Die Spotify-Flatrate der Telekom: Netzneutralität wäre einfacher!

dt_spotify_tarifeDie Deutsche Telekom ist ja bekanntlich einer der Vorreiter, wenn es darum geht ein Zwei-Klassen-Netz an seine Kunden zu verkaufen.
Wenn es nach dem Riesen in Magenta ginge, würden sie ihre Verträge wohl am liebsten vollstopfen mit “special services” die nur ihren Vertragsnehmern vorbehalten sind. Die Spotify-Flatrate für das Telekom Mobilfunknetz ist ein erster etablierter Auswuchs dieses Bestrebens.
Kürzlich sorgte hier jedoch ein kleiner Hasenfuß für aufsehen!
Auch wenn sich aus sicht der Telekom damit in Zukunft wohl viel Geld verdienen lässt, das Netz in Ruhe zu lassen wäre technisch sicher einfacher. Doch wen interessiert das schon?

13.07.2015

Music Streaming Option nennt die Telekom ihren auf fast alle Tarife zubuchbaren Service.
Wer bereit ist 9,95 Euro monatlich dafür zu zahlen, kommt damit in den Genuss im Telekom Mobilfunknetz unbegrenzt Music von Spotify, dem größten Streaminganbieter in Deutschland auf seinem Smartphone abzuspielen. Hierbei wird das dabei anfallende Datenvolumen dann nicht auf den monatlichen Tarif angerechnet.

Wäre das ganze aus Sicht des Wertes der Netzneutralität nicht schon kritisch genug zu bewerten, ist inzwischen bekannt geworden, dass die Spotify Musik Flatrate der Telekom einen  weiteren Haken hat.
Ein jüngst auf Gizmodo veröffentlichter Artikel beschreibt ein Phänomen, dass einigen Spotify Abonnenten im Telekom-Paket aufgefallen ist, und das der Konzern inzwischen sogar bestätigt hat.
Das streamen der Musik wird in der Tat nicht auf das Datenvolumen angerechnet, dass Laden der Coverbilder zu den Songs, das Teilen von Inhalten in sozialen Netzwerken oder die Nutzung der Suchfunktion in der Spotify-App hingegen schon.
Da kommt dann, für den Vielhörer schonmal einiges zusammen.
In dem angesprochenen Artikel wird vorgerechnet, dass so bei einer ca. vierstündigen Spotify Nutzung täglich, ungefähr 300 MB des monatlichen Datenvolumens verzehrt werden. Ein anderer Nutzer berichtet von 10 MB für 30 Minuten Musik Hören.

Egal um wie viel Traffic es sich jetzt genau handelt, das ganze scheint auf jeden Fall AGB-Konform zu sein, wie sich die Telekom bereits dazu äußerte.
Und ja, sie schreiben es auch mehr oder weniger deutlich ins Kleingedruckte. Im Detail, steht  dort folgender Hinweis bezogen auf den Umfang der Flatrate:

“Musik streamen und Playlists offline synchronisieren ohne Belastung des Datenvolumens”.

Man kann dem rosa Riesen also ganz offiziell nix vorwerfen. Sie haben die Angaben zu den einzelnen Mobilfunktarifen auf ihrer Website inzwischen sogar um einen Passus bezogen auf die Musik-Streaming Option erweitert.

Telekom Music Streaming

Dennoch werden viele Abonnenten aufgrund dieser Meldung nun ziemlich verärgert sein. Wer eine Spotify Streaming-Flatrate kauft sollte meiner Meinung nach ohne Haken und Ösen dazu in der Lage sein Spotify auch zu benutzen.
Und selbst wenn das Teilen von Songs nichts mit dem Musikkonsum an sich zu tun hat, das Laden der Coverbilder lässt sich nun einmal nicht ausschalten.
Wenn der Mobilfunkanbieter schon mit Spotify ins Bett steigt, dann sollten sich beide Unternehmen hier doch bitte etwas besser abstimmen.

Meiner Meinung nach wird der Telekom Kunde hier einmal mehr aufs Glatteis geführt und die Telekom beweist, dass sie das ohnehin mehr als kritikwürdige System der Paid-Services im mobilen Internet entweder nicht verstanden hat oder, und das wäre vielleicht noch schlimmer, es dem Konzern egal ist, das er seine zahlende Kundschaft so hinters Licht führt.

Es ist klar, das Mobilfunkanbieter wie die Telekom angesichts schwindender Einnahmen durch Telefonminuten und der drohenden Verstümmelung zur reinen Gewährung einer Standleitung ins Internet für ihre Kunden, nach neuen Profitmöglichkeiten suchen (müssen).
Derart undurchdachte und keinesfalls kundenorientierte Produkte kann jedoch niemand gebrauchen.
Netzneutralität ist nicht nur im Sinne digitaler Bürgerrechte wichtig, sondern, wie dieses Beispiel zeigt technisch eben auch um einiges einfacher.

Wie auch immer eine gute Werbung für das, vielleicht unvermeidliche Internet der Zukunft ist das nicht!
Ein Grund mehr sich Initiativen für ein freies Netz anzuschließen hingegen schon!

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