Ist Google Glass tot?

Google Glass Während bereits Ende 2014 die ersten Spekulationen um das Aus von Google Glass kursierten, ist es nun traurige Gewissheit: Der Verkauf der Datenbrille wurde offiziell eingestellt und das, bevor er eigentlich so richtig gestartet ist. Doch selbst wenn wir die Datenbrille in ihrer jetzigen Form niemals im Einzelhandel sehen werden und das Explorer-Programm eingestellt wurde, gibt es klare Anzeichen, dass Glass als Plattform für Google weiterhin extrem wichtig ist und wir schon bald eine Neuauflage sehen werden.

Was genau ist Google Glass?

Google Glass ist eine Augmented Reality Brille, die erstmalig 2012 auf der Entwicklerkonferenz Google IO durch den Google Gründer Sergey Brin vorgestellt wurde. Damals stürzten sich Fallschirmspringer aus dem Flugzeug und übertrugen Live-Bilder direkt von ihrem Absprung mithilfe der Brille in das Konferenzcenter.
Das Projekt entstammt dem Google X Labors und hat das Ziel eine Technologie bereitzustellen, die einfach zu bedienen ist und Informationen anzeigt, wann und wo immer sie der Anwender gerade benötigt. So war es möglich über Stimmbefehle Bilder und Videos aufzunehmen und diese gleich zu teilen, seinen Gesprächspartner, über Hangouts, live an Erlebnissen aus einer ganz neuartigen Position, nämlich seinem eigenen Blickfeld, teilhaben zu lassen.
Großer Beliebtheit erfreute sich auch das Feature, Navigationsanweisungen direkt in der Brille angezeigt zu bekommen sowie Texte aus Bildern in Echtzeit in die eigene Sprache transkribiert zu bekommen.

Im April 2014 wurde die Datenbrille erstmalig in den USA, als Google Glass Explorer Edition, an Entwickler zu einem Preis von 1500 US Dollar ausgehändigt. Mit einem Gewicht von nur 54 Gramm erhielt man einen Miniaturcomputer in Form einer Brille, dessen Name „Glass“ sich von dem verwendeten Glasprisma ableitet, mithilfe dessen man Informationen direkt in das Gesichtsfeld des Benutzers einblenden kann. Die Datenbrille war ausgestattet mit 12 Gigabyte, zeichnete Videos mit einer Auflösung von 720p auf, hatte eine 4.6 Megapixel Frontkamera sowie eine rote LED, die das Gegenüber über die Videoaufnahme informierte.

Bedient wurde die Brille über das Touchpad am rechten Brillenbügel per Wischgesten oder wahlweise per Sprachsteuerung, die mit dem Hot-Word „OK Glass“, aktiviert wurde.
Die Tonausgabe selbst erfolgte unmittelbar auf den Knochen, was zusätzliche Kopfhörern überflüssig machte und die Verwendung im Alltag deutlich vereinfachte.
Google Glass wurde mit der Smartphone App MyGlass gekoppelt und nutze die Internetverbindung und Rechenleistung des Smartphones.

Google-Glass 2

Ein Hype aber mit zahlreichen Problemen
Unumstritten ist, dass Google Glass für einen wahren Hype gesorgt hat. Wo man sich auch zeigte mit der Brille, die Aufmerksamkeit war einem garantiert. Wenngleich der Funktionsumfang noch sehr limitiert war und die Brille im Alltagstest eher enttäuscht hat – ein großes Problem war hierbei der in der Brille eingebaute Akku, der bei Vielnutzung bereits nach etwas über eine Stunde schlapp machte – so waren es doch die Datenschutzbedenken die für das endgültige Ende der Brille gesorgt haben.

Bereits eine Woche nachdem Glass in Großbritannien verfügbar war, wurde ein Verbot der Nutzung in allen Kinosälen ausgesprochen. Hintergrund war die Sorge, dass Filmmitschnitte mithilfe von Glass illegalerweise aufgezeichnet und verbreitet werden könnten. Die Liste an Orten an denen Google Glass verboten oder dessen Nutzung drastisch eingeschränkt wurde beinhaltet unter anderem:
• Beim Fahren in Autos
• In Kinos
• Stripclubs
• Restaurants
• Krankenhäuser
• Konzerten und Theatern
• In Banken
• An Geldautomaten
• Sowie im Casino – das galt jedoch nur für „reale“ Spielbanken. Für deutsche Online Casinos (siehe dazu www.spielbank.com.de) trifft das Verbot natürlich nicht zu.

Während Stripclubs vor allem Sorge um die Wahrung der Anonymität ihrer Kunden hatten und vermeiden wollten, dass Aufnahmen das Haus verlassen, so war es in Casinos die vor allem die Angst vor Missbrauch und Betrug. So hätte man mithilfe von Glass einem Pokerspieler unbemerkt Informationen zu den Spielständen seiner Kollegen zukommen lassen können.

Mit Glass hat Google der Weltöffentlichkeit ein innovatives Produkt präsentiert, welches es dem Benutzer ermöglichte, Informationen von seinem Smartphone direkt dort zu präsentieren wo er sie benötigt, nämlich vor seinem Auge. So testete beispielsweise der Autohersteller BMW in seinen US Werk, ob mit Hilfe von Glass der Qualitätssicherungsprozess verbessert werden kann.

Experten sind sich jedoch einig, dass man das Produkt zu früh auf den Markt der Endanwender losgelassen habe, ohne sich dabei Gedanken um Probleme die sich aus einer solchen Technologie einhergehen, nachgedacht zu haben.
Die Einstellung des Explorer-Programms, sei nicht das Ende von Google Glass als Plattform, wie Eric Schmidt, der Vorstandsvorsitzende von Google gegenüber dem Wall Street Journal bestätigte, es heißt lediglich zurück an den Start.

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