einen Veggieburger mit Pommer bestellt. Schlechte Idee ich bekam eine Fettboulette mit Fettstäbchen. ++ Man merke: kein westliches Essen in Indien bestellen, das kriegen die nicht hin. Jokes Nudelgericht schmeckt nach absolut nichts. ++
19.00 Uhr
Paharganj ist eine gemischte Erfahrung. Der bunte mix aus Traveller-Bars, Cafés, Kitsch- und Klamottenständen, Schleppern und hupend-fahrenden Schrotthaufen fasziniert und schreckt zugleich ein wenig ab. ++ Überdurchschnittliche viel “weiße” laufen hier durch die Straßen und ebenso überdurchschnittlich viele Bettler. Ob sehr alte Menschen, verkrüppelte Erwachsene oder Kinder. Viele mittellose versuchen hier das Mitleid der Reisenden zu erwecken und ihnen ein paar Rupies aus der Tasche zu schütteln. ++ Die meisten von ihnen können die Almosen wohl wirklich zum überleben gebrauchen. Das tragische ist, dass man dem Leid der Menschen hier nicht mit gutem Willen und Spendierhosen gegenübertreten kann. Natürlich will man in manchen Situation einfach mal etwas geben, doch wird man hier nahezu an jeder Straßenecke förmlich dazu genötigt. Es fällt mir schwer mir dazu eine richtige Meinung zu bilden. ++ Ich bemerke bereits jetzt schon wieder wie ich gewisse Umstände einfach von selbst ausblende ohne das wirklich bewusst zu tun. ++ Menschen z.B., die mitten auf dem belebten Gehweg einfach im Schmutz liegen und schlafen, fallen mit teilw. schon gar nicht mehr auf. ++ Hier in Delhi springt einem die Armut gerade zu ins Auge, vielleicht ist das ein Schutzeffekt des Gehirns, oder so keine Ahnung. Naja jetzt sind wir jedenfalls erstmal hier, und ich freue mich darauf die Stadt weiter kennen zu lernen. ++ Joke hat sich vorhin übrigens ein Henna Tattop auf den Arm malen lassen. Gleich waschen wir die Farbe ab und schauen wie es geworden ist. ++

14.11.2011
Schlafen kann ein ganz schöner Luxus sein. Heute morgen konnten wir endlich mal wieder so lange im Bett liegen bleiben wie wir wollten. Kein Wecker der und aus dem Bett klingelt um den nächsten Bus oder Zug zu kriegen, fantastisch. ++ Um halb zwölf Uhr mittags stehen wir frisch geduscht auf dem sog. “Connought Place”. Dieser bildet den Mittelpunkt des neuen Teils der Innenstadt. Kreisrund haben sich hier Straßenhändler an der Straße formiert und teilw. gibt es gehobene Geschäfte für die besser betuchten Inder. Das Herz des Platzes ist der sog. “Palika Bazar”, ein Markt für alles was der indische Stadtmensch so braucht. ++ Von hier aus brechen wir auf zum größten Sikh-Tempel der Stadt! ++ Der Sikhismus ist ein Glaubensrichtung die im 14. Jhd. begründet und ist, wenn man so will, eine mordeten und weltliche Religion, die mit vielen Dogmen und Ressentiments anderer Religionen reinen Tische gemacht hat. So wie ich es verstanden habe, werden dort Frauen besondere Rechte eingeräumt (was in Indien sonst eher nicht der Fall ist) und auch das Kastensystem spielt hier keine Rolle mehr. ++ Sikhs lassen sich Alle Körperhaare ein lebend lang wachsen und haben teilweise Zöpfe bis zum Boden, die sie unter den, klassischen und für Bilder aus Indien bekannten, Wickelturbanen verstecken. ++ Der Aufenthalt im Tempel war sehr angenehm. Die Haupthalle gleicht einer Sitzparty, mit schönen weichen Teppichen auf dem Boden. Auf einer kleinen Empore musizieren weise alte Männer mit Bart und komischen Instrumenten, die mich ein wenig an die orientalische Version von ZZ-Top erinnern. In der Mitte thront ein Ober-Guru unter einer goldenen Kuppel und wedelt mit einem haarigen Fächer, sehr imposant. ++ Draussen im Tempelhof scheint die Sonne. Hier reihen wir uns in eine lange Pilgerschlange ein, um nach ein bisschen warten einen Klumpen ölige Teigmasse in die Hand gedrückt zu bekommen. ++ Na dann mal runter damit, schmeckt besser als es aussieht, und soll segnen. ++ In einem großen heiligen Swimmingpool kann man hinterher schwimmen oder sich waschen. Eine sehr einzigartige Erfahrung ++
15.00 Uhr
Shoppingversuche! Der Palika Bazar bietet für Westler nahezu nichts interessantes zu kaufen an; Tonnenweise hässliche Kleidung in Mini-Inder Größen dafür umso mehr. ++ China-Spielzeug, kopierte Bollywood DVDs und für uns unverständliche Hindi-Comics runden das Angebot ab. Wir verweilen hier nicht lange. Wir genehmigen uns ein Eis und setzen uns auf eine Wiese. Nach einer Weile kommt ein ziemlich schlecht aussehender jünger Bursche auf uns zu. Er hat einen dicken geschwollenen Fuß und sieht so aus als hat er lange nicht mehr unter einem Dach geschlafen. Wir geben ihm ein paar Münzen. Er zeigt auf Jokes angegessenes Eis. Ein wenig paralysiert reicht sie es ihm herüber. Er nickt und humpelt das Eis essend davon. ++ Trotzdem diesem Vorfall kann ich die Einkaufstour als Erfolg verbuchen, denn ich habe erstaunlicher Weise genau die zwei Dinge gefunden, die ich Zuhause vergessen habe. Ein Ministativ und meine allseits beliebte Geldscheinklammer. ++ Irgendwie waren wir heute der Meinung, das wir zuviel Geld ausgeben. Vermutlich stimmt das nicht, doch wir haben uns trotzdem vorgenommen etwas kürzer zu treten. +6

