PETA-Spot darf nicht zum Super Bowl: Zu verrucht für Amerika!

Last_longer_go_vegan

Blanke Brüste und Liebesspiele bringen das amerikanische Blut anscheinend so in Wallung, dass ganz schnell die Moralpolizei angreifen muss. PETA hat es nun wieder einmal geschafft: Die CBS warf den Werbespot der Tierschützer aus dem Programm.

Immer am ersten Sonntag im Februar hockt ganz Amerika – und mittlerweile auch ein Großteil der internationalen Sportwelt – vor dem Fernseher oder im Stadion, dann beginnt nämlich der Super Bowl. Die Spieler der National Football League (NFL) und ihre Fans stehen für kommenden Sonntag wieder in den Startlöchern, diesmal geht es ganz besonders heiß her: Das 50. Jubiläum des gigantischen Sportereignisses steht an. Mindestens ein mächtiges Vorbeben erreicht uns schon jetzt: PETA hat einen aus US-amerikanischer Sicht hoch skandalösen Werbe-Clip veröffentlicht, der prompt aus dem Programm geflogen ist.

Zum Super Bowl flimmern traditionell möglichst spektakuläre Spots über den Bildschirm: Kein Wunder, denn natürlich möchten die Unternehmen ihre Chance wahrnehmen, ihre Produkte Abermillionen von Zuschauern ins Gedächtnis zu brennen. PETA versucht immer wieder mal, mit nackter Haut und provokanten Szenen die Zuschauer aus der Reserve zu locken, diesmal sind die Tierschützer aber über die Moralschwelle der CBS gestolpert. Der neue Spot für vegane Ernährung zeigt auf dem Split Screen zwei Pärchen beim Liebesspiel, besonders viel zu sehen ist dabei aber nicht, kunstvoll drapierte Bettdecken verbergen den Blick aufs Wesentliche. Aus europäischer Sicht wäre das Wort »pornös« für diese seichten Szenen tatsächlich übertrieben, zumal eines der Paare ziemlich schnell fertig wird.

Die Hauptaussage des Spots ist ebenso kurz zusammengefasst, wie der Fleischesser für seinen Höhepunkt braucht: Veganer können länger. Viel, viel, viel länger! Naja, und außerdem wartet ein recht ungutes Ende auf den fleischessenden Mann, nachdem er seine frustrierte Frau daheim zurückgelassen hat, um sich draußen die Beine zu vertreten. Während der eine Typ schon platt auf dem Gehsteig liegt, ist bei dem Veganer noch immer kein Ende in Sicht. »Last longer. Go vegan.«, appelliert PETA an unseren Fortpflanzungs- und Überlebensinstinkt. Immerhin haben die Amerikaner sicher noch die Chance, den Spot im Internet zu sehen, um dann ihre Ernährungsgewohnheiten gründlich zu überdenken. Ihr dürft ihn euch jedenfalls hier anschauen:

Durchschnittlich 90 Millionen Nordamerikaner kleben beim Super Bowl gebannt an ihren TV-Screens, zu Spitzenzeiten können es durchaus auch bis zu 140 Millionen Football-Fans werden. Die Amerikaner saugen das Football-Fieber sozusagen mit der Muttermilch ein, die besten Player der Schulteams sind ohne Frage die Stars an jeder High School. Das größte Ziel eines jeden Spielers dürfte sein, einmal im Leben am Super Bowl teilzunehmen.

Drei bis fünf Jahre im Voraus werden die jeweiligen Austragungsorte für das große Football-Finale festgelegt, dabei entsteht ein Hype wie im Vorfeld der Olympischen Spiele. Jede Stadt möchte das werbeträchtige Spektakel für sich gewinnen, die Fans sind heiß darauf, die Spiele direkt vor Ort live zu erleben. Ein amerikanischer Traum also, der von Jahr zu Jahr weiterlebt und die Massen immer in den Bann zieht.

