Wearables: Der leise Übergriff einer Technik-Utopie

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Der Blogger Eddie Smith, hat die Schrittzähler in iPhone 6 und Fitbit miteinander verglichen. Seine Analyse hat mich auf einen neuen Gedanken zum Thema Selbstvermessung, gebracht und stimmt mich in der Tat etwas versöhnlicher auf den Verkaufsstart der Apple Watch.

If the first generation of computers made us sit down, hopefully the next generation will put us back on our feet.”
— Eddie Smith

Der Produktivitäts-Blogger Eddie Smith hat die Zeit und Muße aufgebracht um den Schrittzähler in iPhone 6 und dem Fitbit-Armband über eine längere Zeit miteinander zu vergleichen.
Im Ergebnis kommt er zu der Auffassung, dass beide Gadgets einen guten Job machen und, dass er dem Start der Apple Watch, sehr optimistisch entgegensieht.
Warum? Weil die Health-App in iOS 8 die Ergebnisse der Selbstvermessung einfach nicht gut genug visualisiert und weil er sich erhofft durch die Sensoren direkt am Körper noch bessere Daten erheben zu können.

Die Apple Watch nur ein Sportgerät?

Ob nun das Fitbit Armband oder potenziell die Apple Watch sich besser dazu eignen die eigenen  Bewegungsdaten zu monitoren, bleibt zunächst Ansichtssache und ist gerade auch nicht das, worauf ich hinaus will.
Eddie Smith hat mir persönlich mit seinem Test, das erste mal vor Augen geführt worum es bei der Apple Watch eigentlich am meinsten gehen (sollte).

apple-watch Es fällt mir immer noch schwer die Sinnhaftigkeit in diesem Produkt zu sehen, doch wenn es einen Sinn in dem mutmaßlich „meilenlangen“ Funktionskatalog der Apple Watch gibt, dann ist es vermutlich der Einsatz der Uhr als klassisches Fitness-Armband.
Sinnvolle Einsatzzwecke wären also beim aktiven Sport treiben, aber auch in der täglichen Kontrolle über das eigene Bewegungsmuster zu finden.

Wer also ein Device zur Unterstützung seiner sportlichen Leistung benötigt aber auch ein Interesse daran hat wie und wieviel er sich im Alltag so bewegt oder nicht, für den ist die Apple Watch vielleicht interessant. Genauso interessant könnte dann aber auch ein Fitbit-Armband oder eines der vielen anderen Konkurrenzprodukte sein.

Ja, das alles degradiert die Apple Watch erst einmal zum Sportgerät und zum Fitness-Armband.
Der Rest ist zur Zeit noch Zuckerguß, den man sich schön reden muss, wenn man geneigt ist dafür tief in die Tasche zu greifen.

Selbstvermussung = Zukunft?

Keine Frage: Dadurch das sich nun eine Firma wie Apple mit dem Thema Selbstvermessung durch Sensoren am eigenen Körper auseinandersetzt werden neue Standarts im Mainstream des Internet der Dinge, und in den Köpfen des gemeinen Technik-Nutzeres gesetzt werden.

Die Aufgabe, die jedem einzelnen hier zukommt, ist sich nicht nur eine Meinung darüber zu bilden, wie er oder sie zum Thema Selbstvermessung steht, sondern sie über kurz oder lang auch damit zu arrangieren, dass diese real passiert und das es über kurz oder lang vielleicht angebracht, ist einen positiven Nutzen für sich selbst daraus zu schlagen.

In diesem Punkt sind die meisten Nutzer momentan noch eher von der Entwicklung der Technik getrieben und nicht Herr über diese.

Was nützt es?

Was wir gerade erleben, ist der leise Überfall einer Technik-Utopie in den Mainstream der Gesellschaft.
Das sich das nicht immer gut anfühlt ist eine natürliche Reaktion darauf. Die Frage, ob Apple mit der Watch dieses mal einfach ein bisschen zu früh gekommen ist oder nicht, ist dabei unerheblich.

Fitbit

Wichtiger ist die Einstellung zu dem was uns zweifelsohne bevorsteht. Und eine Selbstvergewisserung über die Welt in der wir leben.

Unsere Schritte und unsere Bewegungen werden gemessen und dokumentiert, das ist bereits jetzt schon der Fall, wenn man z.B. mit einem iPhone in der Tasche herumläuft. Man kann das ignorieren und sich diesem Fakt verschließen.

Man kann jedoch auch anfangen sich positiv damit zu befassen und versuchen diese Daten für sich zu nutzen. Und man kann akzeptieren, dass wir uns einen Lebensraum geschaffen haben in dem solche Werkzeuge zur Selbst-Optimierung vielleicht hilfreich sein könnten.

Eddie Smith bringt das passend auf den Punkt:

I’m no anthropologist, but I believe the version of the human body we inherited evolved to move around a lot—certainly way more than we move in modern environments.

Es geht nicht darum sich morgen ein Fitbit-Armband zuzulegen oder sich eine Apple Watch vorzubestellen.
Es geht für die meisten von uns erst einmal darum sich damit zu arrangieren, dass die sog. Wearables, jetzt (und daran ist Apple mit verantwortlich) Alltag werden und das wir lernen sollten einen positiven Nutzen daraus zu generieren.

Meiner bislang dann doch eher pessimistischen Haltung zu der ganzen Sache, stellt Eddie Smith für mich persönlich damit zum ersten mal ein valides Argument entgegen, das mich auf längere Sicht, dann vielleicht doch ein wenig mehr mit dem versöhnt was da auf uns zukommt:

If the first generation of computers made us sit down, hopefully the next generation will put us back on our feet.”
— Eddie Smith

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