Warum Ich bei Facebook nicht mehr (richtig) mitmache!

03.07.2013

Blicke ich auf die vergangenen 6-7 Monate zurück, stelle ich fest, das ich zunehmend weniger im Facebook aktiv war, bis zu dem Entschluss vor ein paar Monaten überhaupt keine Inhalte mehr zu posten. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Grund Nummer 1: Ich werde verkauft

Einer davon ist sicher der, das man inzwischen auf eine besonders penetrante Art und Weise merkt, wie sehr man bei Facebook das Produkt und eben nicht der Kunde ist. Inzwischen ist es auf den ersten Blick noch nicht einmal mehr möglich Werbung von echten Inhalten zu unterscheiden, das ist quasi der Idealzustand für die Werbeindustrie mich anzusprechen.
Weiterhin wählt das Netzwerk inzwischen für mich aus, welche der Inhalte meiner Freundeskreis mir angezeigt werden und welche nicht. Das geschieht auf einem für mich nicht durchschaubaren Algorithmus, bei dem, wenn es um Seiten von Unternehmen geht eben auch manchmal Geld im Spiel ist. Ganz nach dem Motto zahle an Facebook und erreiche viele Nutzer.

Grund Nummer 2: die Inhalte

Der zweite Gesichtspunkt betrifft die Inhalte von Facebook, also genau das was das Netzwerk, eigentlich interessant machen sollte. Dafür sind natürlich (mal abgesehen von der Werbung) die Nutzer verantwortlich, und ja das ist inzwischen bei Facebook zum Problem geworden.
Ich will natürlich jetzt keine Individuen ansprechen, doch ich muss sagen, das Problem ist letzten Endes schon auf diese zurückzuführen.
Ich habe einmal gelesen, das Facebook inzwischen die Bildzeitung des Internets geworden ist. Ich glaube ich habe noch keine treffendere Diagnose gehört. Nahezu alle über den engeren Freundeskreis hinaus populären Themen die im Facebook behandelt werden sind auf auf dem tiefen, sensationsheischernden und stammtischmäßigen Niveau, aus dem ich die Bildzeitung schon immer gemieden habe. Wie ein Lauffeuer breiten sich nun schon seit längerer Zeit sinnentleerte Sprüche von irgendwelchen Zitate-Sammel Seiten, bescheuerte Kettenbriefe oder peinliche Videos über meine Timline aus, deren Ursprung sich nur schwer zurückverfolgen läßt.
An den Punkten wo das Facebookland versucht selbstreferenziell zu werden geschieht auch das auf einem Niveau, wo sich einem die Haare zu Berge stellen. Man ließt dann Dinge wie “Achtung meine Seite wurde gehackt” oder “bitte schicke folgenden Mist an mindestens 10 Freunde weiter! Andernfalls sucht Dich ein Facebook Virus Heim”. Auch wenn die Infrastruktur des Netzwerkes selbst bestimmt für die schräge Kommunikationskultur auf Facebook mit verantwortlich ist, kann man bei Kommentaren wie den aufgeführten trotzdem nur am gesunden Menschenverstand einiger User zweifeln. Die sind es nämlich trotzdem die diesen und noch viel mehr Unsinn verzapfen und zwar das es knallt! Ich weiß, das ist Boulevard, das ist lokal, das ist Entertainment, doch genau das sind Oliver Geißen, Mitten im Leben und Deutschland sucht den Superstar auch…
Dazu kommt noch, das Facebook inzwischen eine eierlegende Wollmilchsau geworden ist. Was zur Vernetzung von Freunden die man wirklich kennt begann ist inzwischen eine Spieleplattform, ein Videochat, ein Email Ersatz, eine Blogging-Plattform, ein Fotospeicher, ein digitaler Lebenslauf, ein Browser! Einiges habe ich bestimmt vergessen, vieles davon ist Facebook auch nur in halbgarer und eigentlich unbefriedigender Form, doch die meisten Nutzer geben sich halt damit zufrieden.
Das Facebook drängt sich mir mit all diesen Funktionen förmlich auf. Ich brauche mich nur einzuloggen und es geht schon los mit den fragen. Meldungen wie “Hey ist deine Telefonnummer noch aktuell?”, “gib mir doch deine Telefonnummer!”, Hey arbeitest du vielleicht dort… oder dort?”, “hey dein Profil ist noch nicht komplett: Status 3 von 6” und und und… Das alles passiert mit einer Haltung die dem User suggerieren will, das die Vollständigkeit des eigenen Datensatzes das Benutzererlebnis verbessern wird. Der wahre Grund dafür wurde bereits unter Grund 1 angerissen.

