Kambotscha: eine Fahrt mit dem Bamboo-Train durch Battambang

Karte von Kambodscha

Battambang liegt in West Kambotscha rund 300 km von der Hauptstadt Phnom Penh entfernt. Obwohl sich Reisende durchaus mal dort hin verirren, hatten wir zunächst keine weitergehenden Assoziationen zu der ca. 180 Tausend Einwohner starken, und damit zweitgrößten Stadt des Landes. Tatsächlich waren wir nur auf der Durchreise, und entschieden uns spontan dazu hier einen Aufenthalt einzulegen, da wir aus Siem Reap nach aufreibenden neun Stunden Schaukelfahrt mit dem Boot angekommen waren und uns ein Zwischenstop deswegen sehr gelegen kam.

Dann mal auf in die Stadt

Battambang bedeutet soviel wie “disappearing stick” wie uns ein Einwohner mitteilte, was zumindest schonmal die große schwarze Figur im Stadtzentrum erklärte, welche andächtig einen Stab präsentiert.
Überall finden sich spuren der französischen Kolonialzeit die im Jahr 1864 begann und aus der viele alte Gebäude noch erhalten sind. Aus dieser Zeit stammt auch die um Battambang gebaute Schienentrasse, auf der Rohstoffe und Lebensmittel per Zug außer Landes geschafft wurden. Aufgrund der Battambang umliegenden sehr fruchtbaren Böden ist es auch als der Reiskorb Kambotschas bekannt und stellte deshalb einen wichtigen wirtschaftlichen Außenposten für die französischen Kolonialherren dar.

die eigenartige Statue mit Stock
die eigenartige Statue mit Stock

Nach Erlangung der Unabhängigkeit 1954 lag die Trasse zunächst brach und niemand kümmerte sich um sie. Die Schrecken des Genozids den die roten Khmer an der kambodschanischen Bevölkerung in den 1970er Jahren verübten wirken angesichts der immer noch nicht vollständig aus dem weg geräumten Landminen, gerade an der Grenze zu Thailand, heute immer noch nach. Die Schiene dort war also seit jeher auch immer ein sehr sicheres Fortbewegungsmittel gewesen
Da die Bauern sich jedoch auch an den Komfort eines Zuges gewöhnt hatten, und da die Möglichkeiten des Transportes von schweren Gütern ebenfalls aufgrund des weichen Bodens im Reisanbaugebiet, vor dem Bau der Schiene ohnehin immer schwierig gewesen waren ließen sie sich jedoch etwas einfallen.

Norry – das Selfmade – Schienentaxi

Gebaut aus Metallrädern von alten Panzern, ausgedienten Motoren von Stromgeneratoren und Ladeflächen aus Bambusholz, fahren seit den 80er Jahren jetzt Mini-Züge Marke Eigenbau genannt “Norrys” auf den ramponierten Schienenwegen hin und her.
Die Einheimischen haben ihre Gleise zurückerobert und nutzen die Trasse wieder für den Transport von Reis, Mangos, Fisch und eben auch Passagieren.

beladenes Norry mit Waren und Fahrgästen
beladenes Norry mit Waren und Fahrgästen

Auch wenn Norry immer noch überall dort anhält wo die Fahrgäste es wünschen, haben sich inzwischen ein Preissystem sowie einige feste Haltepunkte etabliert.
Da ständig Norrys in beide Richtungen auf den Schienen unterwegs sind, sind die Bambuszüge so konstruiert, das wenn sich zwei von ihnen begegnen angehalten wird, und ein Gefährt an Ort und stellte demontiert und von der Schiene genommen werden kann.
In der Regel ist dies der “Zug” der weniger voll beladen ist.
Die Fahrer der Norrys gehen dabei sehr schnell vor und helfen sich gegenseitig beim zügigen Auf- und Abbau.

Eine Fahrt mit dem Bambuszug

Wir haben uns das natürlich nicht nehmen lassen und sind prompt ein Teilstück mit dem Norry mit gefahren. Die Fahrt war wirklich alles andere als ruhig. Es rumpelte und wackelte an allen Ecken. Immer wieder krachen die Metallräder an den inzwischen ziemlich maroden Verbindungsstücken der Schienenteile in die Zwischenräume und ich dachte so manches mal wir entgleisen gleich.
Norrys erreichen bis zu 50 km/h, da wurde mir das eine oder andere mal schon etwas mulmig während der Fahrt. Drei oder viermal hatten wir Gegenverkehr, was dann bedeutete: anhalten, ein Fahrzeug abbauen, wieder drauf auf die Schiene und weitergefahren. Wir sind natürlich sicher angekommen. Die Bauern, die sich sich mit dem Nebenjob des “Norry-Driver” ein wenig Geld dazuverdienen sind alle sehr routiniert und freundlich!
Ich kann diesen wilden Ritt nur jedem empfehlen, der vielleicht ebenfalls mal einen Zwischenstop in Battambang macht!

Norrys sind von der Regierung weder genehmigt noch verboten. Ideen hat es in der Politik wohl schon mehrere gegeben, den Bamboo Train zu ersetzen, doch passiert ist bisher noch nichts. Vermutlich lassen sich die Einheimischen ihren Zug auch so leicht nicht noch einmal abluchsen.