Kaffee-Rituale!

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Kaffee belebt Geist und Kopf. Ganz im Sinne konspirativer Wiener Kaffeehauskultur sollte dieser meiner Meinung nach mit Muße, Gelassenheit und Zeit getrunken werden. Leider ist ein schneller “Coffee to Go” viel zu oft nötig und unvermeidbar, auch wenn wir uns das teilweise vielleicht nur einreden.

Für mehr Zeit beim Kaffee trinken

Auch Zuhause wird uns schon seit längerer Zeit durch die Kaffeeindustrie erzählt, dass guter Kaffee um wirklich gut zu sein nicht aufwändig zubereitet werden muss. Wo anfangs nur der Jura Vollautomat und seine Nachahmer alleine den modernen Kaffeetrinker zu mehr Beschleunigung im häuslichen Coffeinalltag anhielten, buhlen inzwischen weit mehr Geräte um unsere Aufmerksamkeit!
Diese sind auch gar nicht mehr so teuer wie die Edelmaschine mit Wasserpipeline und Versprechen zudem den Lifestyle Bonus einer urbanen Genießeraristokratie.
Meiner Meinung nach haben die Nespressos, Senseos und Dolce Gustos unserer Kaffeekultur jedoch nicht nur einen gefallen getan.
Ja so ein Kaffee ist schnell gemacht und ist z.B. sehr gut mit einem verlängertem Schlafbedürfnis am morgen vereinbar.
Doch ist die Versuchung auf der anderen Seite häufig viel zu groß auf die schnelle Tasse aus der Lifestyle-Maschine zurückzugreifen anstatt sich dem hinzugeben, was zumindest für mich, einen erheblichen Teil des Kaffeegenusses ausmacht, dem Ritual!

Genuss muss man sich erarbeiten

Ja einen guten Kaffee kann man auch bestellen, doch mal ganz davon abgesehen, dass Genußmittel die wir nicht selbst zubereiten den Bonus des Warenfetisch einstreichen, hat der gemeine Barista, wenn nicht authentische Leidenschaft, in jedem Fall zumindest einen ökonomisch motivierten Grund seinen Kaffee durch zelebriertes Brauen aufzuwerten.

Kürzlich hatte ich das Vergnügen an einem eritreischen Kaffeeritual teilzunehmen. Hier habe ich wieder einmal gemerkt, welchen Mehrwert die besonnene Auseinandersetzung mit dem was wir uns zu Gemüte führen, für unseren Genuss und unsere Sicht auf die Dinge um uns herum inne hat.
Die Frauen in dem afrikanischen Land benötigen im Schnitt 45 Minuten für das zubereiten ihres Kaffees. Die Zeremonie beginnt beim frischen Rösten der Bohnen über das Mahlen hin zum anschließenden aufbrühen über offener Flamme. Getrunken werden drei Runden Kaffee in kleinen Fingerhüten, je mit einem frischen Aufguss und das kann insgesamt dann schonmal zwei Stunden dauern.

sein Ritual finden!

Richtig, wir leben nicht in Eritrea! Aber leben wir durch und durch in einer “Coffee to Go” Kultur? Ich glaube nicht!
Neben dem Latte Macchiato-Quickie zwischen Bahnhof und Büro oder der George Clooney Gedächtnis- Tasse zum Kuchen daheim, hat der Kaffeefreund meiner Meinung nach einen Gestaltungsauftrag. Natürlich ist es jedem selbst überlassen wie er seinen Kaffee konsumiert. Und wie gesagt auch an den Lifestyle-Maschinen gibt es zunächst nichts verwerfliches. Dennoch plädiere ich für das individuelle und bewusste kleine Ritual.
Auch wenn das vielleicht mal länger dauert, es steigert den Genuss und die Freude am Kaffee trinken!

French Press, Bialetti, analoger Filter oder aus der (Lifestyle) Maschine? Wie trinkt ihr euren Kaffee und welche kleinen Rituale zelebriert ihr dabei?

Sag was dazu!