Der Bromo Vulkan, wie ein Spaziergang auf dem Mond!

bromo cover

Auf unserer Fahrt durch die Tengger-Ebene im nord-östlichen Teil Javas, sind es nicht nur die bereits über 2000 m Höhenunterschied, die meine Gedanken beflügeln. In den letzten Tagen dachte ich häufig an “Mount Bromo” einen der aktivsten Vulkane in ganz Indonesien; An seine Entstehung, die Geschichten um seine Ausbrüche herum und an die Legende über ein hinduistisches Königspaar, die sich seit dem 15. Jahrhundert erzählt wird. Bereits 12 Stunden später werden wir den Bromo besteigen!

“Don´t worry, we just have to pick up a delivery for a Customer in Surabaya.” Ein wenig beschwichtigend lächelt uns der Fahrer des Kleinbusses ins Gesicht mit dem wir bereits die letzten sechs Stunden unterwegs sind. Die Fahrt von Jakarta nach Sukapura, dem Örtchen das als “Jump of Point” in den Bromo-Tengger-Semeru-Nationalpark Bedeutung gefunden hat, soll insgesamt gut neun stunden dauern.
Durch unseren unerwarteten Zwischenstop zum aufladen besagter Lieferung, der zudem mit nerviger Sucherei verbunden war, hat es dann insgesamt fast 12 Stunden gebraucht bis wir irgendwo an einem Kiosk herausgeworfen werden. Die zweite hälfte der Fahrt bis hierher, haben wir zwischen ölig schwarzen Metallfelgen verbracht, über die sich der “Customer” in Surabaya bestimmt sehr gefreut hat.

Was solls, wir sind hier und irgendwie wird es schon weitergehen! Es ist immer wieder verblüffend wie chaotisch und unübersichtlich die Transportwege für individualreisende teilweise in Südost-Asien sind.
Ob man nun in Massenabfertigung farbige Aufkleber auf der Brust heftend von einem Boot ins andere bugsiert wird, alleine an verlassenen Tankstellen wartet oder auf Zweirädern zwischen zwei Minibussen hin und her gekarrt wird. Auf beinahe magische Weise taucht irgendwo immer jemand auf der bescheid weiss und einen weiterleitet in Richtung Ziel.

Auch dieses mal scheppert nach ca. 1,5 Stunden Wartezeit ein klappriger, fensterloser Bus auf den Mini-Supermarkt zu, vor dem wir seit dem Sonnenuntergang warten. Gemeinsam mit einer Hand voll anderer Reisender werden wir die nächste Stunde immer weiter bergauf fahren. Ordentlich durchgefroren und gut geschüttelt kommen wir schließlich in unserer Unterkunft  Sukapura an.
Es bleibt noch Zeit zum Duschen aber dann heißt es auch schon ab ins Bett, denn unser Ausflug zum Vulkan beginnt bereits um 04.30 Uhr in der Früh. Den Sonnenaufgang über dem Bromo dürfen wir auf keinen Fall verpassen.

 

Mount Bromo, Naturgewalt mit Geschichte

Das Bromo-Tengger-Massiv ist Teil einer Vulkankette, die sich entlang des Sundabogens erstreckt. Es handelt sich dabei um Vulkane einer Subduktionszone, welche durch das Absinken der indo-australischen Platte unter die eurasische Platte entlang des Sundagrabens entstanden sind. Das bei diesem Prozess aufsteigende Magma speist die Vulkane dieser Vulkankette, welche sich von den Andamanen über Sumatra und Java bis Osttimor erstreckt.

Mit seinen 2329 Metern Höhe, ist der Bromo zwar nur der zweithöchste von den insgesamt fünf Vulkanen im Bromo-Tengger-Semeru Nationalpark (größter ist der Semeru Vulkan mit 3676 m), doch ist Mount Bromo der aktivste Vulkan auf dem Plateau.
Seit er bei einem Ausbruch im Jahr 1983 zwei Dörfer zerstörte ist eine “Sicherheitszone” um den Vulkan errichtet worden. Die darauf folgenden Eruptionsphasen waren in den Jahren 2004 und 2011.

