Wer Reisen muss, soll Reisen! So einfach ist das…

aus dem Boot in Flores, Indonesien

Ihr kennt das! Dieses Gefühl mal wieder raus zu müssen. Aber nicht nur für eine Nacht oder für ein Wochenende, sondern so richtig.
Wer einmal länger unterwegs war, den lässt diese Erfahrung meist nicht mehr los. Manchmal wartet man länger als einem lieb ist bevor man sich wieder den Rucksack aufschnallt. Doch es wäre zuviel hier von einer Last zu sprechen; Wer Reisen muss, soll eben Reisen! so einfach ist das…

Naja, ganz so einfach ist es dann doch häufig nicht.
Zumindest wenn man einen, wie auch immer gestalteten, Anspruch an ein halbwegs geregeltes Leben hat, an dem Ort den man Heimat nennt.
Die wenigsten von uns sollten als Reisende auf die Welt gekommen sein und obwohl Heimat in diesen Tagen ein durchaus dehnbarer Begriff geworden ist, spielen physische Orte hier, nach wie vor, eine übergeordnete Rolle, will ich behaupten.

So wichtig es ist sich darüber im klaren zu sein, ist es aber auch, den vielen kleinen und größeren Hindernissen auszuweichen, die uns mutmaßlich davon abhalten zu Reisen.
Allzu groß ist häufig die Überwindung aus dem sog. Alltag auszubrechen, Brücken zu schlagen in die Teile der Welt die uns fremd sind oder die uns dann teilw. doch irgendwie bekannt sind, obwohl wir noch nie selbst da gewesen sind.

Als ich im Jahr 2007 das erste mal so richtig weit weg war von Zuhause, wusste ich noch nicht, dass diese Reise mein Leben nachhaltig verändern würde.
Damals war ich das erste mal in Süd-Ost Asien unterwegs (wie so viele andere auch), und merkte zunächst auch in diesen intensiven Monaten noch nicht, was das Reisen in meinem zukünftigen Leben für eine Rolle spielen sollte.
Langsam klar wurde mir das erst ca. drei Jahre später, als ich gerade von einer Reise durch Vietnam zurückgekommen war. In diesen drei Jahren war mein Jahresrhythmus zwar bereits durch das Reisen geprägt, doch wirklich bewusst war mir nicht, dass das Reisen mehr und mehr zu einem Teil von mir geworden war.

Irgendwann schrieb mich eine alte Bekannte an, die ich seinerzeit, auf besagter erster Reise, in Thailand kennenlernte, weil sie recht aktuelle Fotos von mir im Internet gesehen hatte. Natürlich fragte sie auch wie es mir geht, und was ich jetzt machen würde.
In Erinnerung blieb mir allerdings maßgeblich ein Kommentar, den sie vor unserem Austausch unter eines meiner Fotos gesetzt hatte.

Unter dem Bild schrieb sie “Hey you’re a Traveller!” und als ich das las, wurde mir zum ersten mal richtig klar, dass ich das wohl war, ein Reisender!
Ich war zu jemandem geworden, der sich ein Leben ohne die weite Ferne nicht mehr vorstellen konnte, jemand der gerne Stundenlang in Bussen oder Zügen verbringt um ans Ziel zu kommen, der gerne morgens aufsteht und noch nicht weiss wo er abends schlafen wird, jemand der gerne zuschaut wie andere ihren Alltag verbringen, der gerne ein wenig daran teilhaben möchte.

Nach der Studienzeit wurde es nicht gerade einfacher meine Wünsche als Reisender mit meinem Alltag Daheim in Einklang zu bringen. Es ist nicht nur die zeitliche Flexibilität, die ein bisschen gelitten hat, sondern auch die Ziele und Zukunftsvorstellungen Zuhause die langsam ein wenig mehr Weitsicht erfordern.
Das alles sind natürlich gefühlt keine Opfer, doch die Reiselust ist dennoch die gleiche geblieben.
Vielleicht liegt das auch daran, dass ich das Glück hatte alle meine Reisen in den letzten Jahren gemeinsam mit meiner Freundin zu erleben. Das trug dazu bei, dass sich das Reisen an sich, im Laufe der Jahre fast schon in unseren Alltag integrieren konnte.

Für mich besteht ein Unterschied zwischen Urlaub und einer Reise. Der Modus ist anders.
Auf Reisen bin ich neugierig auf andere Kulturen, abenteuerlustig und dazu bereit mich einzuschränken. Urlaub ist in erster Linie zur Entspannung gedacht, eine Zeit in der man sich vielleicht etwas mehr Komfort gönnt als man es gewohnt ist und in der man sich selbst verwöhnt und verwöhnen lässt.
Alle unsere Reisen in den letzen Jahren haben auch Anteile eines Urlaubs gehabt und das ist auch gut so.
Würde ich jedoch “nur” Urlaub machen wäre ich vermutlich nicht zufrieden.
Zu groß ist das verlangen nach der (zumindest gefühlten) ultimativen Freiheit die man erlebt, wenn noch nicht feststeht welchen man Ort man als nächstes ansteuert, was man dort tut, wie man dort hinkommt und was einen dort erwartet.
Es geht darum sich zu bewegen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzten, die Widrigkeiten  und schönen Momente des Alltags vor Ort zu erfahren, sich treiben zu lassen.

Auf diese Weise lernt man nicht nur eine wirklich andere Welt kennen, sondern macht auch Urlaub von sich selbst.
Auf Reisen habe ich große Teile von mir erst richtig kennengelernt. Vieles was man unterwegs erlebt, lässt einen die Dinge im eigenen Alltag zudem durch eine ganz andere Brille sehen.
Es ist ein beruhigendes Gefühl zu sehen, dass Dinge von denen man häufig dachte, das sie doch eigentlich in Stein gemeißelt sind, auch ganz  ganz anders Funktionieren können.

Das mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben, hat eine Qualität die ich nicht mehr missen kann.
Ein Reisender zu sein ist ein Gestaltungsauftrag, dem es für mich gilt gerecht zu werden.
Das Leben Daheim und die Reiselust in Einklang zu halten ist eine Herausforderung der ich mich weiterhin stellen möchte.
Ein bisschen Demut bleibt angebracht! Reisen ist schließlich ein Luxus der nicht selbstverständlich ist und mein ökologischer Fußabdruck muss ein Gegengewicht behalten.

Dennoch, es geht darum neugierig zu bleiben bzw. es zu werden und die Welt zu entdecken. Dabei ist es egal ob es einen ans andere Ende der Welt treibt oder ins Nachbarland.
Wer Reisen soll, muss Reisen! So einfach ist das…

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