Jon Hassell/Brian Eno Fourth World Vol. 1 – Possible Musics

Hassell, Eno Possible Music Cover :Zwentner.com

Mögliche Musik für eine Vierte Welt. Das klingt nach einem Aufruf zur Überwindung der kulturellen Differenz, die schon immer der Weltordnung innewohnte.
Der Titel zeugt von einem Blick über die informell globalisierte Welt hinaus, über das große Eins, welches wir inzwischen geworden sind, und das wir dann doch noch nicht sein können, warum auch immer, rund um den Erdball.
Der Name dieser Platte Klingt also irgendwie nach etwas neuem, etwas utopischen, nach einem Sound für diese Zeit.
Doch diese Musik ist mehr als 34 Jahre alt, Hassell und Eno fanden bereits 1980 zusammen.
Die Ende 2014 erschienene Wiederauflage von Fourth World Vol. 1 – Possible Musics, ist eine betörende Erfahrung musikalischer Kontingenz.

Brian Eno und Jon Hassell, trafen sich seinerzeit in New York. Hassell, der zu diesem Zeitpunkt bereits ein erfolgreicher Komponist und Trompeter war, hatte ebenso wie Eno bei Karlheinz Stockhausen studiert und war fasziniert von der Vorstellung einer „Vierten Welt“.
Vollendete Globalisierung verstand er als eine forwährende Feier der Differenz, in der Elemete aller Kulturen gleichberechtigt miteinander sprechen.

Eno inspirierte dieser Ansatz über die Maßen. Aus seinem zunächst als einwöchigem Trip geplanten New York Aufenthalt wurden insagesamt fünf kreative Jahre.
Hassell und er wurden Freunde und sponnen die von Hassell bereits auf Vernal Equinox (1978) und Earthquake Island (1978) begonnene Utopie, der Vierten Welt in musikalischer Form weiter voran.

Dafür wollten sie, das Traditionelle und Spirituelle der Dritten Welt mit der Technologie der Ersten Welt miteinander verschmelzen.

Musik als ein Platz für soziale Experimente:

Jon experiment was to imagine a „coffee coloured“ world- a globalized world constantlyintegrating and hybridising, where differences where celebrated and dignified – and to try to release it in music. (Brian Eno, 2014)

Hassell verfolgt ein philosophisches Verständnis seiner Musik und von Musik im Allgemeinen. Seiner Auffassung nach hat jede musikalische Form einen philosophischen Standpunkt, auch dann wenn ihre Schöpfer diesen nicht beabsichtigt haben.

Hassell, Eno Possible Music 2 :Zwentner.comEno und Hassel sprachen viel über solche Zusammenhänge. Das Ziel der bieden war es eine Form der Musik zu erschaffen, die das gesamte Selbst mit einbezieht. Die vierte Welt ist ein rauschendes und sinnliches Fest der Differenzen.

Die Vierte Welt

Possible Musics schwebt auf einem fast schon hypnotischen Netz aus leisen indischen Congas, umspielt von dem Synteziser Klangteppich, wie Eno ihn ab 1978 auf Ambient 1: Music for Airports anfing zu knüpfen.
Im Kombination mit Hassells verwobenem und sanftem Trompentenspiel sowie eingespielten Feldaufnahmen gelangt das Konzept so an den beeindruckenden und dichten Kern einer Weltmusik, die nicht von dieser Welt scheint.

Die Vierte Welt ist auch 34 Jahre später noch eine funktionierende Utopie. Die Weltgesellschaft als eine postiv globalisierte Gemengelage1, noch immer etwas das zwischen den Zeilen steht.
Ein Entwurf, der  vielleicht nach wie vor, lediglich von einem philosphischen Statement in Form von Musik abgebildet werden kann.

Jon Hassell/Brian Eno: Fourth World Vol.1 Possible Musics ist auf Gitterbeat als Vinyl und CD im November 2014 wiederveröffentlicht worden. Das Vinyl Gatefold enthält zwei Interviews mit den Künstlern und sowie die CD Variante.

  1. Sievers, Florian: Jon Hassell/Brian Eno Fourth World Vol. 1 – Possible Musics, auf SPEX.de (Zugriff, 11.02.15)

 

 

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