Digitales Gejammer: Wir und die nervige You Tube Jukebox

shutterstock_215339068 Es sind diese Situationen, in denen man gesellig mit anderen zusammensitzt und Musik hört. Ob nur im Hintergrund oder ganz bewusst. Irgendwann geht es los: das You Tube-Zapping. Für mich gibt es kaum etwas nervigeres.

Ja, wir leben in Zeiten in denen alle Musik immer verfügbar ist. Wir leben in Zeiten in denen kein Track mehr rar, kein Album mehr schwer zu bekommen und nahezu keine Situation mehr ohne Internetzugang in unserem Alltag existiert.

Wir leben in Zeiten von Spotify, iTunes Match, Deezer, Beats Music und online Radio. Aber auch noch in Zeiten von CDs, Vinyl und UKW.
Kurz gesagt: Ein Schlaraffenland der Musikbeschallung umgarnt uns in diesen Zeiten. Jeder kann nicht nur das hören was er will, sondern auch wie und wann er es will. Und ich wäre der letzte, der in dieser Situation nicht sagen würde: “Jedem das Seine!“
Und trotzdem bin ich genervt von spontanen You Tube DJs von den Momenten in denen es heißt: „Mach mal You Tube an, ich will Dir nen Song zeigen!“ oder wenn man gefragt wird, ob man diesen oder jenen Track mal spielen könne: „Schade, Du hast den nicht? Mach mal You Tube an!“

Ich bin genervt von den Momenten in denen eine Playlist oder ein gerade laufendes Album, egal über welchen Kanal, plötzlich abgelöst wird durch You Tube-Zapping. Ich bin genervt davon, wenn plötzlich alle Anwesenden auf ein Video starren, obwohl sie doch eigentlich Musik hören wollten, oder sich unterhielten und dabei im Hintergrund Musik lief.

Warum ich You Tube mag:

Damit ihr mich nicht falsch versteht: Ich halte You Tube für einen der wichtigsten netzkulturellen Kanäle im Äther unserer Zeit.
Ohne You Tube wären ganze Videoformate nicht enstanden, wäre die Remix-Kultur im Netz nicht das was sie heute ist, gäb es nicht für jeden erdenklichen Anwendungsfall ein Tutorial, hätten wir kein Backup der Dinge die Andere vielleicht nie gespeichert hätten.
Wir hätten keine Szene aus Kreativen Videobloggern, Post-Internet Künstlern, aus Stars und Sternchen, um die sich schon lange eine ganze Industrie formiert hat. Diese ist aufgebrochen ist um dem klassischen Fernsehen den Schneid abzukaufen und zwar mit allen Vor- und Nachteilen die das mit sich bringt.
Das alles mag ich, weil ich Bewegung mag. Und weil das Internet, neben aller Kritik, im Fall von You Tube, häufig noch Teil dieser Bewegung ist. Wer weiss wie lange, aber noch ist es so.

Warum You Tube eine nervige Jukebox ist:

Dennoch gibt es Dinge die You Tube auch nicht ist und allen voran eben keine Jukebox.
Es befinden sich zwar eine Menge guter Alben in voller länge auf You Tube, die man sich schon anhören könnte, und auch ich entdecke immer wieder Schätzchen. Doch besteht You Tube zu mindestens auch doppelt oder dreimal soviel Schrott, zumindest wenn man einfach Musik hören will. Das heißt wacklige Live Mitschnitte, Fakes oder sonstwas.
Urheberrechtliche geschützte Inhalte sind in der Regel schnell wieder entfernt. Man findet zwar fast alles, aber oft in miserabler Qualität.
Das ist natürlich nicht das Problem von You Tube selbst. Die Inhalte dort haben ihre Berichtigung. Es ist gut, das sie dort sind. Man kann sie gebrauchen, als Dokument, in bestimmten Momenten zum anschauen, zum weiter verteilen, dass alles ist gut.
Wer allerdings aud die Idee kommt seine Party mit diesem Zeug zu beschallen, der nervt mich. Warum? Weil ich miterleben muss, wie jemand etwas sucht und es erst nach zwei oder drei Anläufen gefunden hat, weil es lange dauert bis die gewünschte Version läuft, oder sie eben garnicht läuft, sondern eine Live-Version mit schlechter Qualität.

You Tube ist meiner Meinung nach einfach nicht dazu geeignet eine lokale Sammlung auf dem Rechner, im Plattenkoffer oder die Möglichkeiten eines Spotify Accounts zu ersetzten. Daran ändern übrigens auch Playlisten auf You Tube nichts.
Wer das versucht, zerstört für mich gefühlt oft die Stimmung in geselligen Runden, auf Partys oder sonst wo.
Also Leute spart Euch das suchen nach Tracks, die ihr unbedingt  gerade jetzt spielen wollt, wenn sie nicht auf anderen, dafür geeigneten Plattformen zur Verfügung stehen.
Erspart Euch und Anderen das You Tube-Zapping. Was nicht da ist, darf auch ruhig mal nicht da sein, das macht einen schönen Abend individueller und vor allem weniger nervig.

(Bild “You Tube” von Shutterstock)

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