Filmempfehlung: Evil – Faustrecht

“Hast du schon mal was von Gandhi gehört? Der hat ganz Indien befreit und zwar ohne Gewalt!”

Diese Frage stellt sein Freund Pierre unserem Protagonisten bereits am Anfang seiner Geschichte und sie wird ihn und den Zuschauer bis zum Abspann begleiten!

Erik Ponti (Andreas Wilson), hat keine einfache Jugend. Im Nachkriegs-Stockholm der 50er Jahre lebt er zusammen mit seiner Mutter und seinem Stiefvater (Johan Rabeus) in einfachen Verhältnissen. Dieser hält Zuhause ein strenges Patriarchat aufrecht und läßt keine Möglichkeit ungenutzt Erik wegen der kleinsten Verstöße gegen seine Überzeugungen zu verprügeln. Erik und seine Mutter beugen sich den heimischen Machtverhältnissen. Erik selbst gibt den Druck lieber weiter an seine Mitschüler und Gerät so in ernsthafte Probleme, die seinen Schulabschluss in Gefahr bringen.

Als er droht von seiner Schule suspendiert zu werden kratzt seine Mutter alle Ersparnisse zusammen und versetzt einige der Familienerbstücke um Erik auf ein Internat nach Finnland zu schicken, damit er dort einen Neuanfang starten kann, die letzte Chance nutzt seinen Abschluss zu erlangen und nicht zuletzt um aus den diabolischen Fängen seines Stiefvaters zu entkommt.

Als Erik in dem Elite-Internat Stjärnsberg ankommt will er alles daran setzten seine Noten zu verbessern. Er tritt schnell der Schulmannschaft im Schwimmen bei und freundet sich mit mit seinem Zimmergenossen Pierre (Henrik Lundström) an. Erik und Marja In Stjärnsberg herrschen jedoch ganz eigene Gesetzte. Das Ordnungssystem wird hier von einem Schülerrat diktiert, der sich aus der Oberstufe zusammensezt. der Rat operiert teilweise mit unmenschlichen Methoden, wird jedoch von der Schulleitung akzeptiert, die sich am Renommee des Internats festklammert und keine schlechten Schlagzeilen machen will. Einigen Teilen des Lehrpersonals scheint das repressive System des Schulrates sogar ein willkommener Anschluss an ihre eigene faschistische Werterhaltung zu sein. Erik hat von Anfang an Probleme damit sich der Autorität des Schülerrats zu unterwerfen, steckt jedoch die Demütigungen ein, die ihm vor allem in Person von Otto Silverhielm (Gustaf Skarsgard) , einem der Redeführer des Rates entgegengebracht werden. Er behält jedoch seine würde und lässt sich dabei nicht brechen. Dies ist vor allem Silverhielm ein Dorn im Auge und er setzt alles daran Erik letzten Endes doch noch gefügig zu machen. Er scheut nicht davor zurück seinen Freund Pierre zu schikanieren sowie Eriks Romanze mit der Kantinenmitarbeiterin Marja (Linda Zilliacus) gegen ihn einzusetzen. Die Mittel die Silverhielm und sein Schülerrat an den Tag legen sind drastisch und gnadenlos.

Erik steht in diesem Prozess immer wieder vor der Wahl den Ausweg der Gewalt zu wählen, da er Silverhielm und den andern Kraftmäßig überlegen ist, wäre das ein leichtes. Die alternative wäre das System mit anderen Mitteln zu bekämpfen.

Evil ist einer dieser Filme die einen schnell in ihren Bann ziehen. Schnell konnte ich mich in die Situation Eriks versetzen, der angesichts des Teufelskreises indem er sich befindet zwar einen stoischen Umgang mit seiner Situation pflegt, sich jedoch auch einen dicken Schutzpanzer um sich herum errichtet hat, der ihn all die Widrigkeiten seiner Situation aushalten lässt. Das macht Inszenierung zunächst ziemlich bedrückend was durch das gute Spiel von Andreas Wilson noch verstärkt wird. Er verleiht Eric Ponti eine verwegene und rätselhafte Aura, die ihn bis zum Ende des Films nicht verlässt, und die die Geschichte spannender und unvorhersehbarer macht, denn man kann sich nie sicher sein wie Eriks Reaktionen sein werden.

Evil wirft moralische Fragen über die Würde des Menschen, den gewaltlosen Weg zum Ziel und seine evtl. Grenzen des Möglichen auf und bietet dem Zuschauer auf der ganzen Linie unterhaltsames Erzählkino auf gleichbleibend anspruchsvollem Niveau. Für mich ein grandioser Film den ich gerne weiterempfehle…

Evil – Faustrecht
Schweden/Dänemark, 2004
Regie: Mikael Hafstrom

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