Twitter, Mainstream aus zweiter Hand!

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Noch vor ein bis zwei Jahren war es nichts besonderes, wenn einem jemand begegnete, der nicht wusste was Twitter ist.
Das Microblogging-Netzwerk konnte inzwischen auch in Deutschland einen Bekanntheitsgrad erlangen, bei dem es heute eher unwahrscheinlich erscheint auf jemanden zu treffen, der noch nie etwas von dem Dienst gehört hat.
Wenn Tweets um die Welt gehen kriegen auch die deutschen das mit! Das passiert jedoch meist über Fernsehen, Freunde oder Facebook anstatt aus dem Netzwerk direkt!

Twitter in Deutschland ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Mainstream aus zweiter Hand!

Wer hat nichts von Lukas Podolskis Selfie mit der Kanzlerin nach dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft bei der WM 2014 mitbekommen?
Den wenigsten dürfte auch hierzulande das Hollywood Klassenfoto von Ellen DeGeneres auf der letzten Oscar-Verleihung entgangen sein.

 

Twitter ist, wenn es um solche Dinge geht, ein Klatsch und Tratsch-Netzwerk allererster Güte! Ungeachtet dessen was sonst noch alles an Kommunikation und Informationsaustausch auf Twitter stattfindet, sind es vor allem die Tweets von Stars, Politikern oder sonstigen Personen des öffentlichen Lebens, die über das Netzwerk hinaus Beachtung erlangen.
Was dabei interessant ist, ist das sich erster Linie (zumindest in Deutschland) wohl eher die Fernsehsender, Online-Redaktionen und einige Selfmade-Multiplkatoren am dem Microblogging-Fundus in Reinform bedienen.
Besagter Tweet von Ellen Degeneres wurde zwar fast 3,5 Millionen mal retweetet, dürfte den meisten Deutschen jedoch (dann weitergeteilt) über das Facebook einen Beitrag bei RTL Exklusiv oder Ähnlichem bekannt sein.
Lukas Podolskis Kanzlerinnen Selfie wurde allein über Facebook rund dreißigtausend Mal geteilt und von knapp einer halben Millionen Menschen geliked.
Auf Twitter selbst schaffte es der Original Tweet gerade 6500 Retweets. Das bedeutet zwar nicht, dass das Bild nicht auch auf Twitter von sehr vielen Leuten gesehen wurde, doch das ist in diesem Fall den großen Accounts vom ZDF oder Sport1 geschuldet, die es ebenfalls weiter verbreitet haben.  

 

Worauf ich hinaus will ist folgende Beobachtung. Es scheint so, als ob viele Deutsche Twitter inzwischen nicht nur kennen, sondern, dass (zumindest die Prominenten) Inhalte auch gesehen und diskutiert werden.
Die Erst-Rezeption der Inhalte scheinen aber verglichen mit der großen Masse (noch) sehr wenige zu übernehmen.
Den Fernsehsendern und Online Redaktionen wird (aktuell) hier auf eine ironische Art und Weise wieder ihre Gatekeeper-Funktion zugeschoben, die ihnen die Nutzer des Web 2.0 einst noch mit stolz geschwellter Brust aberkannten.

Es scheint ein wenig so, als wären viele Deutsche mit dem Überfluss an Informationen von Twitter ein wenig überfordert. Vielleicht ist Twitter auch zu sehr lean-forward Medium, als das es den Rezeptionsgewohnheiten des Deutschen Informationsmainstreams Rechnung tragen könnte.

Fest steht, dass es momentan noch einen Bedarf gibt an der „Best of Twitter-Rückschau“ zum Tatort oder der Unterstützung des Internet-Volksmediums Facebook um die Inhalte auf Twitter in den deutschen Mainstream zu tragen.
Ob das so bleibt? Warten wir’s ab!

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