Samsung und Apple: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte? (Gastbeitrag)

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Streit, Streit, Streit

Als Apple Fan der ersten Stunde beobachte ich die Fehde zwischen Samsung und Apple seit geraumer Zeit. Der aktuelle Streit begann 2011, als Apple Samsung in mehreren Staaten verklagte, unter anderen auch in den USA und Deutschland: Samsung soll sich vom Design des iPhone etwas zu sehr „inspiriert lassen haben“, sprich: Angeklagt wurde Designklau.

Samsung schoss gleich zurück und beklagte „gestohlene“ Patente aus dem Mobilfunkbereich.
Der Krieg verlagerte sich recht schnell auf das Schlachtfeld Tablets, so dass im August 2011 die europaweite Einfuhr von Samsungs Tablet-PC Galaxy Tab untersagt wurde. Nur in den Niederlanden duften diese Tablets verkauft werden, dafür wurde dort der Handel mit Samsung Smartphones untersagt. Ein harter Schlag für Samsung, dem im Oktober 2011 eine weitere „Klatsche“ folgte: Ein australisches Gericht beschloss, das Galaxy Tab vom Markt zu nehmen. Diesmal nicht wegen des Aussehens, sondern wegen der Steuerung via Gesten.

Im November 2011 mischte sich zusätzlich die EU-Kommission ein: Sie verlangte ausführliche Auskünfte bezüglich der Patente für schnelle Datenübertragung beider Firmen. Samsung holte zum Gegenangriff aus und verlangte von Apple, den Quellcode für das iPhone 4S herauszugeben.

Kalifornien erlaubt ausdrücklich den Verkauf von Samsung Geräten, dafür scheitert Samsung in Frankreich mit seinem Anliegen, den Verkauf des 4S zu stoppen. Auch das Galaxy Tab darf noch vor dem Weihnachtsgeschäft auf den Markt, jedoch auch das 4S, diesmal in Italien, wo Samsung mit seinem Anliegen scheiterte. Aufwind für Apple, das nun in Deutschland versucht, den Verkauf von 10 Samsung Modellen zu stoppen. In Mannheim unterliegt Samsung erneut: Das Gericht kann keine Patenrechtsverletzungen feststellen. Ein Trauma für Samsung, dem ein weiterer Schlag folgt: Das Galaxy Tab 10.1 und 8.9 dürfen in Deutschland nicht verkauft werden. Das Nachfolgemodell Galaxy Tab 10.1N und das neue Smartphone Galaxy Nexus sind von dieser Regelung allerdings nicht betroffen: Beide Modelle dürfen auf den Markt.
Wir sind mit dieser Geschichte übrigens erst im Februar 2012 angelangt, und wer sich jetzt fragt, ob man die Streithähne nicht zu einer Einigung zwingen kann, bevor noch mehr Gerichte mit dieser Fehde beschäftigt wurden, ja, das sah ein Gericht ebenso, und setzte zwei Schlichtungstermine für Mai 2012 an. Erfolglos, wie wir heute wissen.

Die finanziellen Folgen sind noch nicht geklärt

Das Geschworenengericht, dass Apple Schadenersatz in Höhe 1,05 Milliarden US-Dollar zusprach (siehe zum Beispiel Meldung bei der FAZ), die von Samsung wegen der Verletzung der Design-Patente an fünf seiner Smartphones gezahlt werden sollten, markiert nicht den Abschluss dieser, man mag sagen, Blutfehde. 2013 verringerte eine Richterin diesen Betrag um mehr als 450 Millionen Dollar und ordnete ein weiteres Verfahren an, um den Schadenersatz neu zu berechnen. Samsung ging gegen ein weiteres Urteil von 2013 in Revision, Anfang 2016 soll der Fall endgültig geklärt werden. Für den Gerichtstermin sind diesmal nur sieben Tage vorgesehen, jede der Parteien bekommt nur sechs Stunden Zeit, um Beweise vorzulegen. Beinahe unnötig zu erwähnen, dass auch das Zustandekommen dieses Termins in den Sternen steht: Samsung möchte das ursprüngliche Urteil aufheben lassen, muss dafür aber das höchste Gericht, den Supreme Court von seinem Anliegen überzeugen. Es bleibt spannend und man kann nicht anders, als über diese Verschwendung von Zeit, Geld und Ressourcen den Kopf zu schütteln.

Das „Inspirieren lassen“ nimmt kein Ende – Videobeweis

Samsung schwächelt im Smartphone-Bereich, wie die letzten Quartalszahlen (Q2/2015) deutlich zeigten. Um den Verkauf der aktuellen Modelle voranzutreiben, setzt das Unternehmen jetzt auch beim Marketing auf „Inspiration“, wie diese beiden Videos deutlich zeigen.
Hier erst einmal das Video für die Apple Watch. Achtet auf die Aufmachung, die Musik, die Arbeit mit Licht und Schatten, die Stimmung des Clips und auch auf die Stimme des Sprechers:

Und hier der Clip für das Galaxy S6 edge:

Werden die beiden Giganten bald von der Konkurrenz überrollt?

Das entscheiden Problem in dieser Frage ist jedoch, wie sich die Zukunft der beiden Giganten entwicklen wird. Der Smartphone-Markt schrumpft, und gleichzeitig steht die Konkurrenz in China nicht mehr nur in den Startlöchern – sie ist schon längst losgelaufen. 2012 kamen noch über 55% aller weltweit ausgelieferten Smartphones von einem der beiden Konkurrenten. Im ersten Quartal 2014 waren es hingegen nur mehr 47%, und der Trend geht weiter in diese Richtung. Dicht auf den Fersen ist dem Smartphone-Duopol Apple und Samsung eine noch zersplitterte Schar von billigen Herstellern, die besonders in den Entwicklungsländern mehr und mehr Boden gewinnen. Einem intensiveren Wettbewerb steht ein schrumpfender Markt gegenüber, der die beiden Großen eine Menge Geld kosten kann.

Über den Autor:
jens-kleinholzJens Kleinholz bloggt als Sir Apfelot auf dem gleichnamigen Apple-Blog und schreibt dort nicht nur über Apple Gadgets sondern auch über Software-Problemchen und deren Lösung. Als Goodie für seine Leser bietet er in der Rubrik „Frag’ Sir Apfelot“ eine Art Blog-Support-Hotline, in der er Fragen seiner Leser beantwortet. Mit seinem Unternehmen NET-TEC internet solutions ist er dagegen für mittelständische Firmen als Ansprechpartner für das Online-Marketing tätig.

Bild von (Apple vs. Samsung) von Shutterstock

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