Ist der Veganismus durch Atilla Hildmann im Mainstream angekommen?

attilahildmann

In letzter Zeit haben mich vermehrt Bekannte und Freunde, die von mir wissen das ich mich vegan ernähre, darauf angesprochen ob ich denn nicht diesen Typ aus dem Fernsehen kenne, der durch Veganismus zu seinem Sixpack gekommen ist. Ich muss sagen das verwunderte mich schon, denn entgegen aller Skepsis die einem Veganer im Normalfall entgegengebracht wird, wenn das Gespräch auf das Thema Ernährung wechselt, war das in diesen Situationen etwas anders. Wenn ich auf “diesen neuen Fernsehkoch” angesprochen wurde geschah dies fast immer mit einem positiven teilw. respektvollem Tonfall. Die Rede ist von Atilla Hildmann und keine Frage: Mit ihm hat die Vegane Szene in Deutschland nun ihren Shooting-Star!

Schaut man auf die Beachtung die Hildmann in den Medien zukommt, scheint es fast so als wären die Zeiten vorbei, in denen Veganer als magersüchtige und milchgesichtige Power-Ökos wahrgenommen werden, die mit dem Habitus einer wandelnden Moralkeule die Biosupermärkte unsicher machen.
Hiltmann erhebt in seinen bereits fünf veröffentlichten Kochbüchern die vegane Ernährung zum Lifestyle.

Was macht Hildmann anders?

Doch wie ist es einem Physik Studenten mit Hobbykoch Ambitionen gelungen das öffentliche Ansehen des Veganers im Mainstream so zu beeinflussen und großen Teilen der Couchpotatoes dieser Nation überhaupt erst bekannt zu machen?

Atilla Hildmann ist das gelungen, indem er die vegane Ernährung selbst einer Entschlackungskur unterzogen hat. Seine Kochbücher sind frei von ideologischen und moralischen Anekdoten über ökologisch korrekte Ernährung und heben nicht den Zeigefinger über den geneigten Leser, der trotz Atillas Kreationen doch nochmal zur Schweinehaxe greifen will. Somit hat er der veganen Ernährung ein Fundament geschaffen, an dem sich erstmal niemand reiben kann und welches die Einstiegshürde für eine Ernährungsumstellung sehr klein hält. Doch das wahre Geheimnis von Hildmanns Erfolg baut erst darauf auf.

Hiltmanns Erfolgsformel lautet: Vegan = Sexy

Durch Atilla Hildmanns Herangehensweise an den Veganismus werden also nicht nur Vorurteile ausgemerzt, sondern er besetzt die Symbolwirkung veganer Lebensweise gleich völlig neu. Gerade in seinem Buch “Vegan for Fit” verspricht er dem Leser/Kocher nicht nur Gesundheit, sondern auch das bereits oben erwähnte “Six-Pack”.
Als Beweis dafür stellt er seinen eigenen durchtrainierten Körper zur Schau und präsentiert sich als Vorzeigeobjekt der von ihm selbst propagierten Lebensweise. Die Reaktion in den Medien gibt ihren Anteil dazu, und inszeniert Hildmann, im wahrsten Sinne des Wortes, als neuen Popstar im Fernsehkoch-Himmel und stellt ihn direkt in eine Reihe mit Jamie Oliver oder Johann Lafer.

Körperlich fit und trainiert zu sein ist ein Ideal dem viele Menschen nicht nur aus bloßer Selbsterhaltung hinterher laufen, sondern eben auch um genauso zu sein wie ihre individuellen Vorbilder aus Film, Fernsehen oder sonstigen Medien.
Atilla Hiltmanns “vegane Schiene” bedient also einen einfachen populärkulturellen Mechanismus. Dieser macht ihn selbst zum Objekt der Begierde. Vegane Ernährung ist so nicht mehr öko, uncool oder gar ungesund, sondern der Weg zur Schönheit, Vitalität und Kreativität eines Atilla Hildmanns.

Veganismus = Mainstream!?

Auf eine gewisse Weise ist der Veganismus also im Mainstream angekommen. Menschen die bislang noch nichts mit den (althergebrachten) Beweggründen für eine vegane Ernährung anfangen konnten oder vielleicht noch nicht einmal was von diesen wussten, haben durch Hildmann nun eine Identifikationsfigur gefunden.
An diese Figur hängen sie nun ihren eignen Wunsch nach Fitness, Schönheit und Ausgeglichenheit. Auch wenn der Veganismus daür vielleicht in Teilen nur Mittel zum Zweck ist, geht damit dennoch eine positive Entwicklung für die vegane Szene in Deutschland einher.

Ich persönlich hab kein Kochbuch von Atilla Hildmann in meinem Küchenregal stehen, denn seine Herangehensweise an das Thema vegane Ernährung fängt mich nicht ein. Dennoch hoffe ich trotzdem, dass er weiterhin Erfolg hat und den veganen Trend in Deutschland vorantreiben wird.
Denn nichts ist schlimm daran wenn sich Umwelt- Tierschutz und ein nachhaltiges gesundes Leben im Mainstream befinden, aus welchen Beweggründen auch immer!

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