Trip Advisor, Lonely Planet und die Zukunft der Travelguides

Trip Advisor vs. Lonely Planet / Zwentner.com

Was taugen Travel Guides aus Papier noch in Zeiten des Internets und seiner nahezu allgegenwärtigen Verfügbarkeit?
Hat der gute alte Reiseführer ausgedient?
Schaffen die Verlage von Lonely Planet, Marco Polo oder Stefan Loose den Sprung in die Zukunft, oder ist der Zug bereits abgefahren? Was können sie was die Internetportale nicht bieten können?
Eine Einschätzung meinerseits!

Steht eine Fernreise an, ist meist das erste was ich mache mir in der Buchhandlung einen Reiseführer für das entsprechende Land zu besorgen.
Auf einen Blick hat man so die wichtigsten Details des Reiseziels gebündelt in der Hand.
Das geht los mit den ungefähren Wechselkursen, den Angaben zu Klima und Reisezeiten und einem, meist recht ausführlichen, ersten Haufen an Infos zu Land, Leuten und Kultur.

Das ist natürlich nur ein Bruchteil der Dinge die in so einem dicken Buch stehen, einige Reiseführer, so z.B. Der Lonely Planet Indien, der gerade vor mir liegt, sind über tausend Seiten stark.
Da geht’s dann schonmal ins Detail, auch zu noch so kleinen Orten oder Einzelheiten.
Über Jahrzehnte waren der Lonely Planet oder die orangefarbenen Reisehandbücher des Stefan Loose Verlages absolut unverzichtbar für Individualreisende und Weltenbummler.

Wie überall hat auch hier das Internet die Spielregeln grundlegend verändert und inzwischen haben sich online Konkurrenzprodukte etabliert, die hinter die Anschaffung eines Travelguides aus Papier, zumindest ein dickes Fragezeichen setzen.
Es Lassen sich etliche Vergleichsmaßstäbe zur Hand nehmen um die Vor- und Nachteile von Buch und Netz abzuwägen. Ich beschränke mich auf ein paar von ihnen:

Aktualität

Netzportale wie Trip Advisor, Foursquare oder Yelp bieten so gut wie immer aktuellere Hinweise und Empfehlungen zu Restaurants, Unterkünften oder Ausflugtips. Meist kann man sich über Durchschnittsbewertungen hunderter Nutzer freuen und bekommt zudem aktuelle Fotos der Lokalitäten gleich mitgeliefert.
Neue Angebote, Stadtrundgänge oder Sehenswürdigkeiten ergänzen die großen Datenbanken fast täglich, während Reiseführer in Buchform nur alle 1-2 Jahre auf den neuesten Stand gebracht werden.

Lonely Planet / Zwentner.com

Im Puncto Aktualität spielen die Internet-Ratgeber eine große Stärke aus, Reiseführer aus Papier haben eigentlich immer das Nachsehen.
Damit steht es Eins zu Null fürs Internet!

Qualität der Informationen

Hinter den Empfehlungen in bekannten Reiseführern wie dem Lonely Planet stecken meist gut recherchierte Angaben von Reisejournalisten, schreibenden Inländern oder sonstigen Experten der jeweilen Länder.
Hier ist häufig der nötige Weitblick vorhanden um eine Empfehlung auch wirklich zu einer Empfehlung zu machen.
Empfehlungen und Bewertungen von Nutzern der Netzportale, mag so manches Mal eine Prise extra Begeisterung oder Frustration beigemischt sein, oder eben Unkenntnis oder fehlende kulturelle Sensibilität.
Über Geschmack lässt sich streiten, und auch ein Tip eines Redakteurs liegt mal daneben, doch unterm Strich geht dieser Punkt an die Papierbücher!

Praktikabilität oder der Einsatz im Feld!

Ein Buch benötigt keinen Zugang zum Internet.
Zwar bietet beispielsweise die Smartphone App von Trip Advisor längst an, Karten oder Infos zu Sehenswürdigkeiten für den Offline-Gebrauch abzuspeichern, doch schnelles Netz ist eben dann doch noch nicht immer und überall zu finden.
Wer vergisst sich z.B. eine aktuelle Karte zu laden kann unter Umständen auch mal ganz schön aufgeschmissen sein.
Auf langen Zug- oder Busfahrten bietet sich zudem immer wieder die Gelegenheit, in einem analogen Reiseführer zu schmökern und sich vielleicht schon neue Ziele für die weiter in der Zukunft liegenden Tage zu setzen. Ohne Netz wird das auf dem Smartphone schwierig.

