The Loop – Auf dem Moped durch das laotische Hinterland

Laos, The Loop

Schon in den Reisevorbereitungen für unseren Aufenthalt in Laos, las ich früh von der sogenannten “Ko Long Cave”. Die Höhle liegt in Zentral Laos nahe der Stadt Tha Khek, im dort ansässigen Kalksteingebirge. Dort fließt der Fluß “Hinboun” entlang, und unterspült dort seit tausenden von Jahren einen Gebirgszug. Im laufe der Zeit ist dort ein ca. 7,5 km langer Tunnel entstanden und dieser ist damit die längste durchfahrbare Höhle der Welt.

Soweit so gut das wollten wir uns ansehen! Also hieß es auf nach Tha Khek und damit hinein in ein kleines für uns nicht erwartetes Abenteuer.

Der Trugschluß

Wir erreichten Tha Khek relativ spät abends gegen 23 Uhr. Die Bordsteine in dem kleinen Ort waren schon längst hochgeklappt, doch es gab ohnehin nicht viel zu entdecken und auch keine sehr große Auswahl an Unterkünften.
Wir waren ziemlich froh endlich ein Zimmer zu haben und gingen erstmal schlafen. Am nächsten morgen würde sich schon jemand finden der uns die Höhle zeigt und wenn wir sehr früh aufstehen auch keinen Tag verlieren.
Nach dem Frühstück am nächsten morgen fanden wir dann heraus, dass sich die Besichtigung der Ko Long Cave dann doch etwas länger hinziehen würde als gedacht. Wir dachten eigentlich, dass wir einen Tagesausflug dorthin unternehmen würden, und dass wir dann vielleicht am nächsten Tag schon weiter ziehen könnten.
Der Manager unserer Unterkunft erklärte uns aber schnell, dass es nicht oder nur sehr umständlich) möglich sei die Höhle per Auto oder Bus zu erreichen. Dafür seinen die Strassen viel zu schlecht, und überhaupt würden sowieso alle mit dem Motorrad oder Motorroller dort hinfahren.
Auch alle Reisenden, die die Höhle besuchen machen dies genauso. Die meisten von ihnen leihen sich ein Moped bei dem ebenfalls in der Stadt wohnenden sog. Mister Ku. Für den Trip müssten wir jedoch mindestens drei Tage einrechnen. Die Höhle an nur einem Tag mit dem Roller zu erreichen sei unmöglich.

Mister Ku, der Mann mit dem Loop Konzept

Etwas verwirrt suchten wir dann diesen Mr. Ku auf. Wir trauten uns eigentlich nicht wirklich zu mehrere Tage alleine auf dem Zweirad durch Laos zu fahren und waren zu Anfang ein bisschen frustriert darüber, das wir wir die Höhle vielleicht doch nicht sehen können und vielleicht auch ganz umsonst die Fahrt nach Thak Khek aufgenommen haben.
Nachdem wir mit Mr. Ku gesprochen hatten, und er uns eine Karte in die Hand gedrückt, die nicht nur den Weg zur Höhle beschrieb, sondern ebenfalls weitere sehenswerte Dinge auf dem weg dorthin verzeichnete, schien die Idee wirklich auf eigene Faust dorthin zu fahren plötzlich garnicht mehr so abwegig. Seine empfohlene Route führte einmal im Kreis durch die Region

Mr. Ku´s Karte
Mr. Ku´s Karte

zurück nach Thak Khek und auf einer Strecke von insgesamt ca. 550 km sollte es wunderschöne Landschaften und ursprüngliche Dörfer zu bestaunen geben. Mr. Ku nennt seinen Rundweg schlicht “The Loop” und wenn wir nicht trödeln würden könnten wir diesen in drei Tagen und zwei Nächten abgefahren sein.
Wir wunderten wir uns selbst, das wir so spontan waren, und noch am selben morgen auf einem geliehenen halbautomatischen 100ccm Motorroller saßen und losbraußten.
Unsere Backpacks ließen wir in unserer Unterkunft und nahmen für den Loop nur das nötigste mit.

Straßen? Wo wir hinfahren brauchen wir keine Straßen!

Nach gut 20 min Fahrt, hatten wir schon Thak Khek und seine Peripherie verlassen. Eine ganze Weile gab es dann noch passablen Asphalt unter die Räder unseres Motorrollers, doch dann war dieser Luxus leider für den größten Teil des Loops vorbei. Was als Kiesweg anfing, wurde langsam aber sicher zur Buckelpiste. Zum Glück hatte es wohl läng nicht geregnet, denn Schlamm und

Freude über drei Tage Freiheit auf zwei Rädern
Freude über drei Tage Freiheit auf zwei Rädern

Pfützen hielten sich in Grenzen. Tiefe Schlaglöcher und jede Menge Staub gab es dafür mehr als genug.

