Negative Moderne oder Lost & Worthless in Social Media.

negative moderne

Leo Schwarz rezensiert auf Zeit online Sven Hillenkamps Buch “Negative Moderne”. Fühlen wir uns alle wertlos in der Freiheit der Moderne und was hat das mit dem Netz zu tun?

29.05.2016

Die Grundthese: Wir sind alle passive Stubenhocker. Unsere Tätigkeit, unsere Kreativität ist abhängig oder gar blockiert vom Zuspruch des Anderen.

unter den Bedingungen moderner Gleichheit und Freiheit [entstehe] eine Erfahrung der persönlichen Wertlosigkeit.
Sei der Einzelne erst mal aus allen Ständen, Klassen und Traditionen entlassen, könne er seinen Selbstwert nur noch in der unsteten Anerkennung des alltäglichen Anderen finden. Subjektiv werde die Moderne zudem nicht als beschleunigt, sondern als träge empfunden.

Wir sind nicht unendlich beschleunigt, wie die Hartmut Rosa es uns weismachen will, sondern wir sind träge von der Aussichtslosigkeit unseres Bemühens uns “freizuschwimmen” aus der Ich-Wertung.
Doch wir gehen nicht mehr weiter, sind nicht mehr getrieben von den vielen Dingen die wir tun könnten bzw. tun müssen, sondern wir schlafen quasi ein, oder werden Träge.

Schamvoll erlebe man die Möglichkeit, alles bis ins Grenzenlose zu steigern, zu verbessern.

Das passt ins Netz, das passt zu Social Media

Irgendwie kommt einem dieses Gefühl bekannt vor, wenn man an seine eigene Aktivität im Internet denkt. Auch hier geht es darum wahrgenommen zu werden.
Grundsätzlich sind wir alle gleich auf Twitter, Snapchat oder Facebook doch wer wir sind und wie wir sind, dass können uns nur die Anderen bestätigen, durch Herzchen, Likes oder Kommentare.

Und das brauchen wir immer wieder, es reicht nicht das mal gesagt zu bekommen und dann einfach man selbst zu bleiben, die Ich-Werdung ist ein ständig laufender Prozess, der uns davon abhält zwischendurch einfach mal zu sein und zu schaffen.

Die Gleichheit im Netz fühlt sich lähmend, unfertig und träge an. Das ist der digitale Schlamm der Individualisierung. Negative Moderne soll sich, wie Hillenkamp beschreibt, individuell wie eine

Drehtür aus der und zur Welt

anfühlen. Social Media könnte zumindest ein gutes Beispiel sein für das was er beschreibt. Klingt auf jeden Fall interessant.

Werde das Buch mal lesen, hier die Rezension auf Zeit online.

Sven Hillenkamp: Negative Moderne. Moderne Strukturen der Freiheit und der Sturz ins Nichts
Klett-Cotta, Stuttgart 2016; 384 S., 24,99 €

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