Ulysses III auf dem Mac: Ein Plain Text Editor mit Charme

Ulysses 3 Review : Zwentner.com

Inzwischen habe ich ja schon diverse Plattformen zur Texterstellung hier getestet. Ulysses III ist ein klassischer Plain Text Editor, der voll darauf ausgerichtet ist lange Texte zu produzieren. Durch die clevere Einbindung von Markdown und eine HTML Exportfunktion, eignet sich die Software jedoch auch hervorragend zum Bloggen.
Ulysses III trumpft auf mit einer sehr frei zu konfigurierenden Optik, iCloud support sowie einer perfekten Integration der hauseigenen Textverarbeitungs-App Daedalus für iOS.
Neben einer ganzen Ladung weiterer durchdachter Funktionen, versprüht das Schreibwerkzeug der deutschen Entwickler-Schmiede „The Soulman“ aber vor allem eine Menge Charme.

25.01.2015

Der Name Ulysses geht zurück auf das gleichnamige bekannte Buch des irischen Autors James Joyce, der damit das belletristische Stilelement des sog. „stream of consciousness“, also des Bewußtseinsstroms, in den modernen Roman einführte.

Als Namensgeber einer Schreibsofware, sollte die Marschrichtung die diese einschlägt also schnell klar sein.
Ulysses III will ein Text Editor sein, der sich dem Ideenfluß des Autors nicht in den Weg stellt. Die Umsetzung dieses Vorhabens erfolgt durch Minimalismus, ein frei zu konfigurierendes Interface und eine intuitive Bedienung.

Das Writing Tool der Entwickler von The Soulmen aus Leipzig profitiert von einer bereits jahrelangen Produktoptimierung. Mit Version drei wurde das Tool im April 2014 neu gelaunched.

Die Nutzeroberfläche

Grundsätzlich läßt sich Ulysses III in zwei verschiedenen Darstellungsmodi benutzen. Sogenannte Popover Menus, können jeweils durch Shortcuts ein- und ausgeblendet und per Drag & Drop genau an der Stelle auf dem Screen positioniert werden, wo man sie haben will.
Die Vollbildansicht richtet ihre Aufmerksamkeit ganz auf den zu erstellenden Text und blendet Infos und Optionen nur nach Bedarf über Shortcuts ein oder aus.
Zwar lassen sich hier ebenfalls alle Bedienelemente der Fensteransicht aufrufen, doch dieser Modus motiviert, durch Schriftbild, Zeilenabstände und seine allgemeine Schlichtheit im Design, einfach zum ablenkungsfreien drauflostippen.

AppStore-DE-02

Die Fensteransicht hingegen, eignet sich insgesamt mehr dazu Dokumente zu ordnen, zusammenzufügen oder zu trennen, kurz ein wenig den Überblick im Getippten zu behalten.
Dies geschiet über ein dreispaltiges Verwaltungssystem, dass alle Dokumente und ihre Speicherorte in einem Dateibaum übersichtlich darstellt.

Wer an einem größerem Textprojekt arbeitet, beispielsweise an einer Abschlussarbeit oder einem Buch, kann z.B. für jedes Kapitel eigene Dokumente anlegen, sie über die Fensteransicht hin- und her schieben und zum Schluss miteinander Verknüpfen.

AppStore-DE-03

Auch in der Fensteransicht, lassen sich alle Bedienelemente (Popovers) zu- oder abschalten, sodass sich beide Modi in ihren Anzeigeoptionen sowie ihrem Featureumfang eigentlich nicht unterscheiden.
Es bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen, in welchem Modus man selbst am liebsten schreibt.

Beide Schreibmodi erzeugen ein unterschiedliches Feeling, doch keiner der Beiden schränkt die Möglichkeiten des Benutzers auf irgendeine Art und Weise ein.

Optik & Themes

Egal ob Vollbild- oder Fensteransicht, in Ulysses III läßt sich das Erscheinungsbild, d.h. Schriftart und -farben, der Farbton des Hintergrunds sowie der Abhebung von Links und Markdown-Formatierungen frei wählen.
Die persönliche Konfiguration lässt sich dabei als Theme speichern. Natürlich besteht auch die Möglichkeit zwischen vorinstallierten Themes zu wählen, oder die anderer Benutzer auf der Website von The Soulman zu laden und zu selbst verwenden.

weitere Themes auf der The Soulman Website : Zwentner.com

Die Themes für Vollbild- und Fensteransicht werden dabei getrennt voneinander behandelt, sodass man sich sein gewünschtes Erscheinungsbild bis ins Detail aussuchen kann.