Grund Nummer 3: ich gehöre mir!

Ja, wir könnten jetzt über Datenschutz reden! Ja man verliert die rechte an jedem Foto das man bei Facebook uploaded, ja der Arbeitgeber kann mich stalken und ja ich werde in einem nie gekannten Maße für die Werbeindustrie durchleuchtet – alles alte Zöpfe, die zweifelsohne abgeschnitten gehören! Doch machen wir uns nichts vor ein Geschäftsmodell das auf der statistischen Aufbereitung von Konsumenten und deren Verkauf basiert und dazu noch die Anleger glücklich machen muss wird eher zusammenbrechen bevor es sich revolutionieren läßt!
Und genau hier liegt der Punkt der mir mittlerweile am meisten Sorgen bereitet. Wenn das Facebook irgendwann die Schotten dicht macht, wäre meine gesamte digitale Existenz damit auf dem weg ins Nirvana! Ok, ich bin mir sicher das jegliche Form von Cat Content und inzwischen wohl auch Bildchen von Gummibärchen mit Herzchen in der Hand unter denen eine Lebensweisheit steht, weiter irgendwo im Internet zu finden sein werden. Jedoch gäbe es sicher genug private Geschichten, Bilder, Videos oder ähnliches die in diesem, Falle buchstäblich in den Wind geschrieben worden wären.
Sicher, das Facebook von heute auf morgen einfach verschwindet ist eher unwahrscheinlich. Sicher ist aber auch das es bestimmt nicht besser wird in Facebookland! Und für den Fall des Supergaus stehen die Alternativen in Form von Google+, Twitter oder LinkedIn schon Schlange. Diese betreiben den selben Prozess natürlich auch jetzt schon, auch wenn nie klar sein wird ob sie den Branchenprimus Facebook je ablösen werden. Wo Geld gemacht werden kann wird halt auch Geld gemacht!

Deshalb plädiere ich für mehr Email, mehr Telefon, mehr selbstgehostete Blogs, mehr Alternativen. Im Bereich des Microblogging kann ich nur voller Inbrunst die Plattform App.net empfehlen, da gehören die Daten dem User und es gibt keine Werbung aufgrund eines Freemium Modells. Für mich ein Paradebeispiel dafür das soziale Netzwerke auch anders funktionieren können.

Warum bin ich also noch nicht längst (ganz) weg?

Verlasse ich jetzt mal den “Rand Modus” bleibt zu konstatieren, das Facebook inzwischen das Nonplusultra ist um möglichst viele Menschen zu erreichen. Einige von euch die ich aus früheren Lebensphasen kenne erreiche ich leider wohl nur noch über Facebook und es wäre schon ein bisschen schade das letzte Band so bewusst zu kappen. Meine persönliche Lösung für das Dilemma ist, das ich keine Inhalte mehr in das Netzwerk einspeise, bis auf Hinweise auf neue Mitteilungen in meinem Blog. So bekommt das Facebookland trotzdem noch etwas von mir mit und ich nutzte seine Infrastruktur so wenig wie möglich.
Und ja ich bleibe mit euch vernetzt, weil ihr alle hier seit! Ihr die ihr mich nicht mit Herzchen, Kerzen und Katzen zumüllt, die mir wirklich etwas zu sagen haben und zu denen mir die Vernetzung wichtig ist. Das ist für mich das kleinere übel…
Für viele ist im unterbewussten das Facebook leider schon ein Synonym für das Internet geworden. Ich würde mich freuen wenn sich diese Entwicklung aufhalten ließe. Das Netzwerk ist da auch ohne Facebook, fangen wir (wieder) an es zu benutzen!

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