Tote-Hosen-Sänger Campino interviewt 1994 Jugendministerin Angela Merkel

Campino Merkel

1994 interviewte Campino, der Sänger der Punkband “Die Toten Hosen” die damalige Jugendministerin Angela Merkel.
In Bezug zu dem gestern erschienenen Kanzlerinnen-Interview mit LeFloid, sehr interessant zu lesen.

15.07.2015

mit der Aktion #Netzfragtmerkel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel sich keinesfalls zum ersten Mal dem Fragenpool der Jugendkultur geöffnet.

Das auf Reddit wieder hervorgekramte  und damals im Spiegel gedruckte Interview aus dem Jahre 1994 führte Campino, der Sänger der Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen.

Die Kanzlerin ist rhetorisch inzwischen zweifelsohne etwas fitter geworden, doch Campino, war seinerzeit auf jeden Fall ein weitaus bissigerer Fragesteller als LeFloid heute.

Hier ein paar Ausschnitte:

Spiegel 1994

MERKEL: Bei mir war das irgendwie anders. Ich habe viele meiner Freunde beneidet. Die konnten Musik hören und dabei ihre Schularbeiten machen. Ich habe das nie geschafft, und doch erschien mir das als erstrebenswert, weil die meisten jungen Leute das können. Auf Feten war ich unheimlich traurig, daß ich mich nicht in die Musik reinsteigern konnte. Ich war immer das Mädchen, das Erdnüsse ißt und nicht tanzt.

CAMPINO: Waren Sie mal auf einem Popkonzert?

MERKEL: Na, ich werde wohl mal bei den Puhdys gewesen sein, die waren ja neben Karat die bedeutendste DDR-Gruppe. Ich habe auch Beatles gehört und auch mal “Smoke on the Water” von Deep Purple so ist es ja nicht. Mich hat es bloß nie vom Hocker gerissen. Ich bin immer mehr so mitgegangen.

CAMPINO: CDU und Jugend, ist das nicht ein Widerspruch in sich?

MERKEL: Nein, das glaube ich nicht. Warum sind Sie der Meinung?

CAMPINO: Der CDU bröseln die Jugendlichen doch nur so weg. Ich weiß gar nicht, ob es da überhaupt einen jugendlichen gibt.

MERKEL: Hören Sie auf. Die SPD hat doch dieselben Probleme. Selbst bei den Grünen hat man zur Zeit Mühe, Mitglieder unter 20 Jahren zu gewinnen.

CAMPINO: Können Sie sich vorstellen, was Jugendliche an Ihnen – nicht an Ihrer Person, sondern an Ihnen als Jugendministerin – hassen? Haben Sie sich das schon mal überlegt?

MERKEL: Es gibt natürlich viel zu hassen, wenn man von der Annahme ausgeht, daß alle Politiker verdorben sind und arrogant, sich nicht verständlich machen können und im übrigen nur in ihre eigene Tasche wirtschaften.

CAMPINO: Würden Sie es einem Jugendlichen übelnehmen, wenn er sagt: Frau Merkel? Nein. Die ist blöd. Mit der rede ich nicht.

MERKEL: Das Interessante ist: Dort, wo ich hinkomme, hat mir noch nie jemand gesagt, daß ich blöd bin. Wenn ich mich in einem Jugendclub anmelde, werde ich meistens freundlich und einigermaßen gesittet empfangen. Und trotzdem sind die Jugendlichen weit davon entfernt, mich, die Jugendministerin, als ihre Schwester anzusehen.

CAMPINO: Waren Sie mal richtig betrunken? Ich meine: Hat es mal einen Zeitpunkt gegeben, an dem Sie jung waren und richtig betrunken?

MERKEL: Ja.

Den Rest des Interviews gibt es hier!

Was Form und Inhalt des Interviews zwischen LeFloid und Angela Merkel angeht, bin ich übrigens der gleichen Meinung wie Johnny Haeusler.
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