The Moderators – Doku über die Menschen, die Inhalte in sozialen Netzwerken zensieren.

In sozialen Netzwerken geht es auf keinen Fall von ganz alleine so züchtig zu wie sie einem manchmal erscheinen. Es wird zensiert was das Zeug hält und diese Arbeit übernehmen auch heute noch nicht nur Maschinen sondern hauptsächlich Menschen

the moderators

01.05.2017

Als kürzlich bekannt wurde, dass jemand einen Mord auf Facebook gestreamt hat, waren plötzlich alle wach! Was ist da los? Wie kann so etwas funktionieren, bzw. was ist da schief gelaufen?

Ich denke wir sind uns alle einig, dass so etwas nicht ins Netz gehört, genauso wie eine ganze Menge anderes abstoßendes Zeug.
Doch wie wird versucht zu verhindern, dass soziale Netzwerke nicht schon lange eine große pornographische, menschenverachtende und gewaltverherrlichende Massenveranstaltung sind?

Nun dafür gibt es Dienstleister, die für ihre Klienten den ganzen Tag nichts anderes machen als die Profile ihrer User zu überwachen und alles zu zensieren was unangemessen ist. Sie werden dabei zwar von Algorithmen unterstützt, doch die letztendliche Entscheidung über verboten oder nicht, fällt ein Mensch.

The Moderators zeigt das einwöchige Training für neue Mitarbeiter, bei einem indischen Anbieter solcher Services. Seine Kunden vornehmlich Dating-Seiten und jeder Angestellte checkt und beurteilt dort im Schnitt z.B. 2000 Fotos pro Stunde. Durchschnittlich entsprechen 20% davon nicht den Richtlinien für ein “sauberes” soziales Netzwerk.

Das Netz ist noch immer nicht schwarz/weiss:

Beim anschauen der sehenswerten Doku ging mir vieles durch den Kopf: Natürlich kommt gleich die Feststellung auf, dass die virtuelle “Drecksarbeit” mal wieder in Billiglohnländern wie Indien gemacht wird.

Und es kommt die Frage auf, warum die Regelungen in Bezug auf Nacktheit teilw. so rigide und weltfremd sind. Dabei drängen sich Diskussionen um Nippel auf Instagram oder ähnliches in den Vordergrund. Man fragt sich, warum wir eigentlich nicht selbst entscheiden können was wir sehen wollen und was nicht, sondern multinationale Großkonzerne unsere moralischen Standarts im Internet festlegen?

Und dann zeigt die Doku, mit welchem Content die Moderatoren sich bei der Arbeit ebenfalls auseinandersetzen müssen. Denn neben harmlosen und doch zensierten Nippeln oder nackten Hinterteilen gibt es dann auch so schreckliche Dinge wie Kinderpornographie, Gewaltverherrlichung und andere höchst illegale und menschenverachtende Posts, welche die User täglich in die Netzwerke spülen.

Schnell wird einem (mal wieder) klar, dass es im Netz so wie im echten Leben kein schwarz und weiss gibt, dass alles was wir uns auch nur im entferntesten vorstellen können (und sei es noch abstoßend) von Menschen gemacht wird.

Niemand der The Moderators anschaut wird am Ende wohl sagen, dass Zensur im Netz nicht nötig sei auch wenn das natürlich keinesfalls die Diskussion um Tabus und übertriebene “No Go’s” aufheben sollte, genauso wie im analogen teil des Lebens.

Der Trainer der in der Doku interviewt wird ist sich übrigens sicher, dass diese Arbeit auch auf längere Sicht noch von Menschenhand passieren muss. Wir können uns nur wünschen, dass solche schrecklichen Dinge wie das streaming eines Mordes so schnell nicht mehr an die Oberfläche getrieben werden und dort für Stunden zu sehen sind. Sicher sein können wir uns leider trotzdem nie.

 
(via hypebeast)

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