China (k)ein Platz für viele!?

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Das in China viele Menschen leben ist für die meisten keine große Neuigkeit. Bewegt man sich durch die Städte, und davon gibt es eigentlich keine kleinen, ist man schon geplättet von den Dimensionen. Doch das gibt es ja anderswo auf der Welt auch. So richtig bildlich greifbar, wurde die riesige Population Chinas für mich zu dem Zeitpunkt, als ich auf meiner ersten Zugfahrt durch das Land unterwegs war.

Diesen Eintrag schreibe ich aus einem Zug auf dem Weg von Xi’an nach Shanghai. Die Zugfahrt dauert 21 Stunden, noch sechs müssen wir absitzen bevor wir endlich da sind.
Auch auf dieser Fahrt gibt es ein unübersehbares Landschaftsmerkmal; Wolkenkratzer, so weit das Auge reicht. Es macht den Eindruck, dass fast kein Chinese mehr in einem ein oder zweistöckigen oder gar Einfamilienhaus wohnt.

Überall sind noch im Bau befindliche Hochhäuser zu sehen. Zwischen fertige und bereits bewohnte, werden immer noch mehr davon gequetscht. Baukräne, Bagger und Sandhügel sind also das was vermutlich die meisten Chinesen im Vorgarten stehen haben.

Landflucht extrem

Das es die Menschen vom Land in die Stadt zieht ist natürlich nicht nur ein chinesisches Phänomen, mir ist es bis jetzt jedoch noch nirgendwo so deutlich aufgefallen wie hier.
Die meisten älteren Städte in China verfügen noch (zumindest in Teilen) über ihre historische Stadtmauer. Es läßt sich also leicht sehen wie sich das Bild seitdem verändert hat. Die Stadtmauern bilden nur noch den winzigen Kern der Städte. Um die herum: immer ein neuer “Ring” aus großen Geschäften, Bahnhöfen usw.
Die dickste Schicht drumherum sind dann die Wolkenkratzer.
Chinas wirtschaftlicher Aufschwung passierte in erster Linie in den Städten, das alle dorthin wollen wundert also nicht.

Beschaulich und ruhig ist es fast nirgendwo mehr, außer in den von der Landesführung als Landschafts- und Kulturgut geschützten Bereichen, die dann aber von (meist inländischen) Touristen überlaufen sind.

Das moderne China erobert das ländliche

Es gibt natürlich noch jede Menge von moderner Infrastruktur weitgehend unerschlossenes Land in China. Und was ich bis jetzt gesehen habe mag freilich auch nicht unbedingt repräsentativ sein. Doch auf langen Zugfahrten offenbart einem der Blick aus dem Fenster häufig das selbe Bild.
Es wird gebaut: Brücken, Straßen, künstlich angelegte Gartenlandschaften und eben Hochhäuser werden wie Stempel in die herbstlich kahle Landschaft gesetzt. Sie kündigen die neue Zeit an, in der das Bild Chinas welches vielleicht noch in vielen westlichen Köpfen schlummert, der Vergangenheit angehört.

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