Internetradio, zu unrecht unterschätzt!

Ich höre viel Musik! Fast immer wenn ich mich irgendwie von A nach B bewege, beim Lernen, Lesen, Laufen, Entspannen oder ganz aktiv während ich nichts anderes mache.
Das das allermeiste davon inzwischen digital ist, Bedarf keine besonderen Erwähnung mehr.

Zwar dreht auch hier und da nochmal eine Schallplatte bei uns im Wohnzimmer ihre Runden, dennoch bleibt mein Musikgenuss inzwischen in neun von zehn Fällen eine digitale Angelegenheit.

Streaming wird immer populärer

Während inzwischen wohl immer mehr Leute auf Streamingdienste wie Spotify oder Rdio setzen konnte ich mich allerdings noch nicht wirklich von dem Bedürfnis lösen, ein digitales Album oder einen Song auch zu besitzen. Vermutlich liegt das daran, dass ich mit physikalischen Tonträgern groß geworden bin und mich deshalb noch nicht so richtig vom Eigentumskonzept im Bereich der Musik lösen konnte.
Und ja, auch wenn viele Leute immer wieder behaupten, man könne zu einer digitalen Songdatei keine emotionale Bindung aufbauen, mir gelingt das schon auf die eine oder andere Art.

Das schöne an Streamingdiensten ist, dass man Musik so konsumieren kann als wenn man sie kaufen würde, d. h. man entscheidet sich bewusst diese zu hören. Gleichzeitig kann man aber auch immer wieder neue Sachen entdecken oder sich einfach berieseln lassen, indem man z.b. die Playlisten anderer Nutzer abspielt.

Viele Streamingangebote (z.B. Pandora oder bald iTunes Radio) stellen basierend auf dem Hörverhalten des Nutzers sogar individuell zugeschnittene Radiostationen zusammen, was das entdecken neuer Musik, oder auch einfach nur das berieseln lassen von Musik die man sehr wahrscheinlich dann auch mag, somit noch besser möglich machen.
Wer sich für eine bezahlte Mitgliedschaft (meist ca. 10 € monatlich) bei einem solchen Dienst entscheidet, schaltet damit dann auch die nervige Werbung aus, die bei den kostenlosen Hörmöglichkeiten solcher Dienste ansonsten zwischengeschaltet wird.

Dennoch gibt es einen Haken

Werbung ist übrigens auch der Grund, warum ich den Konsum von herkömmlichen Radioprogrammen über UKW weitgehend eingestellt habe, zumindest was Musik angeht.
In Form von Podcasts führe ich mir nach wie vor einige Radiosendungen von WDR5, Deutschlandfunk oder Funkhaus Europa zu Gemüte, doch zum Musik hören taugen mir diese schon lange nicht mehr richtig.

Da ich wie oben beschrieben aber noch immer nicht wirklich im Streamingzeitalter angekommen fahre ich eigentlich schon seit Jahren eine andere Schiene, um auch das Bedürfnis nach dem entdecken neuer Musik und nach Berieselung zu erfüllen.

Internetradio ist zeitgemäß

Meine Lösung ist das hören von klassischem Internetradio. Ich weiß daran ist jetzt nicht viel revolutionäres und das gibt es schon ne gefühlte Ewigkeit, aber ich bin der Meinung das die Möglichkeiten und das Potenzial hier von vielen nicht genutzt oder unterschätzt werden.
Natürlich ist es wichtig zu wissen, dass es neben der Möglichkeit die gewohnten UKW Sender einfach über das Internet zu hören dabei in erster Linie darum geht eben genau das nicht zu tun.
Genau das ist aber inzwischen so einfach geworden, dass es quasi wie von selbst funktioniert. Musste man früher noch mit den Streaming API’s diverser Software Mp3 Player herumspielen, oder die Sender über den Webrowser hören geht das heutzutage schon lange über eine Vielzahl von Apps für Smartphones und Tablets. Es ist kein Problem mehr die Sender zu finden, die einen musikalisch ansprechen, das geht oft einfach per Genreliste, Suchbegriff oder Länderauswahl.
Es gibt unzählige Radiostationen von privat organisierten Enthusiasten und spendenfinanzierten Angeboten die vollkommen ohne Werbung auskommen.
Je nach Sender und der gewählten Abspielmöglichkeit kann man das Programm zurückspulen bekommt Albuminformationen des gespielten Tracks, Coverart oder die Verknüpfung zu Kaufoptionen bei iTunes oder Amazon geboten. Und das beste daran ist, das das alles Kostenlos und Werbefrei funktioniert. Wer einen Service finanziell unterstützen möchte kann dies meist über Paypal, Flattr oder ähnliches ebenfalls ziemlich einfach bewerkstelligen.

So mache ich es!

Meine persönliche Konfiguration zu Hause ist wie folgt: Ich habe die App tuneIn Radio auf iPhone und iPad installiert, und verwalte und spiele von dort meine favorisierten Internetsender. Mir persönlich gefällt dieser Service am besten, es gibt jedoch auch unzahählige weitere angebotene Apps.
In Wohnzimmer und Küche habe jeweils eine Apple Airport Express Station an die Boxen angeschlossen, sodass ich dort wo ich es brauche jederzeit Radio hören kann und das kabellos. Alternativ kann man Smartphone oder Tablett natürlich auch über Kabel an Aktivboxen oder ähnliches anschießen.

Ein persönlicher Hörtip von mir ist das Programm des in den USA ansässigen Dienstes SomaFM. Komplett über spenden finanziert gibt es Dort um die 20 verschiede Sender mit einem Schwerpunkt auf elektronische Musik (IDM, Dubstep, House, Ambient) aber auch Coversongs, Pop und Rockmusik, Moviescores und Specials bspw. zu Weihnachtsmusik oder anderem. Meine Senderfavoriten auf SomaFM sind Cliphop, Groove Salad und Secret Agent FM.
SomaFM ist seit Jahren meine erste Wahl wenn es um Internet Radio geht. Dennoch haben es im laufe der Zeit auch einige andere Sender in meinen Alltag geschafft. Beispiele sind hier Radio Paradise oder das KUSC Classical Radio.

Neben dem sozusagen “klassischen” Hören von Musik als mp3, habe ich durch den Konsum von Internetradio die für mich ideale Mischung gefunden, um Musik zu genießen.
Wer Zuhause öfter das “normale” Radio laufen hat, und bei genauerem darüber nachdenken feststellt, wie unbefriedigend das Programm dort teilweise ist, dem empfehle ich sich einmal mit dem Thema Internetradio auseinanderzusetzen. Denn hier haben sich die Möglichkeiten im laufe der Jahre durchaus weiterentwickelt :)

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