Von Frankenstein zu Frank-N-Furter – Horror mit Glam-Faktor in Paris
Im Casino de Paris läuft wieder der Time Warp. Die Rocky Horror Show ist zurück – und zwar mit voller Wucht. Zwischen Glitter, Lack und irren Blicken entfaltet sich ein Abend, der weit mehr ist als schrille Revue. Es geht um Macht, Rollenbilder, Sex und die Lust am Kontrollverlust. Und um das gute alte Recht, einfach mal nicht normal zu sein.

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Der Stoff, aus dem der Wahnsinn ist
Man könnte denken, die Geschichte sei längst auserzählt. Ein spießiges Pärchen landet nach einer Autopanne in einem Schloss voller durchgeknallter Figuren. Dr. Frank-N-Furter, selbsternannter süß-transvestitischer Wissenschaftler, spielt Gott und erschafft sich einen muskulösen Liebhaber. Dazwischen: Gesang, Glamour, ein bisschen Sci-Fi – und ziemlich viel Wahnsinn.
Doch gerade weil der Plot so überdreht ist, wirkt er. Denn hier geht es nicht um eine schlüssige Handlung. Es geht darum, wie konsequent das Stück seit 50 Jahren mit Konventionen bricht. Nicht leise, nicht subtil – sondern frontal.
Paris passt zur Show
Der Ort ist clever gewählt. Das Casino de Paris hat alles, was die Rocky Horror Show braucht: samtige Sitze, ein bisschen Patina, viel Bühne. Wer die pompöse Treppe ins Foyer nimmt, ahnt schon beim Ankommen, dass hier gleich etwas entgleisen wird.
Und genau das passiert auch. Keine fünf Minuten nach Beginn bricht das Stück mit allem, was Theater sonst ausmacht: Das Publikum ruft rein, wirft Requisiten, klatscht in Takt. Es wird nicht nur geschaut – es wird mitgemacht. Hier ist niemand bloßer Zuschauer, alle sind Teil des Wahnsinns.
Frank-N-Furter thront derweil auf einem Thron aus Exzentrik. Mal lacht er schrill, mal schaut er herablassend, mal schleppt er sich lasziv über die Bühne. Die Performance ist drüber – aber sie funktioniert. Denn sie trifft ins Mark.
Zwischen Showbühne und Spielcasino
Dass das Ganze im Casino de Paris stattfindet, ist mehr als nur Kulisse. Der Ort steht für Spektakel, für die große Geste – und für die Lust am Risiko. Hier will niemand Sicherheit. Hier geht’s ums Erleben.
Ein bisschen erinnert das auch an andere Räume, in denen Erwartung und Realität aufeinanderprallen – etwa digitale Casinos. Auch dort geht es um Reizüberflutung, Überraschung, Eskalation. Einige dieser Plattformen, oft unterschätzt, haben sich gerade im Bereich Nutzererlebnis im Test am besten abgeschnitten. Nicht, weil sie sicher oder brav wären – sondern weil sie genau wissen, wie sie mit Atmosphäre spielen. Parallelen zur Rocky Horror Show? Mehr als man denkt.
Ein Musical, das nicht gefallen will
Was die Rocky Horror Show in Paris stark macht, ist der Wille, nicht glatt zu sein. Viele heutige Bühnenproduktionen wollen alles richtig machen – gut gesungen, schön choreografiert, sauber inszeniert. Hier geht es um etwas anderes. Um Kontrollverlust. Um Energie. Um Unvorhersehbarkeit.
Dass das Publikum dabei so mitzieht, ist kein Zufall. Die Rocky Horror Show hat eine Community, keine Zielgruppe. Wer hier sitzt, weiß, worauf er sich einlässt – oder merkt es sehr schnell. Zwischen Lachern, peinlichen Blicken und ekstatischem Mitgebrüll entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, das man in dieser Form selten erlebt.
Warum das alles auch 2025 noch funktioniert
Trotz (oder gerade wegen) seiner überdrehten Ästhetik bleibt das Stück aktuell. Es verhandelt Identität, Sexualität, Machtverhältnisse – Themen, die heute lauter diskutiert werden als je zuvor. Aber eben nicht in Talkshow-Sprache, sondern in Plateauschuhen und Corsagen.
Frank-N-Furter ist keine Figur, die man gut finden muss. Aber er zwingt zum Hinschauen. Er dekonstruiert das klassische Bild des Bösewichts – und gleichzeitig das des Helden. Wer ist hier Opfer, wer Täter? Wer kontrolliert wen? Die Antworten sind flüchtig, und das ist genau richtig so.
Ein Abend, der nachhallt
Am Ende steht der Saal. Nicht, weil man das Stück verstanden hat – sondern weil man es gespürt hat. In den Knochen, in der Stimme, im Bauch. Und vielleicht mit dem Gefühl, dass ein bisschen Wahnsinn im Alltag gar nicht so schlecht wäre.
Wer danach wieder in die Pariser Nacht tritt, nimmt etwas mit. Keine Moral, kein Fazit. Aber ein Echo. Vom Lachen, vom Schreien, vom Stampfen. Und von der Erinnerung, dass Unterhaltung dann am besten ist, wenn sie niemandem gefallen will.
