Der Mensch im Internet der Dinge!

Internet of ThingsDas Netz zu nutzen ist heute so selbstverständlich geworden wie Brot schneiden oder Haare kämmen.
Industrie, Forschung, Produkt- und Webdesinger, IT- und Social Media-Berater oder Medienpädagogen versuchen seit Jahren diese Selbstverständlichkeit zu einem festen Bestandteil im Leben aller Menschen zu machen.
Digitale Mündigkeit scheint schon lange die Vorraussetzung zu sein für eine selbstbestimmte Meinungsbildung, die Teilnahme am Erwerbsleben, der Demokratie, der Transformation von Identifikationprozessen und nicht zuletzt als Prämisse für den Absatz vieler neuer elektronischer Produkte, deren Benutzung möglichst immer einfacher werden soll.
Es hängt also einiges davon ab ob die Menschen dieses Internet benutzen (können) oder nicht. Doch wird das auch in Zukunft so sein?
Was passiert, wenn wir das Moment der “Benutzung” selbst, abtreten an die Technik? Wenn wir gar nichts mehr tun müssen, um von einer Veränderung unseres Lebens durch digitale Vernetzung, im positiven wie im negativen betroffen zu sein?
Wir nähern uns damit einem Konzept an, dass bereits Ende der 1990er Jahre entwickelt wurde, dem Internet der Dinge!

Doch was hat es damit auf sich, wenn wir von “Internet der Dinge” sprechen?  Die Idee zu dieser Wortschöpfung entstammt dem Nachdenken des Wissenschaftlers und Technologie Pioniers Kevin Ashton aus dem britischen Birmingham.
Der Grundliegende Ansatz beim Internet der Dinge ist es, die Informationslücke zwischen der realen und virtuellen Welt zu minimieren.

Geht man davon aus, dass das Internet, also der virtuelle Teil der Welt, den realen Teil der Welt abbildet und erweitert, dann war die Schnittstelle zwischen diesen beiden Sphären bislang immer der Mensch. Dieser speist Informationen in das Netzwerk ein und gestaltet es dadurch aus.
Das Antlitz und der Informationsgehalt des virtuellen Teils der Welt™ fußen also auf der aktiven Nutzung der Schnittstellen zum Netz (also PCs, Laptops, Tabletts, Smartphones usw.) durch ihren Benutzer.
Eine sich schnell aufdringende Ausnahme ist hier der Algorithmus, der scheinbar unabhängig vom Menschen Voraussagen trifft.
Das er dies bewerkstelligt ist unbestritten und das diese Voraussagen auch den realen™ Teil der Welt beeinflussen ebenfalls.
Der Algorythmus hat ziemlich sicher eine ähnlich große Auswirkung auf unsere Leben in zukünftigen Tagen, das große Schlagwort ist hier Big Data. Dennoch ist seine Funktionsweise vom dem hier behandelten “Internert der Dinge” abzugrenzen. 

Der Unterschied zum “Internet der Dinge” besteht darin, dass es sich beim Algorithmus eben um eine Voraussage handelt, die allenfalls auf einer Korrelation mit den Zuständen der physischen Dinge beruht. Im Internet der Dinge geht es jedoch ganz anders zu:

Hier ist es nicht der Mensch, der die physische Welt in Form von Daten in den virtuellen Teil der Welt einspeist, sondern es ist der Computer selbst, der die Beschaffenheit der Realität misst, feststellt, dokumentiert, verarbeitet und in das virtuelle transformiert.

Nach Ashtons Vision aus dem Jahre 1999 sollten Computer fähig sein,

“unabhängig vom Menschen Informationen beschaffen zu können. Computer müssten die reale Welt begreifen – ohne von Menschen bedient zu werden.”

Heute, gut 25 Jahre Später, ist so einiges davon bereits nicht nur technisch möglich, sondern an vielen Stellen schon längst Alltag geworden.
Der klassische Desktop PC wird zunehmend ersetzt durch eine Struktur von mobilen Internet-Devices, allen voran das Smartphone.

Um bei diesem Beispiel zu bleiben, könnte man sagen, dass das Smartphone momentan noch so etwas wie eine Hybrid-Funktion, zwischen der Benutzung des Netzes durch den Menschen und der Nutzung des Internets durch die Dinge, inne hat.
Es wird benutzt um aktiv zu kommunizieren, um Wissen aus dem Netz zu ziehen und um das klassische sichtbare Internet in Form von Webseiten darzustellen und damit zu interagieren.
Smartphones verfügen jedoch noch über weit mehr Schnittstellen zur Einspeisung der physischen Welt in das Internet, der Mensch ist nur eine davon.

So befinden sich Sensoren zur Geolokalisation, zur Erfassung von Barcodes, zum Aufnehmen von Fotos, zur Ausrichtung des Gerätes im Raum, zur Funkwellen-Übertragung (Bluetooth, NFC), zur Tageslichterfassung usw. ebenfalls mit an Board.
Solche Sensoren, erstellen keine Voraussage darüber wie die physische Welt beschaffen sein könnte, sondern sind eine direkte Schnittstelle zur Welt selbst.
Um Daten zu erfassen, benötigen diese Sensoren den Menschen nicht mehr, sie sind in der Lage die reale™ Welt so wie sie sich darstellt zu begreifen und zu erfassen.
Sie selbst sind es, die das Internet benutzen um uns selbst und unsere Umwelt im Netz zu repräsentieren.

