Hey Hipster! – der kulturpessimistische Standpunkt

hipster

Der Begriff des Hipsters, ist facettenreich. Einige bezeichnen sich ganz bewusst als Hipster um auf ihren extravaganten Lebensstil hinzuweisen, für andere ist Hipster eine besonders negative Zuschreibung für “Möchtegerns” von denen sie sich distanzieren wollen. In diesem zweiteiligen Artikel, versuche ich den polarisierenden Begriff des Hipsters ein wenig zu umschreiben.

In beiden Artikeln treibe ich es ein wenig auf die Spitze und versuche das negative sowie auch das positive Bild des Hipsters von seinen extremeren Standpunkten her zu fassen. So ist es ist sicher auch etwas unterhaltsamer!

Jetzt erstmal viel Spaß mit dem ersten Teil! Freue mich über Meinungen und Kommentare :)

das sagt die Wikipedia
“Hipster ist ein im frühen 21. Jahrhundert in den Medien verbreiteter, zumeist etwas spöttisch gebrauchter Begriff, der im weitesten Sinne Angehörige einer subkulturartigen gesellschaftlichen Gruppierung älterer Jugendlicher bis junger Erwachsener der urbanen Mittelschicht beschreiben soll, die ihrem Szenebewusstsein bei Gleichgültigkeit dem Mainstream gegenüber ignorant bis extravagant Ausdruck verleihen. Der Begriff Hipster ist der gleichnamigen avantgardistischen Subkultur des mittleren 20. Jahrhunderts entlehnt.” 

Hipster: Der kulturpessimistische Standpunkt

Der gemeine Hipster verbringt seine Zeit auf Designerbörsen und trinkt Chari Tea oder Kaffe mit gensensitiver Sojamilch. Er treibt sich auf Wochenmärkten herum und kauft regional hergestellte Bioprodukte, vermutlich isst er kein Fleisch oder lebt sogar vegan. Und das alles tut er für sein gutes Karma. Wenn das noch nicht reicht gibt es da ja noch Yoga. Er ist der Typ der indierockend und hüfthosentragend auf seinem Minifahrrad oder Longboard durch den Szenestadtteil flaniert und seine Tech-Gadgets von Apple spazieren fährt.

Dabei versucht er stets so auszusehen, als hätte er die letzten zwei Wochen in einem Überlebenscamp für Topmodels verbracht. Ein wilder Vollbart konterkariert manikürte Fingernägel. Opas Rentierpulli und in die Jahre gekommene Jeans aus Second Hand Läden arrangieren sich neben Ray Bans und dreihundert Euro Stiefletten. In den noch nicht ganz populären Clubs der Stadt lauscht er den neuesten Tracks, von DJs die ihre Zeit noch vor sich haben, doch auch nur dann wenn diese schon auf dem Radar der Spex oder auf Pitchfork Media sind.

Während ihm anscheinend die ideologische Standfestigkeit, sowie die Kreativität und Romantik von Bohème und Beat-Generation abhanden gekommen sind, wie sie dem Hipster vielleicht noch im 20. Jahrhundert attestiert wurden, hat der urbane Hipster von heute leider garnicht bemerkt, dass an diese Stelle lediglich ein bestens funktionierendes Konsumschema gerückt ist, das nunmehr völlig alleine Pate stehen muss zu seiner individuellen Distinktion.

Das dies nicht funktionieren kann liegt auf der Hand, denn auch subversiver Konsum kann nicht als Auflehnung gegen das Establishment verstanden werden. Abseits vom Mainstream ist hier nur eine weitere Kategorie bei der es in erster Linie um Moneten geht. Wertvorstellungen und ideologische Standpunkte sind schick weil sie schick designt wurden und schmücken den bewussten Verbraucher oft mehr als das sie die Welt verbessern. Was früher noch alt und heruntergekommen war,  wird heute lässig  in Hinterhof-Boutiquen als vintage oder gar shabby chic an den nächstbesten Hipster verhökert.

Der Hipster ist so nicht mehr und nicht weniger als der perfekte Konsument, der überteuerte Produkte kauft und sich dabei noch wohl fühlt, der meint abseits des Mainstreams zu leben und am Ende doch nur der Industrie den Weg für die nächste Kollektion bei H&M aufzeigt. Moral und Wertvorstellungen trägt er zur schau, wie ein Häuptling seine Federn und was nicht in Produkten repräsentiert wird ist befindet sich außerhalb seiner Lebenswelt.

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