Ende des 15. Jahrhunderts, so besagt eine viel erzählte Geschichte unter den ca. 40000 Menschen die in der Tengger-Hochebende leben, habe das damalige Königspaar den Gott des Mount Bromo um Hilfe gebeten, da ihr Kinderwunsch sich nicht erfüllen wollte.
Dieser versprach den beiden Nachwuchs, wenn sie zum Ausgleich das jüngste Kind seinem Krater zum Oder geben würden. Sie willigten ein und bekamen insgesamt 25 gemeinsame Kinder.
Nach einer dramatischen Wendung opferten sie ihren jüngsten Sohn dann tatsächlich, und dieser, bzw. seine Stimme aus dem Jenseits forderte das traurige Königspaar auf, von nun an dem Tag seiner Opferung jedes Jahr in einer Zeremonie zu gedenken. Hierbei werden feierlich Blumen, Früchte, Reise und Tiere in den Krater des Bromos geworfen. Dieses Fest ist  in die Geschichte der Tengger-Javanesen eingegangen und wird bis zum heutigen Tag gefeiert.

 

04.30 Uhr morgens, das Abenteuer beginnt!

“Zieht euch warm an morgen früh und nehmt einen Schal oder ein Tuch mit!” Diesem etwas bedeutungsschwer klingenden Rat unseres Führers folgend, stehen wir in nach gut fünf Stunden Schlaf auf dem Parkplatz vor unserer Unterkunft.
Zusammen mit einer Hand voll anderer Traveller, ebenfalls in Pullover, dickere Jacken und Halstücher eingepackt sind, warten wir darauf einem der vielen kleinen Geländewagen zugeteilt zu werden, die alle nach und nach hinaus in die Dunkelheit fahren.
Für diese frühe Stunde herrscht fast schon ein reger Verkehr auf der staubigen Straße, die uns weiter hinauf führt, bis wir nach gut 20 min Fahrt zum stehen kommen.
Es geht zu Fuß weiter! Die Luft ist dünn in dieser Höhe und der Weg geht steil bergauf. Eine Weile sehen wir nichts bis auf die Kopf- und Taschenlampen unserer Vorderleute. Doch je weiter wir durch den feinen Pulversand unter unseren Füßen nach oben stiegen desto heller wird der Himmel über uns.
Langsam erkenne ich wie groß das Tal zu unserer rechten ist, das ein paar Minuten vorher noch im Stockdunklen gelegen hat.
Dann erkennen wir die gewaltigen Umrisse des Mount Bromo sowie die von Mount Batok dem großen Berg hinter dem Vulkan. Je heller es wird, desto unwirklicher wird die Szenerie um uns herum. Ich fange an zu fotografieren und wähne mich Schritt für Schritt mehr in einem Gemälde als in der Realität.

Pünktlich zum Sonnenaufgang stehen wir am höchsten Aussichtspunkt über die gut zehn Kilometer breite Schlucht in der sich der Bromo befindet.
Ein fantastischer Anblick bietet sich uns und wir müssen uns die Augen reiben vor erstaunen! Das muss die größte Fototapete der Welt sein oder irgendeine optische Täuschung. In solchen Momenten kommt man sich als einzelner Mensch manchmal ganz schön klein und unbedeutend vor. Dieser Akt der Natur wiederholt sich hier jeden morgen aufs Neue und zwar ganz egal, ob ich heute den Zug verpasse, mich über die Arbeit ärgere oder genervt über irgendetwas anderes bin. Ein sehr schöner Gedanke!
Fast kopfschüttelnd angesichts dieses surrealen Naturschauspiels, steigen wir wir wieder hinunter zur Parkbucht unseres Jeeps.

Zu diesem Zeitpunkt steht bereits fest, dass sich die weite Anreise allein für diesen Teil unseres Ausfluges schon mehr als gelohnt hat. Doch es sollte noch weiter gehen,  als nächstes werden wir hinunter fahren in die “Schlucht aus Sand”, direkt ins Auge des Kraters.

