Digitalisierung, Schwarz und Weiß!

Digitalisierung der Arbeit

Kürzlich ist mir eine interessante These zum digitalen Wandel in der Gesellschaft vor die Füße gefallen, die mir gerade immer noch durch den Kopf schwirrt.
Die Entwicklung  der Technik sortiert uns ein in eine Klassengesellschaft aus digital tätigen, die sich zunehmend an zwei Polen zuspitzt, aber von Anfang an.

Die These stammt von Gunther Dueck, seines Zeichens Kolumnist bei der Welt, und lautet so:

Die Computer, das Internet und zentrale Cloud-Intelligenzen teilen uns in zwei Klassen: Es gibt Menschen, die nach Bildschirminstruktionen arbeiten, und andere, die den Computern die Instruktionen geben.

Davon Betroffen sind zunächst Wir alle, die irgendwie produktiv sind.
Die Digitalisierung erfasst einen (Arbeits-) Prozess nach dem anderen, macht ihn schneller, effizienter aber deprofessionalisert ihn eben auch.
Ein Taxifahrer z.B. benötigte früher noch genaue Ortskenntnisse um seinen Job verrichten zu können. Heute trägt jeder sein Navigationssystem in der Hosentasche und das amerikanische Startup Uber, streitet gerade in zweiter Instanz mit den deutschen Gerichten darum, dass bald jeder ein Taxifahrer sein kann, und zwar mit seinem Privatauto.
Das Beispiel des Taxifahrers lässt sich neben hunderte andere Stellen!
Ihnen allen ist gemein, dass es Computersysteme und Programme sind, die die produktiven Prozesse begleiten, ob nun beim  Paketzusteller, beim Autoverkäufer, beim Steuerberater oder beim Rechtsanwalt.
Arbeiten heißt für viele heute mehr ein “bedienen” als ein “erschaffen”. Eine gute Route durch die Stadt um schnell nach A oder B zu gelangen oder um eine Wagenladung Pakete zuzustellen, spuckt die Voraussage eines Computerchips aus, die Eigenleistung des Menschen ist immer weniger gefragt.
Dies schlägt sich auch strukturell auf dem Arbeitsmarkt aus. Und zwar in mehr Zeitarbeit, Lohndumping und ungelernten Angestellten, die ja einfach nur das tun müssen was die Maschine ihnen sagt und deshalb immer austauschbarer werden.
Viele Jobs werden auch gar nicht mehr gebraucht, die einfachen Dinge erledigt der Kunde inzwischen selbst. Prosumenten  nennt man die, die sich ihre Versicherung im Internet buchen, ihr Paket an der Packstation abholen, sich ihren Gebrauchtwagen in großen Netzportalen shoppen oder dort ihren Sommerurlaub buchen.
In vielen Fällen benötigt es nicht nicht einmal mehr eine “arbeitende” Person, die die Maschine bedient.

Aber Digitalisierung ist doch nicht nur schlecht!?

Doch was ist mit den tollen und kreativen Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt? Es gibt sie doch, die Webworker, YouTuber, Blogger, die freien Journalisten, die eLearner und Demokratisierten!
Stehen die nicht auf der Sonnenseite der Digitalisierung? Gibt das Internet Ihnen nicht die Stimme, die sonst sang und klanglos untergegangen wäre in der Anonymität der Masse. Müssen wir nicht einfach genauer hinschauen?
Ja, das müssen wir, denn die Luft wird immer dünner für diejenigen, die Dinge erschaffen in diesem Netzwerk.
Wer heutzutage eines der großen Sozialen Netzwerke bedient, dürfte in den wenigsten Fällen das Gefühl der “Selbstermächtigung” zur gesellschaftlichen Teilhabe erfahren.
Unter den YouTubern gibt zwar einige sehr erfolgreiche, aber wenige Performer, die meisten Nutzer bedienen dort schlicht ein Interface, dass im wahrsten Sinne des Wortes für jeden Deppen gemacht scheint, so ist es übrigens auch mit Twitter, Google+ oder Tumblr.
Wenn es dabei wenigstens nur ums Netzwerken ginge anstatt, um Arbeit für die Werbekunden der Großkonzerne, aber das ist eine andere Geschichte.

Fest steht, das es immer schwieriger wird, die Arbeiten zu verrichten, die noch nicht von Automatismen übernommen wurden, und das es für eine Ganze Menge Leute schlicht nicht möglich ist mit der Geschwindigkeit die die Digitalisierung des der Arbeitswelt und des Alltags vorlegt, Schritt zu halten.
Es kann dann eben doch nicht jeder Autor, Webdesigner oder YouTube Star werden. Die, gar nicht mehr so neuen, Versprechungen des verheißungsvollen Neulandes Internet für Individualität und wirtschaftlichen Erfolg entpuppen sich schon lange, nur als eine Möglichkeit, für eine dann doch sehr kleine Minderheit und eben nicht als eine schöne neue Arbeitswelt für die Masse.
Verspitzt Ausgedrückt, bringt die Digitalisierung der Arbeitswelt am Ende dann wohl doch eher das Prekäre hervor, was schon die Industrialisierung eins mit sich brachte.

Wer heute Arbeitet, so die These, ist entweder ein zunehmend schlechter bezahlter “Bediener” von Technik, der nichts weiter tut als die Instruktionen zu befolgen, die sie vorgibt oder er gehört zu der privilegierten Gruppe von Arbeitenden, die (noch) die Expertise mitbringen die Instruktionen festzulegen, die die Maschinen ausspucken.

Natürlich gibt es noch Arbeiten, die der Computer noch nicht verrichten kann.
Wer würde schon die wirklich wichtigen Dinge, von denen Gunther Duck ein paar aufzählt, wie planen, entwerfen, verkaufen, überzeugen, designen, vermarkten, erforschen, innovieren, gründen, führen, erziehen, Konflikte lösen, Frieden schaffen, Nachhaltigkeit erzeugen, entscheiden, initiieren oder managen den Computern überlassen?

Es liegt jedoch nah, das auch diese, dem Menschen eigenständigen Arbeiten, bald vielleicht nicht mehr nur eine Kopfleistung Einzelner, sondern mit der Hilfe von Algorithmen, Routinen oder einfach modernerer Technik unterstützt, und vielleicht irgendwann ersetzt werden.
Die Schere geht also auseinander zwischen denjenigen die die verbleibenden Experten-Aufgaben erledigen (können) und denen die den Anweisungen der digitalisierten Arbeitswelt folgen.
Wo bleiben sie also, die Bildungsprogramme, die es vermögen nicht einige wenige, sondern die große Masse wieder teilhaben zu lassen, an den Vorteilen, die die Digitalisierung der (Arbeits-) Welt mit sich bringt?

Sag was dazu!