Wer bis hier hin gelesen hat denkt jetzt bestimmt an so skurrile Dinge wie die Kaffeemaschine, die bereits aufbrüht bevor man aufsteht oder den selbsteinkaufenden Kühlschrank, von dem so schnell die Rede ist wenn man von Heimautomation durch das Internet denkt.
In der Tat sind viele dieser Produkte noch versuche herauszufinden, was wir zum einen wirklich benötigen, und wofür der Konsument zum anderen schon bereit zu sein scheint.

Unumstritten gehört die Zukunft jedoch vermutlich den Dingen, die noch weniger als bereits das Smartphone auf die Unterstützung des Menschen zur Abbildung der physischen Welt im Virtuellen setzten.

Dabei sind die Dinge, welche über eine Schnittstelle zum Internet verfügen, also über quasi über einen WLAN Chip oder einen Netzwerkanschluss, und über diesen, die Daten Einspeisen, die sie über ihre Sensoren erfassen, erst der Anfang.
Solche Gegenstände sind bereits weit verbreitet, sei es die Glühbirne mit Netzwerkzugang, die private Wetterstation für Zuhause oder der Schrittzähler fürs Handgelenk.

In nicht allzu ferner Zukunft wird eine neue Technik massentauglich, die das “Internet der Dinge” dann endgültig zu dem macht was Kevin Ashton sich um die Jahrtausendwende vorgestellt hat.
Die Rede ist vom sogenannten RFID Chip, der zwar schon relativ weit verbreitet ist, sich seine Einsatzzwecke momentan jedoch noch mit dem klassischen Barcode teilt, und zu diesem Zeitpunkt noch weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.
Man stelle sich hierbei kurz gesagt ein Sender-Empfänger-System zum automatischen und berührungslosen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten mit Radiowellen vor.

Hat sich die Infrastruktur zum lesen von RFID Chips erstmal weit genug verbreitet, sind den Anwendungsfällen keine Grenzen mehr gesetzt.
Die Kleinen Sensoren, lassen sich unauffällig in Kleidung, Verpackungen (Inventur), Einzelne Bauteile von z.B. Autos (für die Fließbandproduktion) oder Mülltonnen (zur Füllstandskontrolle) einbauen.
Sie dienen zur Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle empfindlicher Medikamente, ja sogar zur Identifikation von Personen oder Tieren.
Eine Firma in den USA experimentiert aktuell schon mit RFID Chips die unter die menschliche Haut eingepflanzt werden und im Notfall alle medizinische wichtigen Daten für die Ersthelfer vorhalten. Ein Einsatz in Banknoten ist ebenfalls vorstellbar, so wäre jede einzelne Banknote sozusagen lückenlos verfolgbar.

RFID Etikett eines Kleidungsstück

Durch die RFID Technologie bleibt theoretisch kein Objekt oder Lebewesen mehr der Repräsentation im Virtuellen verschlossen. Werden sie bewegt, oder verändert sich ihr Zustand, kommunizieren sie es ganz von alleine in das Netzwerk und lösen damit eine, vorher bestimmte, automatisch von statten gehende, Kette von weiteren Handlungen aus.

Der Bestand und die Aktualisierung von Informationen im Internet wird somit zunehmend weniger vom Menschen abhängig.
Die Dinge selbst (be)nutzen es um über ihren Status zu informieren und so Voraussagen und Serviceleistungen oder einen Informationsfluss zu initiieren, der dem Menschen nützlich ist.

Was lassen sich daraus für Schlüsse für unser zukünftiges Leben ziehen?
Schnell kommt der Gedanke auf, dass der Mensch in Zukunft gar nicht mehr gebraucht wird. Neben der Automatisierung, längst völlig durchrationalisierter Produktionsweisen wie z.B. der Automobilherstellung am Fließband,  sind in der Tat bereits selbst für den einen oder anderen völlig unvorstellbare Arbeitsfelder, wie beispielsweise der Sportjournalismus vom “Internet der Dinge” beeinflusst.

Es fällt nicht schwer sich Szenarien vorzustellen, in denen die Kumulation der smarten Gegenstände uns wenn nicht gar bedroht, so doch zumindest unsere Kreativität entwertet, oder dem Menschen bislang ureigene Leistungen diffamiert.
Aus einer positiven Sichtweise heraus, erleichtert das “Internet der Dinge” zunehmend unser Leben und zwar genau an den Stellen, die bei uns für unnötige Arbeit oder für Zeitverschwendung stehen, denn unterm Strich sind es ja noch wir, die die Kontrolle über die Funktion und den Einsatz der Techniken inne haben.

Die Wahrheit liegt wie so häufig vermutlich mal wieder irgendwo in der der Mitte!

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