My Affair with Japanese City Pop

City Pop ist eine musikalisches Fusion-Genre, dass in Japans 80er Jahren entstanden ist und für rund zehn Jahre den optimistischen Zeitgeist einer aufstrebenden internationalen Wirtschaftsnation widerspiegelte. Danach verschwand diese Musik von der Bildfläche, genauso wie eine der heutigen Kult-Interpretinnen des City Pop: Takako mamiya, mit der für mich alles begann.

27.05.2018

Anfang der 80er Jahre befand sich Japan in einem wirtschaftlichen Aufschwung, wie bis dahin nie zuvor gesehen. Das Land des Lächelns war der Weltmarktführer in Sachen Tech-Gadgets und brachte zu dieser Zeit bahnbrechende Erfindungen wie den Walkman oder den Ghettoblaster auf den Markt.

Für westliche Verhältnisse steckte die Computerspiel-Industrie zwar noch in den Kinderschuhen aber das was weltweit gespielt wurde kam eben aus Japan. Die Wirtschaft brummte und der Lebensstandard der Japaner war extrem hoch, zu dieser Zeit vielleicht der höchste Weltweit.

city pop

Das schlug sich auch auf die Zufriedenheit der Bevölkerung nieder: Vorherrschendes Merkmal war ein allgegenwärtiger  すべて可能 “Alles ist möglich” Tenor, der in den Köpfen der Japaner den Status einer unangreifbaren Handelsmacht festigte und sie auf Dauer von einer glorreichen Zukunft ausgehen lies.

City Pop the Soundtrack for an attitude to life

Dieser Zeitgeist fand seine Abbildung in einer neuen, frischen Richtung namens City Pop, die am ehesten als eine Fusion aus Adult Orientated Rock, Disco, Funk und Jazz beschrieben werden kann. Natürlich spiegelt sich hier auch, magische gesamtkulturelle gegenseitige Anziehungskraft zwischen Fernost und dem Westen wieder, doch das ist eine andere Geschichte.

Diese besondere Mischung legte jedenfalls den Grundstein für ein innovatives eklektisches ‘Easy Listening’ Genre, dass fortan die Sound-Kulisse für Taxifahrten durch das nächtliche Tokio bildete. City Pop ist geprägt durch Disco Beats, Funk Elemente, komplexe Jazz-Einlagen, Swing-Bläser und String Sections.

In den meisten Fällen wird das Ganze gepaart mit dem Gesang einer sanften Frauenstimme, die sich textlich zwischen kitschig artikulierter Romantik, verheißungsvollen Oden an Urbanität und leichtfüßigem Zukunftsoptimismus bewegt. Genau das richtige also für einen in das Neonlicht der damals schon größten Metropolregion der Welt, getauchten Traum von ewig prosperierenden Wohlstand einer ganzen Nation.

Three Faces of City Pop

Die Liste der musikalischen Akteure dieser Zeit ist lang, doch zu den bekanntesten Protagonistinnen des Genres zählen Namen wie Takako Mamiya (間宮貴子), Miki Matsubara (真夜中のドア) oder Taeko Ōnuki (大貫妙子). Alle drei werden meist in einem Atemzug genannt wenn es um City Pop geht und sie gelten heute als die Aushängeschilder der   damaligen Szene.

MIki Matsubara – 真夜中のドア / Stay with me


Miki Matsubara
hat insgesamt neun Alben veröffentlicht, nicht schlecht für knapp zehn aktive Karriere-Jahre (leider starb sie bereits mit 44 Jahren). einer ihrer größten Hits war der Song ‘Stay with me’ vom Album ‘Pocket Park’ (1980).

Taeko Ōnuki ist bis heute aktiv und kommt auf sage und schreibe 26 offizielle Veröffentlichungen (die letze war 2010 mit zusammen Ryuichi Sakamoto). Ihre beliebteste City Pop Veröffentlichung ist das Album Sunshower, dass erstmalig bereits 1977 erschien.

Takako mamiya hingegen hat mit Love Trip nur ein einziges Album herausgebracht und ist Danach von der Bildfläche verschwunden, warum und wohin weiss keiner so genau.

大貫妙子 (Taeko Ohnuki) – Decade/Night (1980)

Ihr bis heute umkommentierter Abgang aus dem Musik-Business wird oft gleichgesetzt mit dem plötzlichen ‘Aus’ der “City Pop Szene”, dass ungefähr Anfang der 90er Jahre einsetzte, gemeinsam mit dem platzen der Spekulations-Blase, die sich um Japans Wirtschaft sowie den Immobilienmarkt im Höhenflug des Erfolges gebildet hatte und eine massive Aufwertung des Yen zur Folge hatte.

Love Trip – Takako Mamiya [ 間宮貴子 ] – 1982 – Full Album

 

City Pop: The Fall & Rise

Der grenzenlose Optimismus und die “Feel Good Atmosphäre” die City Pop  für nahezu eine Dekade zum Erfolgsprodukt hat werden lassen, war plötzlich fehl am Platz und City Pop verschwand in sehr kurzer Zeit in der musikalischen Belanglosigkeit. Niemand wollte so etwas mehr Hören.

Bekanntlich brauchte es bis in die 2000er Jahre bis Japan anfing sich aus dieser Wirtschaftskrise herauszuarbeiten. City Pop brauchte sogar noch etwas länger um wieder das Interesse zu wecken und es war Takako mamiya mit der die Wiederbelebung eingeleitet wurde.

Im Jahr 2012 erschien die erste Neupressung des Albums Love Trip, das bis dahin hauptsächlich ein zweifelhaftes Leben als YouTube-Rip geführt hatte und aus Lizenzgründen permanent gelöscht und wieder eingestellt worden war. Die Platte fand reißenden Absatz und wurde antiquarisch schnell für eine paar hundert Dollar gehandelt.

2014 erschien der erste Vinyl-Repress von Ōnuki’s Sunshower und erzeugte einen ähnlichen Hype. City Pop wurde mit der Überwindung der japanischen Wirtschaftskrise und nachdem da ein bisschen Gras drüber gewachsen war, offenbar wieder salonfähig.

The Life After

In 2018 hat HMV Japan beide Alben erneut auf Vinyl gepresst, die Charge war in Stunden ausverkauft. Es wäre also nicht weit hergeholt zu glauben, dass bald noch weitere City Pop Veröffentlichungen neu aufgelegt werden. Meine Affäre mit dem Genre begann übrigens genau in dem Moment als ich mit eine Kopie der Love Trip Neuauflage ergattert habe.

City Pop zu erfahren, ist heute gleich in drei Richtungen möglich: Einmal aus nostalgischen Gesichtspunkten in Form von 80er Worshipping und Retro-Love und dann aber auch in Richtung der Re-Kontextualisierung von City Pop, wie sie aktuell in der Vaporwave-Szene passiert (post retro). Na ja und eine dritte Idee wäre die Anwendung der City Pop Klassiker in einer gedanklichen “Neo-Utopie”, quasi als Wiederbelebung des leichtfüßigen und naiv angelegten Traum von ewigem Wachstum und materieller Glückseeligkeit, für den diese Musik einmal stand.

Wenn ihr mich fragt: Da gibt es doch genug zu Entdecken oder? Und außerdem will ich wissen was aus Takako mamiya geworden ist. Evtl. hat sie gar keine Ahnung davon wie viele Menschen auf der Welt aktuell wieder ihre Musik wertschätzen… :)

 

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