Schreiben mit Ulysses III

Ulysses setzt, wie die meisten Text Editoren von Rang und Namen auf Markdown zur Formatierung des Geschriebenen.
Von dieser einfachen Auszeichnungssprache für Plain Text sollten die meistens zumindest Ansatzweise schon einmal gehört haben. Wer sich da noch ein bisschen Einlasen möchte, hat hier und hier die Möglichkeit dazu.
Das Credo von Markdown ist einfach zusammengefasst. Es lautet: „Easy to read and Easy to write“

In diesem Sinne übernimmt Markdown eine grundständige Formatierung von Texten, d.h. versieht sie mit Überschirften, Fett- und Kursiv gedrucktem oder Aufzählungen.
Das alles bleibt übersichtlich und anwenderfreundlich alle Formatierungen lassen sich über Shortcuts vornehmen.

Das Markdown-Credo kann noch erweitert werden um „Easy to convert“, denn die Art und Weise wie sich in Markdown geschriebene Texte weiterverarbeiten lassen ist die dritte große Stärke der Syntax, doch dazu später mehr.

Ulysses III setzt also auf Markdown und das ist auch gut so.
Besonders interessant für alle die mit Web-Texten zu tun haben ist allerdings die Tatsache, dass die Software die herkömmlichen Markdown Kommandos noch ein wenig ergänzt.
So ist es möglich mit einfachen Befehlen zusätzliche, Bilder Links, Code-Schnipsel oder Videos in den Text einzubinden. Dies wird als Markdown XL bezeichnet und ist besonders für Blogger interessant.

Ebenfalls Klasse ist der, auf Wunsch zuschaltbare, Focus-Balken in Ulysses, der je nach Einstellung immer mittig, wie bei einer Schreibmaschine stehen bleibt oder „mitwandert“ mit dem Getippten.

Ulysses Focus Bar : Zwentner.com

Besonderes praktisch ist auch das jederzeit aufrufbare Statistik-Fenster in beiden Ansichten. Darüber ist es stets möglich, den Überblick zu behalten darüber, wie viele Sätze, Wörter oder Absätze man bereits verfasst hat.
Gerade für Web-Texte ist der eingebaute Wörter-Countdown eine interessante Sache. Hier ist es möglich eine Zielanzahl von Wörtern oder Sätzen für seinen Text festzulegen. Will man die Wort- oder Satzanzahl von Auftragstexten nicht überschreiten ist das eine prima Sache.

Ulysses III Word Counter : Zwentner.com

Die Textziele lassen sich individuell für jedes Dokument feslegen und stellen den Fortschritt in Form eines Kreisdiagramms, in der Dokumentansicht aber auch in der Textbibliothek dar.

Suchen & Finden

Als Navigator bezeichnet Ulysses die Möglichkeit in Dokumenten nach Überschriften zu springen und so schnell gerade durch längere Texte zu steuern.

Dieses Suchfenster lässt sich, wie alle Popover-Menus in Ulysses, über einen Shortcut ein- und ausschalten.

Suchen über Schlagwörter & Popover : Zwentner.com

Über die Volltextsuche kann nach Schlagwörtern oder Sätzen innerhalb des Textes gesucht werden, ganz so wie unter OSX gewohnt.

Über diese Suche kann auch nach ganzen Dokumenten in der Bilbiothek gesucht werden. Diese kann zudem duch das anlegen von Filtern übersichtlicher und zielführender aufgebaut werden.

Filter anlegen : Zwentner.com

So lassen sich in einer Filteransicht z.B. alle Dokumente eines bestimmten Änderungsdatums oder mit bestimmten Wörtern zusammenfassen.

Texte exportieren

Fertige Texte können aus Ulysses heraus in alle denkbaren Formate umgewandelt werden.

