Wider dem Kulturpessimismus in der Medienpädagogik!

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Hatte heute ein interessantes Gespräch über den Sinn und Unsinn von pädagogischen Angeboten für Jugendliche im Bereich Social Media.
Dabei ist mir mal wieder aufgefallen, wie groß der sogenannte „digtale Graben“ zwischen Fachleuten und Zielgruppe inzwischen geworden ist.

29.04.2015

Macht es Sinn, soziale Medien und ihre Wirkung auf Jugendkulturen zu erforschen? Diese Frage kann man, eindeutig mit Ja beantworten!

Doch macht es auch Sinn, in immer neuen Schulungsmodellen, Jugendlichen, Medienpädagogen und Multiplikatoren einzureden, wie gefährlich und kulturschädigend Dienste wie Facebook, Whatsapp oder sonst etwas sind?

Ehrlich gesagt bin ich mir dabei nicht so sicher. Denn meistens macht man die gleichen feststellungen wenn man länger darüber nachdenkt oder mit Betroffenen spricht.

Jugendliche sind längst wonaders unterwegs

Wenn Pädagogen, Forscher und andere Fachleute an dem Punkt angekommen sind, an dem sie sich mit Phänomenen in Sozialen Netzwerken auseinandersetzten, dann sind die jugendlichen Nutzer meist schon in ganz anderen Communitys aktiv.

Wenn heute alle Multiplikatoren über Facebook reden, dann kann man sicher sein, das die Musik längst woanders spielt, z.B. bei Snapchat oder Twitch um ein Beispiel zu bringen (nur um aktuelle Beispiele zu nennen).

Ja, es lassen sich natürlich übergreifende und netzwerkunabhängige Aussagen formulieren, doch fest steht, dass sich hier fast nie zwei Gruppen auf Augenhöhe begegnen.

Defizit-Orientierung

Ebenfalls fast schon klassisch ist die Defizit- und Gefahrenorientierung bei der Analyse des Gebrauchs von Social Media.
Ständig hört man von Gefahren für die Identitätsbildung der Heranwachsenden, von Sucht und Abhängigkeitsverhalten, von Cyber-Mobbing, sexueller Belästigung und sogar von realen Gefahren für Leib und Leben in der „wirklichen“ Welt der jungen Nutzer.

Richtig, dass gibt es alles:
Doch es gibt auch Unmengen an Kreativität, positiven und persönlichkeitsbildenden Kontakten, kleinen und großen Erfolgsgeschichten, abwechslungreichen, bildenden und forderneden Hobbys und nicht zuletzt haufenweise Spaß.

Kein Grund naiv zu werden?

Will ja auch niemand. Denn die negativen Auswirkungen von Socia Media sind natürlich keineswegs an den Haaren herbeigezogen.
Es macht aber auch keinen Sinn immer alles nur zu verteufeln oder mit einer solchen Skepis anzugehen, als kämen diese Netzwerke direkt aus der Hölle.

Den Werteverfall haben nämlich eigentlich schon die Groschenromane, die Bravo oder Rock’Roll gebracht um das mal festzuhalten!

Früher war alles besser!

Dieser Spruch nützt niemandem, und schon garnicht Pädagogen und Multiplikatoren. Die Uhr wird sich nicht zurückdrehen. Auf die Einstellung kommt es an.

Wenn Pädagogen sich so verhalten, als wären Soziale Medien das Übel der Welt, werden sie nie verstehen, warum Jugendliche ihre Lebenswelten dort hin verlegt haben.
Wenn sie nicht versuchen auch das positive an diesen Netzwerken zu sehen, werden sie über kurz oder lang einen sehr wichtigen Zugang zu ihrer Zielgruppe verlieren.

Soziale Medien sind nichts weiter als Kommunikation. Und wer nicht sprechen will dem konnte bekanntlich noch nie geholfen werden.

Sag was dazu!