Keine Atempause – Düsseldorf, der Ratinger Hof und die neue Musik (Doku)

Atempause

Dokumentation von Oliver Schwabe über die Musikszene  um den Ratinger Hof in Düsseldorf, gegen Ende der 70er Jahre. Ist (noch) in der ARD Mediathek zu sehen.

13.07.2016

Seit fast sieben Jahren bin ich jetzt Düsseldorfer und freue mich sehr über diese schöne Zusammenfassung der damaligen Szene, die später weltweit für Aufsehen sorgte.
Sie war eng mit dem Milieu der Düsseldorfer Kunstakademie verknüpft und hat sich nach verhältnismäßig kurzer Zeit dann in der “neuen deutschen Welle” aufgelöst.

Ja ich weiss, es gibt Tonnenweise Bücher dazu aber bislang habe ich mir diesen Überblick trotzdem nur recht beiläufig, aus Versatzstücken selbst zusammengebastelt. Ihr kennt das mit der eigenen Stadt und so… Entdeckt bei Ronny, danke danke!

Hier der Link in die ARD Mediathek und zur Programmbeschreibung.

Düsseldorf war mal die Musikhauptstadt Deutschlands. Bands wie Fehlfarben, DAF oder Die Toten Hosen prägten die Szene mit ungestümer, lauter und kompromissloser Musik. Die Musikwelt blickte nach Düsseldorf.

Düsseldorf galt als der Geburtsort neuer und innovativer Musik. Ende der siebziger- und Anfang der achtziger Jahre war es nach dem großen Durchbruch von Kraftwerk die zweite Generation, die den Ton angab. Es war eine vom Punk beeinflusste Szene rund um den Ratinger Hof in der Düsseldorfer Altstadt. In kurzer Zeit gründeten sich Bands wie Fehlfarben, Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF), S.Y.P.H., Der Plan, Östro 430 und Die Toten Hosen.

Gesungen wurde in Deutsch. Ob poetische Alltagsbeobachtungen oder provozierende Parolen – es ging darum, etwas Neues zu schaffen und mit anglo-amerikanischen Popmodellen zu brechen. Im Schatten der Altstadt und in unmittelbarer Nähe zur Kunstakademie, bildete sich so etwas wie die musikalische DNA der Stadt heraus. Und die ist auch fast 40 Jahre später noch lebendige Inspiration. Heute berufen sich junge Bands wie Stabil Elite ganz bewusst auf den Sound der Stadt.

Der Film von Oliver Schwabe ist die erste umfassende Dokumentation dieser Zeit. Campino erinnert sich an seine erste Band ZK, mit der er nicht wirklich einen Plan verfolgte. Harry Rag gab vor eine Band zu haben, die aber gar nicht existierte. Bis er plötzlich mit S.Y.P.H. ein Konzert spielen sollte. Gabi Delgado gründete DAF und wollte Körpermusik machen, Peter Hein fing an zu singen, weil er nicht Bassspielen konnte und Martina Weith stand als Frau ‘ihren Mann’ in einer von Jungs dominierten Szene.

Die Kunststudenten der Akademie schauen gespannt auf die wilde Szene und Kurt Dahlke von Der Plan forderte, es müsse “mehr Kunst in die Musik und mehr Musik in die Kunst.”
Aber schon 1979 zerbricht die kleine Szene in der Altstadt wieder, vielleicht auch, weil die sogenannte Neue Deutsche Welle die Musik aus Düsseldorf kopiert und plötzlich Hubert Kah, Frl. Menke und Nena die Hitparaden bevölkerten.

Gabi Delgado zog es mit DAF nach London und startete dort eine internationale Karriere. Fehlfarben landeten mit “Ein Jahr (Es geht voran)” einen Hit, als Sänger Peter Hein schon ausgestiegen war. Andere Bands lösten sich auf. Und aus ZK wurden Die Toten Hosen, mittlerweile Deutschlands erfolgreichste Rockband.
“Keine Atempause” dokumentiert mit bisher unveröffentlichten Archivaufnahmen, Musik und zahlreichen Interviews den Sound aus Düsseldorf, der die Deutsche Musikszene bis heute beeinflusst.

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