Dementsprechend teuer sind die Werbezeiten: 2009 kosteten 30 Sekunden satte 3 Millionen USD – in 2016 soll der Preis für die halbe Minute auf 5 Millionen Dollar gestiegen sein. Um dieses fette Budget möglichst intensiv auszunutzen, legen sich die Werbetreibenden natürlich besonders ins Zeug und bieten alles auf, was ihre Kreativität hergibt. Die Diskussionen der Zuschauer drehen sich entsprechend nicht nur um die einzelnen Footballspiele, sie haben auch immer wieder die spektakulärsten Werbespots zum Thema. Der Stellenwert der Werbung ist also sehr hoch, zu keinem anderen Anlass lassen sich mehr interessierte Leute damit erreichen als zum Super Bowl.

Auch an der Zahl und Höhe der Wetteinsätze können wir das mächtige Tamtam um den Super Bowl bemessen: Allein in den Casinos von Nevada kamen 2013 gewaltige 98,94 Millionen Euro zusammen, in den Jahren davor waren es kaum weniger. So ist mit Fug und Recht zu sagen, dass der Super Bowl zu den am meisten bewetteten Veranstaltungen weltweit gehört, auch bei den digitalen Anbietern laufen in dieser Phase die Server nahezu heiß. Jeder US-Amerikaner scheint spätestens am Super Bowl Sunday zum Football-Experten zu mutieren, aber auch in anderen Ländern rund um den Erdball sind die Wellen des Spektakels überall dort zu spüren, wo eifrige Football-Fans ihren Blick auf Amerika richten.

Und nun hat sich der inoffizielle US-amerikanische Staatsfeiertag auch noch zum 50. Mal gejährt und zu diesem Anlass hat sich sogar die Super-Bowl-Zählweise geändert: Statt lateinischer Ziffern prangt dieses Jahr hinter dem »Super Bowl« eine fette 50 und signalisiert uns so, dass die Amerikaner es richtig krachen lassen wollten. Mehr denn je musste dabei natürlich auch auf »saubere« Werbung geachtet werden, denn Super Bowl und Erotik geht schließlich gar nicht!

Die größten Werbe-Coups zum Super Bowl

PETA hat sich mit seinem sexy Werbespot zum 50. Super Bowl nicht zum ersten Mal höchst absichtlich mitten in die Nesseln gesetzt. 2009 gab es schon einmal richtig Ärger um den Film »Veggie Love«, in dem sich halbnackte Damen an sexualisiertem Gemüse vergriffen. Dem einen oder anderen Zuschauer mag dabei das Wasser im Munde zusammengelaufen sein, der NBC verlangte allerdings eine Entschärfung des brisanten Materials. Der Spot ist schließlich nicht im Fernsehen gelaufen, aber online ging er natürlich viral.

Richtig cool kam auch der Werbespot der Krankenversicherung ESURANCE bei den Zuschauern an, in dem der Breaking-Bad-Drogenmixer Walter White hinter einem Apothekentresen auftaucht. Der Blick der Kundin ist unbezahlbar!

Der Super-Bowl-Clip zum 100-jährigen Bestehen der Automarke Dodge ging sicher vielen Zuschauern unter die Haut, denn hier kamen richtig coole Oldies zu Wort: Hundertjährige Männer und Frauen gaben Weisheiten aus ihrem Leben preis, eine davon gilt ganz sicher auch beim Genuss des Dodge-Commercials 2015: »Keep your eyes open and your mouth shut.«

Doritos brachte 2015 ganz Amerika zum Lachen, und das mit einem Spot über einen jungen Mann, der im Flugzeug lieber neben einem leeren Platz sitzt. Doch durch das bezaubernde Lächeln einer Blondine lässt er sich erweichen …

Eines ist sicher: Für PETA zahlt sich der diesjährige Coup aus. Die 5 Millionen Sendegebühr spart sicher der Tierschutzverein ein, dafür geht das Commercial viral in allen sozialen Medien – ganz kostenlos.