15.11.2011
In Delhi ist für Ausländer vieles teurer. Das die Eintrittsgelder für Sehenswürdigkeiten für uns meist höher sind als für die Einheimischen sind wir inzwischen schon gewohnt und das ist auch ok so. ++ Das es an manchen Bahnhöfen jedoch einen Extraschalter für “Foreigeners” gibt ist jedoch irgendwie nervig und unverhältnismäßig. Sitzen wir doch in den gleichen vollen Abteilen wie alle anderen auch.
14.30 Uhr
Besuch im “roten Fort”. Größtes Bauwerk der Stadt, von den Moguln erbaut. Sehr beeindruckend. ++ Spaziergang durch Old Delhi! So stellt man sich eine indische Großstadt vor. ++ Fast kein Überblick im Getümmel möglich. ++ Wir besuchen einen weiteren Sikh-Tempel. Eine Oase der Ruhe. ++ Endlich wieder saubere Hände und Füße und dazu die Gesänge der ZZ-Top Coverband, wunderbar. ++ Für den Rückweg war absolut keine motorisierte Rikscha zu finden, keine Chance. ++ Wir sind jedoch platt und können nicht mehr laufen. Nach einigem Überlegen entschwinden wir uns dann doch für den Transport mit einer Fahrrad Riksha, obwohl wir das eigentlich nicht machen wollen. ++ Der arme Inter strampelt uns ca. 5 km durch Delhis Rushhour. Zwischendurch denke ich er macht gleich schlapp. Kein toller Job würde ich sagen. Ein ordentliche Trinkgeld soll er mindestens erhalten. ++ Doch die Fahrt ist ein Erlebnis. Verwinkelte Gassen, und Stellen an die wir wohl niemals zu Fuß gegangen wären tauchen vor uns auf. Was hier in den Straßen los ist, ist einfach unglaublich. ++ Es lässt sich an diesem Punkt nur erahnen was diese Stadt noch alles zu bieten hat. ++ Wer eine hohe Staubschluck-Toleranz besitzt könnte wohl Wochen hier verbringen, und würde stets etwas Neues entdecken. ++ Morgen um 06.15 Uhr in der früh geht unser Zug nach Rishikesh, das soll es etwas kälter sein als hier! ++

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