Emanzipierte Aggression: Perfume Genius – Too Bright

Perfume Genius, Too Bright / Zwentner.com

Das neue und dritte Album von Mike Hadreas, alias “Perfume Genius” bleibt unverkennbar der sanfte und hauchdünne Klavier-Pop, durch den er einst zu ansehen kam.
“Too Bright” schlägt jedoch auch neue Töne an und offenbart einen schaurig schönen Blick in die Innenwelt des Songschreibers aus Seattle.

Ob es sich bei Stücken wie Fool, My Body oder Don’t let them in, nun um eine Selbstbeobachtung des Künstlers, mit der wohl weichsten Stimme aller Zeiten, handelt sei dahingestellt.
Das Mike Hadreas, jedoch genauso wie Anthony Hegharty, (mit dem er oft verglichen wird) seine Homosexualitat auch in seiner Musik Thematisiert, war bereits in den beiden Vorgängeralben der Fall.
Allerdings wirkten die Innenansichten, die Perfume Genius uns noch auf “Put Your Back N 2 It” präsentiert hat, eher wie die eines gebeutelten und in sich zerrissenen Mike Hadreas, der in der Tat zu dieser Zeit noch in diversen Therapieschleifen hing, aufgrund von Depressionen und dem Mißbrauch so ziemlich aller Substanzen die er auftreiben konnte.

Perfume Genius / Zwentner.com

Die Musik sei seine Rettung gewesen, seine Stimme in einer Gesellschaft die noch immer zu viele homophobe Tendenzen aufzeige.
Auf “Too Bright” scheint er viele dieser Ressentiments hinter sich gelassen zu haben, und blickt auf die verbliebenen mit einer neuen und emanzipierten Aggressivität, wenn man das so sagen kann.

Musikalisch drückt sich das vor allem in den elektronischen Arrangements von Adrian Utley (Portishead) und John Parish (PJ Harvey) aus, die Hadreas für “Too Bright” als Produzenten gewonnen hat.

Neben den klassischen Zwiegesprächen zwischen Hadreas und seinem Klavier, versammeln sich so noch ein paar neue Facetten von Perfume Genius auf dem neuen Album von dem einige durchaus Pop-Appeal besitzen.

Doch auch wenn Mike Hadreas und seine Hintermänner den Sound verfeinert, vergrößert und an gewissen Stellen glatt gebügelt haben, bleiben es dennoch die Texte, die sich einer gewissen Ruppigkeit nicht entziehen und in denen der alte Selbsthass mitschwingt, wie z.B. In “My Body”:

I wear my body like a rotted peach/ You can have it if you handle the stink

Doch Hadreas handelt diese Gefühle nun nicht mehr mit sich selbst aus, sondern schleudert ihn nun allen anderen ins Gesicht!

Das Cover von “Too Bright” zeigt einen androgynen doch auf gewisse Weise irgendwie heldenhaften Hadreas im goldenen Harnisch, bei dem der eine oder andere sicher direkt den Ausspruch: “oh man ist das schwul!” auf den Lippen haben mag.

Doch eben genau das ist es was der gestriegelte Hadreas vielleicht dem Establishment, sowie all den Homosexuellen, die sich noch selbstzerfleischend für Ihr coming out verfluchen eben mitteilen möchte!

Es gibt noch viel zu tun für die Gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität, Perfume Genius hat sehr viel dazu zu sagen, seine Musik stellt ihm dafür ein mächtiges Instrument zur Seite!
“Too Bright” ist Emanzipation in Reinform und ein richtig gutes Album!

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