Asia Travel Logs (007) – Pushkar, eine indische Wundertüte

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Pushkar, dieses Städtchen hat es in sich! Was ursprünglich als kleiner unaufgeregter Zwischenstop geplant war, entpuppt sich als eine indische Wundertüte. Wir haben hier einige unserer schönsten Tage in Nordindien. Jeder Tag ist ein Erlebnis für sich und ich kam garnicht dazu all das aufzuschreiben was uns hier widerfahren ist. Es folgen die Tagebucheinträge vom 24. bis 28. November 2011.

24.11.11
Pushkar: Heute morgen haben wir uns früh in den Bus gesetzt und sind ca. 4 Stunden lang in den Ort Pushkar gefahren. ++ Im Bus war es angenehm. Endlich mal eine gute Straße, da war sogar lesen möglich. ++ Check in im Diamond Guest House für 300 RS (ca. 4,5 Euro). Günstigste Unterkunft bis jetzt und ein sehr sauberes und schönes Zimmer. ++ Pushkar ist ebenfalls eine religiöse Pilgerstätte. Der Hindi Gott Drama hat hier der Geschichte nach mal eine Lotusblüte fallen lassen aus der der Ort dann entstanden ist. Der Drama kann schon so einiges muss ich sagen. Ein heiliger See ist übrigens gleich mit entstanden, in den unter anderem die Asche von Mahatma Ghandi gestreut wurde. Auch der war ein großer Fan von Pushkar. ++ Genug Gründe also für einen gläubigen Hindu hier richtig einen drauf zu machen. Geschehen muss das hier allerdings entweder durch spirituelle Höhenflüge oder einen speziellen Lassi namens “Bhang”. Der wird hier überall angeboten und soll Rauschzustände auslösen. ++ Alkohol,  synthetische Drogen sowie Fleisch und Eier sind streng verpönt hier in Pushkar. Unter der Hand wurde uns jedoch direkt am ersten Tag hier Schnaps und Gras angeboten. Naja wir sind wohl alle nur Menschen, selbst in einer heiligen Hindi Pilgerstätte. ++