 

Ein Spaziergang durch die Sandwüste

Die Fahrt hinunter ins Tal dauert nicht sehr lange. Bereits nach ein paar Minuten verläuft sich die Straße in einem weiten Feld aus Lehmboden, in dem nur noch die Spuren der anderen Geländewagen einen Weg weiter hinein in die Sandwüste weisen.
Die Einheimischen nennen das Tal schlicht “The Sand Sea” und  Die Bedeutung dieser Bezeichnung wird uns nun Meter für Meter bewusster. Beständig pfeift der Wind durch die Schneisen der riesigen Felsformationen um uns herum, und treibt seit Jahrtausenden eine lockere Schicht aus Staub, Asche und Sandkörnchen vor sich her.
Fast künstlerisch wirken die Wellen und Muster, die auf diese Art und Weise in den Boden gemalt wurden und sie erwecken vom weiten betrachtet wirklich den Eindruck eines Blickes auf das offene Meer.

Nach einer Weile kommt unser Jeep auf einer größeren Parkfläche zum stehen. Bis hier hier und nicht weiter werden wir gebracht; nun heißt es laufen.
Vor unseren Augen verschwinden schon einige der anderen Traveller im Staubnebel. Die Sonne steht inzwischen hoch über unseren Köpfen und reflektiert die aufgewirbelten Partikel aus Asche und Sand. Wir binden uns unsere Tücher um Mund und Nase und laufen hinein in das Meer aus Sand vor unseren Füßen, die winddichte Kleidung macht sich nun bewährt.

Die Landschaft um uns herum wird mit jedem Schritt abstrakter, Horizont und Boden scheinen miteinander zu verschmelzen. Ich blicke zurück und erkenne die Parkfläche mit den Geländewagen noch wage im Staub. Vor uns wird es zunehmend steiler und immer sandiger und ich denke, dass so ein Spaziergang auf dem Mond sein muss.
Nach einer Weile erkennen wir die Umrisse einiger Personen vor uns. Gut fünfzig Meter bevor es richtig steil wird haben einheimische Pferdeführer ihr Lager aufgeschlagen, und bieten uns an den Rest des Weges zum Krater auf einem der Pferde zurückzulegen. Auch wenn die Verlockung recht groß ist, winken wir ab, das werden wir doch wohl alleine schaffen!

Also hoch die Ärmel und weitermarschiert! Inzwischen brennt uns die Sonne ins Gesicht und zudem liegt langsam ein eigenartig bekannter Geruch in der Luft. Schwefel riecht im Prinzip wie Eiersalat nur etwas penetranter. Der Duft wird stärker, ein Zeichen dafür das wir uns mehr und mehr dem Krater nähern. Nach ein paar Minuten stehen wir dann tatsächlich an seinem Fuß!

Der Aufstieg zum Blick in den Vulkan erfolgt über eine ziemlich steile Steintreppe, die hier glücklicher Weise gebaut wurde. Andernfalls würde sich der Versuch dort hoch zu kraxeln sicherlich für einige zur Kullerpartie entwickeln. Ohne Seile, Haken und anderes Kletterequipment wäre er ohne die Treppe wohl ohnehin nicht möglich.
Als wir oben ankommen fühlen sich meine Beine an wie aus Gummi, und ich brauche einen Moment um überhaupt zu realisieren, dass wir nun am Ziel sind.
Hinter uns können wir nun über die gesamte “Sand Sea” blicken und direkt vor unseren Füßen befindet sich das Auge des Vulkankraters. Ich bin völlig ausser mir!
Weißer Rauch steigt beständig aus der Mitte des Kraters hinauf in den Himmel und wenn man genau hinschaut sieht man unten im Krater den grünlich schimmernden Schwefel blubbern.
Ich lasse meinen Blick schweifen und erkenne die Rundung des gewaltigen Kraters am Horizont. Ich sehe einen besonders hartgesottenen Besucher, der den Krater ein ganzes Stück weiter entlang gelaufen ist, als es durch die ,ohnehin sehr schmale und verfallene, Balustrade am Kraterrand vorgesehen ist. Bei dem Anblick wird mir schwindelig.

Wir verweilen noch ein paar Minuten hier an diesem Ort der sich irgendwie immer noch nicht richtig real anfühlen will, bevor vor wir uns wieder an den Abstieg machen.
Auf unserem Rückweg zurück nach Sukapura habe ich die ganzen Eindrücke noch nicht verarbeitet, doch bereits am nächsten Tag war mir klar, das dieser Trip zu den Erfahrungen gehört hat, die man wohl nur einmal im Leben macht!

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