Ob als Rich-Text, in Markdown oder als HTML Dokument, alles kein Problem. Sogar PDFs lassen sich erstellen. Hierbei kommen dann wieder die Konfgurationen der voreingestellten Themes für die entsprehenden Exportformate zum tragen. Es ist sogar möglich einen Text in das ePub-Format zu konvertieren und direkt an iBooks zu senden, auch wenn die Optionen hier nur rudimentär gehalten sind und sich z.B. nicht mit denen von iBooks Author messen können.
Dennoch kann man sagen, das Ulysses so ziemlich jedes gängige Format unterstützt und somit den allermeisten Anwendungsfällen genüge tragen sollte.

iCloud & Daedalus

Ulysses III verfügt über einen iCloud Sync, der alle Dokumente, die man dort haben will in Apples Wolke speichert und sie so auf allen Macs verfügbar macht auf denem man angemeldet ist. Die gewünschten Dokumente lassen sich einfach in den entsprechenden Ordner ziehen und fertig.

Besondere Erwähnung vedient auch noch die ebenfalls über iCloud geregelte Kommunikation mit der iOS App Daedalus Touch (App Store Link), die ebenfalls von The Soulman entwickelt wird.

Alle Stacks und Dokumente die man dort anlegt sind auch in Ulysses zu sehen und editierbar, was sehr erfreulich ist.

Warum ich Ulysses zum Bloggen empfehle

Ulysses III ist nicht in der Lage eine direkte Verbindung zu einer Bloggingplattform oder zu einem CMS aufzubauen. Man könnte also meinen, dass Ulysses gegenüber anderen Text Editoren auf dem Mac, wie zum Beispiel Mars Edit oder Desk, zumindet aus blogging-technischer Sicht das nachsehen hat.

Ulysses versteht sich jedoch als Plain-Text Editor ein Reinform, sodass z.B. die fehlende Möglchkeit auf die xmlrpc Schnittstelle in WordPress zuzugreifen hier Konzeptbedingt schlicht nicht vorgesehen ist.

Einen wirklichen Nachteil stellt das zumindest zu diesem Zeitpunkt meiner Meinung nach aber noch nicht da.

Der Grund dafür ist der, dass ich bei allen Texteditoren die mir bis jetzt über den Weg gelaufen sind, noch nie das Gefühl hatte komplett ohne den WordPress Editor im Backend der Browseransicht auszukommen.

Irgendwas fehlt bis jetzt jeder Software. Ob es der nicht vorhandene support für Artikelbilder in Mars Edit, die fehlende Möglichkeit Texte als Drafts auf dem Server zu speichern in Blogo oder die feherhaften Übersetzungen von Markdown in HTML bei Desk sind.

Ich habe einfach noch keinen Text Editor auf dem Mac gefunden, der so perfekt ist, dass ich direkt aus diesem heraus Blogbeiträge veröffentlichen kann.

Der Weg ins WordPress Backend bleibt mir also ohnehin nie erspart zumindest bis jetzt nicht. Deshalb ist es kein größerer Umstand, die in Ulysses erstellten Texte als HTML in die Zwischenablage zu kopieren und dann in den WordPress-Editor einzusetzten, als bei den anderen angesprochenen Texteditoren.

Ich empfehle Ulysses zum bloggen, weil die Software keine falschen Versprechungen macht. Alles was sie macht funktioniert so, wie es soll. Weniger ist hier eindeutig mehr.

Fazit

Ulysses III löst das Versprechen ein, dem Nutzer möglichst viel Freiraum für seine eigenen Gedanken beim Schreiben zu lassen und gibt ihm dennoch genügend (dezent im Hintergrund befindliche) Werkzeuge zur Textformatierung (Markdown XL) und zum Export seiner Erzeugnisse an die Hand. Eine Nachbearbeitung in anderen Apps ist fast nie nötig.

Ganz in der Tradition von James Joyce, fungiert der Text Editor so quasi als das Flußbett für den eingenen Bewusstseinsstrom und erzeugt so, die vielleicht angenehmste Schreibumgebung die ich auf dem Mac bislang erfahren habe.

Auf seine ganz persönliche Art und Weise bietet Ulysses sich den Verfassern von längerer Prosa, Abschlussarbeiten oder Büchern genauso an wie Web-Workern, Journalisten oder Bloggern.

Das Gesamtpaket ist stimmig und macht Ulysses III summa summarum zu meiner aktuellen Nummer eins in Sachen Textverarbeitung auf dem Mac.

 

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