26.11.11
++ Ok, vergessen wir den vorherigen Eintrag! Als ich dieses unleserliche Zeug da oben geschrieben habe, hatten Joke und ich wirklich nicht alle Sinne beisammen. Doch von Anfang an: Der gestrige Tag war im wahrsten Sinne des Wortes eine indische Wundertüte! ++ Nach dem Frühstück erstmal ein Spaziergang um den See. “Spaziergang” ist an dieser Stelle jedoch eher das falsche Wort. Zumindest der Gang über die erste Hälfte der Ghats lässt sich wohl eher als graziles Hüpfen und Ausweichen vor und über Kothaufen beschreiben. Am Seeufer liegen mehr Kuhfladen als auf der Straße (wo schon alles andere als wenige liegen). Zwischendrin, badende und betende Inder, in sich gekehrt, fröhlich und völlig entspannt bei all den Tretminien! ++ Durch große Lautsprecher trillern die Chants und Predigten der Seepriester, Geklimper und geplansche soweit das Auge reicht. ++ Und kaum zu glauben: Hier am See lassen einige der sonst so prüden indischen Frauen die Hüllen fallen, um sich mit dem heiligen Wasser zu waschen, komisch. ++ Der hintere Teil des Sees war etwas besser geeignet für einen Spaziergang! Schön das verrückte treiben hier von der anderen Seite aus zu beobachten. Hier sprechen uns erstmal ein paar wandernde Sadhus an. Sadhus sind im Prinzip Landstreicher mit einem spirituellen Habitus. Wir setzten uns neben die eigenartig aussehenden Gestalten. ++ Einer von ihnen ist von Kopf bis Fuß mit weisser Kreide eingerieben und lacht uns unter seiner verfilzten Strohmatte, die wohl mal richtige Haare gewesen sind, freundlich an. ++ Der Versuch eines Gesprächs, ein Chai am Lagerfeuer und wir machen uns wieder auf den Weg. Wir haben Hände und Füße genutzt um uns zu verständigen, viel ist dabei nicht herumgekommen. ++ Etwas weiter vom weg vom Rand des Sees begegnet uns eine indische Familie. Sie seien Musiker und der kleine, vielleicht siebenjährige Junge, könne einen Rajasthani-Tanz aufführen während der Vater dabei auf seinem Instrument spielt. Wir werden Zeuge einer herzlichen kleinen Aufführung, die wir zum Glück auf Video haben. ++ Auf dem Rückweg noch an einem sehr schönen Tempel sowie (dem fast schon obligatorischen) Sikh-Palast vorbei. Der war dieses Mal leer. Keine Pilger, keine ZZ-Top Cover Band aber dafür ein netter Sikh, der uns nochmal sehr viel über diese Religion erklärt hat. ++ Danach Heim! ++ Achja, da war ja noch das mit dem Vollrausch! ++ Gegen 17 Uhr finden wir uns im Honet & Slice Café ein und bestellen jeder eine sog. Bang Lassi, wird ja wohl nicht so schlimm sein, wenn die hier so einen Wirbel um das Alkohol und Drogen Verbot machen. Wir haben wirklich noch keine Ahnung was uns erwartet. ++ Nach ca. 15 Minuten merkt Joke das es sich dreht. Ich drehe mich nach 5 weiteren Minuten mit, und wir sehen zu das wir schnell bezahlen.  Auf dem Weg ins Hostel sind wir beide schon ziemlich komisch drauf. Joke fühlt sich ziemlich schwer, ich ziemlich leicht. Auf jeden Fall sind wir beide nicht mehr auf dem Boden der Tatsachen. ++ Gut, dass wir unsere erste Idee, jetzt noch möglichst viel draussen auszugucken, schnell verwerfen und beschließen aufs Zimmer zurück zu gehen. ++ Alleine der Weg zurück ins Hostel ist eine knallbunte und wirklich sehr schrille Erfahrung, reicht! ++ Im Zimmer angekommen wird es dann richtig heftig. Wir wissen nicht mehr wo oben und unten ist. Also Tür zu und abwarten. Der ganze Spaß dauerst ungefähr 3 Stunden. Es war nicht wirklich schlimm, aber mit so einem Effekt hatten wir nicht gerechnet, in unserem Buch stand irgendwas von leicht entspannender Wirkung oder so… ++ Wir schlafen aber beide gut und fühlen uns am nächsten morgen prächtig, wenn auch etwas verwirrt über den gestrigen Abend. ++ Ich habe nachgeschaut: Bang Lassi ist versetzt mit Cannabis uns teilw. sogar mit Stechapfel, alles rein natürlich. Keine Ahnung was genau jetzt in unseren Bechern war, hat aber definitiv erstmal gereicht. Die spinnen schon ein bisschen hier, dass die dieses Getränk ganz normal auf der Karte stehen haben, in nahezu jedem Café hier. ++ Heute morgen sind wir dann erstmal auf einen ziemlich hohen Felsen geklettert, den wir durch Zufall entdeckt haben. Der Aufstieg war ganz schön anstrengend aber genau das richtige um den Kopf wieder richtig frei zu bekommen. Oben gab es heißen Tee und einen fantastischen Ausblick über Pushkar. Wir schmieden Pläne wie es jetzt weitergeht. Wir werden wohl noch ein bisschen hier bleiben. Mal schauen was Pushkar noch für uns bereithält! ++

28.11.11
Joke ist in der Dusche und anscheinend kommt kein armes Wasser. Das heißt dann wohl gleich für mich ebenfalls “kalt” duschen, juhu! ++ Wir kommen gerade aus dem tibetischen Restaurant hier. Gestern waren wir dort auch schon und es war so lecker, dass wir ein zweites Mal hin gegangen sind. Die leckere Suppe hier heißt Tentuk, köstlich. ++ Wir hatten den Tag über ein Moped ausgeliehen und sind zu einem Shiva Tempel gefahren, der ca. 8 km von Pushkar entfernt liegt. Die Landschaft auf dem Weg dorthin war sehr schön und wir haben einige Fotos gemacht. Alles ziemlich wüstenartig und ziemlich heiß. Unterwegs kamen uns Frauen mit großen Holzladungen entgegen, die sie auf ihren Köpfen trugen. Frage mich wie weit die mit so einer Ladung laufen müssen? ++ Am Tempel war nicht viel los, was sehr angenehm war. Bis auf ein paar Bauarbeiter die auf der anderen Straßenseite irgendetwas an einer Wand verputzten war dort niemand. Die fanden uns irgendwie sehr interessant. ++ Morgen verlassen wir diese schöne Stadt und es geht weiter nach Udaipur. ++ Die letzten zwei Stunden ist es hier ziemlich laut. Trommelnde und paukende Paraden von Menschen ziehen gerade durch unser Viertel und machen krach. Hier ist heute so eine Art Schützenfest. Den ganzen Tag ziehen schon feiernde Inder durch die engen Gassen der Innenstadt und machen einen ohrenbetäubendern Lärm. Sie haben alle wirklich Spaß dabei und ich finde es auch nett. Es ist ein bisschen so als würde sich Pushkar von uns verabschieden! ++

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