Ich hatte bis dahin ja schon so einige Rollerkilometer auf den Straßen Südost Asiens auf der Habenseite und war deshalb auch schon so einiges gewöhnt, aber das jetzt lies alles andere nur noch wie eine Spazierfahrt am Sonntag Nachmittag aussehen.
Was wir auch gemerkt haben: ein Roller ist kein Motorrad! Das spürt man spätestens nach einem halben Tag auf den kleinen Polstersitzen. Mir Tat der Hintern dermaßen weh, das ich

zwischendurch lieber geschoben hätte. Am Abend des zweiten Tages wurde es dann plötzlich auch noch ziemlich kalt. Damit hatten wir nicht wirklich gerechnet, und als wir unser Gepäck zusammenstellten. Gerade der morgen des dritten Tages entwickelte sich somit zur Zitterpartie und wir zogen alles an was wir dabei hatten. Wir sahen etwas schräg aus, in Handtücher und Seidenschlafsäcke gewickelt und mit Socken in den Sandalen, sodass wir die einheimischen wenn nicht erschreckt dann bestimmt zum lachen gebracht haben.
Insgesamt war die Kombination aus Topographie, Fortbewegungsmittel und Equipment definitiv eine “on the edge” Erfahrung für uns.

Die richtige Entscheidung

Trotz oder vielleicht gerade wegen all der Widrigkeiten entwickelte sich “The Loop” für uns zu dennoch zu einem der besten Trips die wir je gemacht haben. Und das lag nicht nur daran, das wir durchaus auch asphaltierte Streckenabschnitte hatten, sondern in erster Linie an der Spektakulären Landschaft, der Ruhe und der netten und freundlichen Laoten. Nahezu jeder einheimische der uns begegnete begrüßte und mit einen freundlichen “sa bai dee” was hallo bedeutet. Selten hatte ich das Gefühl so willkommen zu sein in einer Gegend in der man schon auf 100 m Entfernung auffällt. Immer wieder kamen wir durch kleine Dörfer wo wir pausierten, Suppen an Straßenständen bestellten mit den Leuten versuchten Gespräche führen (was nur mit Händen und Füßen klappte) oder mit den Kindern zu flachsen. Eine wirklich tolle Erfahrung.
Alleine dafür hätte sich die Rundfahrt definitiv schon gelohnt, doch dann war da ja noch die Ko Long Höhle!

7,5 Km durch die Dunkelheit

Am Abend des ersten Tages unserer Rundfahrt erreichten wir ein Dorf vor der Ko Long Höhle. In dem netten Vorgarten unseres Guest House Vaters ließen wir den den Tag bei einem Beer Lao Revue passieren, mit einem lächeln auf den Lippen. Den wohlverdienten Schlaf sollten wir am nächsten morgen gegen 7 Uhr wieder abbrechen, damit wir gegen 8 Uhr morgens am Höhleneingang sein können. Das funktionierte gut und dort angekommen warteten auch schon Bootsführer, die eine Durchfahrt anboten. Die Höhle hat

Eingang der Höhle
Eingang der Höhle

neben ihren Schauwerten nämlich auch ganz praktischen nutzen. Es ist einfach viel schneller und einfacher durch sie zu fahren anstatt den steinigen und beschwerlichen Weg durch das Gebirge zu bestreiten. Deshalb ist die Durchfahrt bei den einheimischen sehr beliebt und wird rege zum Transport von Gütern und Personen genutzt.
Uns wurde erstmal eine Kopflampe verpasst, damit wir in der Höhle überhaupt etwas sehen konnten, dann stiegen wir zu unserem Bootsmann an Board. Es war Stockdunkel, und hatte eine Luftfeuchtigkeit wie im türkischen Dampfbad. Durch die meisten Teile der Höhle fließt Wasser, dies ist aber meist nur Knöcheltief, sodass wir das Boot oft verlassen mussten um es über die besonders seichten Abschnitte zu schieben. Der Bootsmann kannte sich gut aus und zeigte uns jede Menge interessante Stellen und wies uns auf einige Spinnenarten hin, die bis jetzt nur in dieser Höhle gesichtet worden waren. Auf der anderen Seite der Höhle waren wir dann völlig abgeschnitten von der üblichen Infrastruktur. Die Leute die hier wohnen kommen entweder über die Berge oder eben durch den Höhlentunnel in die anderen Dörfer. Wir schipperten noch ein wenig über den Hinboun Fluss und genossen dort die beruhigende Stille, bevor es dann durch den Tunnel zurück zu unseren Mopeds ging. Absolut beeindruckend und ein in vollem Umfang lohnenswerter Besuch der die Anfahrt gerechtfertigt hat.

Für alle ein wenig abenteuerlustigen Reisenden ist der Loop definitiv ein “Must do” in Laos. Selten fühlte ich mich in Asien mehr raus aus dem Touristen-Gewimmel und gleichzeitig so Willkommen in der Fremde wie auf diesem Trip!

Sag was dazu!