Thom Yorkes Fingerübungen

Thom Yorke

Als langjähriger Radiohead Fan freue ich mich natürlich auch über fast alles was die einzelnen Bandmitglieder in anderen Projekten oder auch Solo so veröffentlichen.
Thom Yorke, der Frontman und Sänger von Radiohead verfranzt sich jedoch momentan in der Schnelllebigkeit moderner Veröffentlichungsoptionen für seine Musik.

Seitdem Radiohead mit “In Rainbows” erstmals einen neuen Weg der Veröffentlichung ihrer Musik gegangen sind und das Album in Eigenregie und zum Wunschpreis über ihre Website herausbrachten, experimentiert Thom Yorke weiter mit alternativen Wegen herum seine Musik zu den Fans zu bringen.
Jüngst erschien sein zweites Solo-Album “Tomorrows Modern Boxes” zuerst Torrent Download.

Natürlich ist es eine gute Sache, dass es Popstars gibt die,  durch ihren Bekanntheitsgrad und eine kritische Einstellung zur Musikindustrie, die der Zukunft Vermarktung von Musik mit gestalten.
Genau wie Trent Reznor von den Nine Inch Nails, gehört Thom Yorke inzwischen zu den prominentesten und einflussreichsten Vertretern dieser Gattung.

Schaffenskrise “live”

Die Selbstvermarktung Yorkes hat meiner Meinung nach jedoch auch einen Nachteil, und der liegt in der Qualität seiner Musik.
Tomorrows Modern Boxes ist zwar kein schlechtes Album, doch wahrlich nicht das höchste der Gefühle.
Seit dem Radiohead Longplayer “The King of Limbs” aus 2011 ackert sich Yorke an der Stilgebung dieser Platte ab. Durch die regelmäßige Veröffentlichung von “Work in Progress” Songs können seine Fans dieser Schaffenskrise quasi live beiwohnen, das ist gut und schlecht gleichzeitig.

Gut ist es weil es ehrlich ist, weil es neu ist und weil es dem Zeitgeist entspricht einen Prozess in ein Produkt zu verwandeln.
Es ist natürlich völlig klar, dass auch Thom Yorke nur mit Wasser kocht, auch wenn er zweifellos ein begnadeter Musiker ist.
Man sollte sich also also eigentlich freuen, über Alles an dem er seine Fans teilhaben lässt.

Vorfreude, Qualität, Warenfetisch

Was allerdings in diesem Zusammenhang verloren geht sind andere Dinge. Neue Veröffentlichungen Thom Yorkes und auch die letzten beiden Radiohead Alben kamen immer quasi aus dem nichts.
Man kann Plattenfirmen viel vorwerfen, doch so eine Marketing-Kampagne steigert die Vorfreude auf neue Musik erheblich, so etwas wäre doch auch in Eigenregie möglich.

Gefühlt warte ich inzwischen eigentlich nur auf das neue Radiohead Album, die Qualität der Musik aus der Schaffenskrise, die Yorke aktuell in die Öffentlichkeit trägt, hat dazu beigetragen, dass ich dieses Songs allenfalls als Fingerübung sehe.
Das ist natürlich schade, aber so ist es eben, das kann ich leider nicht ändern.

Thom Yorke Cover

Das Radiohead sich, bei ihren kreativen Prozessen, noch auf klassischen Pfaden bewegen, und wir hoffentlich erst neue Musik zu hören bekommen wenn das neue Album auch fertig ist, führt mir ebenfalls vor Augen, wie schön es doch ist, wenn ein Produkt, ein Kunstwerk oder wie man es auch nennen mag, sich den Schleier des Warenfetischs überwirft.

Ich verweile also in freudiger Erwartung darüber, dass sich die Band aktuell wieder im Studio befindet, hoffe, dass Radiohead weiter mit dem Mysterium um ihre Musik spielen und Thom Yorke seine “Work in Progress” Mentalität nicht auch noch auf das Band-Konzept überträgt.

Gleichwohl will ich mich bemühen, den aktuellen Weg, den er Solo eingeschlagen hat wertzuschätzen und auch seinen frisch- und selbstveröffentlichten Song, nicht als bloße Fingerübung zu sehen.
Denn vielleicht gibt es ja auch noch irgendwas daran, das ich noch nicht verstanden habe.

Der Song “Youwouldn’tlikemewhenI’mangry” ist auf Bandcamp erschienen und kann dort für einen frei gewählten Betrag gekauft werden.

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