Es kann jedoch auch ungemein praktisch sein, Infos in der Hosentasche mit sich herum zu tragen und keinen kiloschweren Tausend Seiten Klopper im Tagesgepäck zu haben.
Richtig vorbereitet kann kein Tag mit Trip Advisor einem die Schlepperei ersparen und zudem mit Spielereien wie Geolokalisierung auf den Karten oder Wegmarkierungen glänzen.
Im Bereich Praktikabilität bleibt es also bei einem unentschieden.

Reduzierung auf Wesentliches

Ein besonders wichtiger Punkt, denn schließlich will man nicht nur möglichst aktuelle Recherchen, Tips und Empfehlungen sondern auch die richtigen.
Ein Wichtiger Hinweis an der falschen Stelle nützt auch ziemlich wenig.
Auch wenn die Tips in Büchern manchmal veraltet sind einen Anhaltspunkt bieten sie häufig öfter als die Informationsflut aus Netzportalen wie Trip Advisor.
Dort muss man sich manchmal erst für den einen “richtigen” Tip aus tausenden UserBewertungen entscheiden, bevor man sich überlegen kann ob man ihn beherzigt.

Eine gute Redaktion spielt hier ihre Stärken aus, und vermittelt dem Leser das Gefühl mit auf Reisen zu sein.
Letzen Endes bleibt eine Empfehlung nur eine Richtlinie, ob und wann man davon abweicht muss man selbst entscheiden.

Trip Advisor / Zwentner.com

Überhaupt von etwas abweichen zu können ist jedoch eine wichtige Hilfestellung auf Reisen.
Damit steht es 3:2 für den analogen Reiseführer.

Das Gesamtpaket

Während in Netzportalen, die Bewertungen der User im Vordergrund stehen und sich Meist nur nach Lokalitäten suchen, und z.B. Nicht nach Themen wie “An- und Weiterreise” suchen lässt, ist in Büchern meist genau für solche Ressorts Platz.
Ein gutes Layout und ein logischer Aufbau helfen dabei sich in jedem neuen Ort schnell zurecht zu finden.
Klarer Punkt für die Papierbegleiter!

Zukunftsaussichten

Bei einem Endstand von 4:2 für den analogen Reiseführer könnte man meinen, das Bild sei klar.
Leider sehen die Zukunftsaussichten für diesen nicht so rosig aus, wie das Ergebnis vermuten lässt.
Das Angebot im Internet ist in aller Regel umsonst. Es wird sicher viele geben, die sich vielleicht vor zwei Jahren noch für den Kauf eines Reiseführers entschieden hätten, sich jetzt das Geld aber lieber sparen wollen.
Die Neuauflage eines Lonely Planet ist mit erheblichem zeitlichen und finanziellem Aufwand verbunden, während die Infos in Netzportalen quasi wie von allein wachsen. Die Datenbanken werden von den Usern gefüllt, wie so oft im Prosumenten Alltag.

Dass sich die Verlage von Reiseführern umstellen müssen sieht man an ihrem Bemühen, mit der Entwicklung im Netz Schritt zu halten.
Den Lonely Planet kann man sich inzwischen, für viele Länder auch als EBook zulegen.
Die meisten Travelhandbücher verweisen auf Zusatzinhalte auf der Verlagshomepage oder betreiben mehr oder weniger erfolgreiche Internetforen, in denen sich die Leser austauschen können/sollen.
Eigene Apps mit Stadtführern, Sprachkompendien oder ähnlichem erweitern zudem inzwischen das Angebot vieler Verlage.

Ob diese Bemühen letzten Endes mit den schnell wachsenden Usergenerierten Inhalten mithalten können ist fraglich.

Bis jetzt kommt eine Empfehlung im Lonely Planet noch einer echten Auszeichnung gleich, die sich Hotels oder Restaurants gerne auf die Fahne schreiben.
Schaut man genau hin sieht man aber inzwischen immer mehr selbstausgedruckte Zertifikate von Trip Advisor in den Geschäften und Unterkünften hängen. Die klassische Empfehlung multipliziert sich!

Fazit

Für mich persönlich geht es unterwegs (noch) nicht ohne den Reiseführer aus Papier.
Die Struktur und die Qualität der Infos die so ein Nachschlagewerk bietet will ich nicht missen.
Dennoch haben mir die Helfer aus dem Internet inzwischen schon viele gute Dienste erwiesen, und mich auf so manches gebracht, dass nicht im Buch gestanden hat.
Für den Moment heißt es noch die Mischung macht’s!
Hoffentlich haben wir noch möglichst lange die Wahl!

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