Markdown Schreiben mit ‚iA Writer‘ (Review)

Markdown Editoren gibt es ja bekanntlich sehr viele da draußen und ich habe mir hier den einen oder anderen auch schon näher angesehen. Bei einer Software wie iA Writer dürft ihr mir berechtigter Weise die Frage stellen, warum ich erst jetzt darüber schreibe.

06.12.2020

Schließlich gehört der Text Editor der Design Company ‚Information Architects‘ (ja richtig dafür steht das iA) keinesfalls zu den Neulingen im Game. Seine Premiere feierte die Software zunächst unter iOS und das war bereits im Jahr 2010. Seitdem hat sich selbstverständlich einiges getan und ich muss gestehen die Evolution von iA Writer nicht immer in dem Maße verfolgt zu haben, wie es der Schreibumgebung vielleicht gerecht geworden wäre. Es wird also mal Zeit für eine kleine Sachstanderhebung in Sachen iA Writer.

Markdown

Ja, iA Writer ist ein Markdown Editor und ich denke ich muss den wenigsten Leuten die diesen Text lesen erklären was das bedeutet. Kurz gesagt: Markdown ist eine Auszeichnungssprache für Texte, will heissen, dass man damit, seinen Text formatieren kann und zwar während man ihn schreibt. Das Ganze war ursprünglich gedacht, um formatierten Text einfach und einheitlich ins Internet zu bringen, was beim Kopieren von z.B. Word-Dokumenten ja zu einem ganz schönen Krampf werden kann.

Es wundert also nicht, dass Markdown von John Gruber, einem Blogger ins Leben gerufen wurde der den inzwischen in vielen Text-Editoren zu einem Standart avancierten Format-Kürzel Koffer gemeinsam mit dem Programmierer und Web-Aktivisten Aaron Schwarz entwickelte.

Mit Markdown schreibt man beispielsweise ganz einfach Wörter oder Texteile kursiv gedruckt, indem man sie in * Sternchen * setzt. In dieser Syntax sind natürlich auch ** fett Setzungen ** == Hervorhebungen == oder ~~ Durchstreichungen ~~ möglich.
Für viele Text genügen diese einfachen Mittel schon, Markdown kann aber noch viel mehr. Mit etwas Übung, sind Formatierungen wie Zeilenumbrüche, Aufzählungen, Zitate, Hyperlinks und sogar das Einfügen von Textbausteinen möglich.

Markdown hat, seit es im Jahre 2004 das Licht der Welt erblickte eine ziemlich große Fangemeinde um sich herum aufgebaut und ein Ganzes Ökosystem von Textverarbeitungs-Software begründet, zu dem iA Writer natürlich ebenfalls gehört. Kommen wir jetzt also langsam mal zum Punkt.

Focus

Gängige Formatierungen mittels Markdown direkt und nativ über das Keyboard erledigen zu können hat einen sehr großen Vorteil gegenüber Pages, Word oder ähnlichen Texteditoren, bei denen man Wörter erst markieren und sie dann per Mausklick verändern kann. Mit Markdown ist es viel leichter während des Schreibens bei der Sache zu bleiben und sich nicht permanent selbst aus dem kreativen Flow zu bringen weil man mit dem Cursor irgendwo hin klicken muss.

Und so werben fast alle Markdown-Editoren den Vorteilen des „ablenkungsfreien Schreibens“, sie haben Recht damit. Gleichwohl gibt es feine Unterschiede, bzgl. Der Umsetzung. Bei iA Writer wird im sog. ‚Fokus Modus‘ auf die richtigen Details wert gelegt: Ich z.B. mag es besonderes im sog. Schreibmaschinenmodus zu tippen, bei dem der aktuelle getippte Satz in der Mitte der Seite zu sehen bleibt und die virtuelle Seite, wie bei einer analogen Schreibmaschine wieder nach oben rutscht.

iA Writer versteht sich auf diese Funktion, genauso wie auf die Option geschriebenes entweder in Form abgeschlossener Sätze oder auch einzelner Wörter zusätzlich auszugrauen, damit man sich ganz auf das was man gerade tippt konzentrieren kann. Wer an seinem Schreibstil arbeiten möchte, der dann sich zudem während der Texterstellung Füllwörter, Adjektive, Konjunktionen und anderes anzeigen lassen und so seinen Text nach objektiven Kriterien unter Kontrolle halten.

Was mir ebenfalls sehr gefällt ist, dass man sich eine Leiste einblenden kann, die anzeigt wieviele Wörter, Sätze und Zeichen man bereits geschrieben hat und die dazugehörige potenzielle Lesezeit. Ein Schreibziel, wäre hier noch schön, ähnlich umgesetzt wie z.B. bei Ulysses. Insgesamt versteht es iA Writer aber sehr gut eine angenehme und ablenkungsfreie Schreibumgebung zu erzeugen, die sich zusätzlich z.B. durch eigene Templates, minimalistisch sinnvolle Typografie-Optionen (Mono, Duo oder Quattro Font), den obligatorischen hell/dunkel Modus oder konfigurierbare Zeichenanzahl pro Zeile, an die eigenen Vorlieben anpassen lässt.

Export

Texte lassen sich in beliebig z.B als PDF, Docx, Txt oder Markdown Rohfassung exportieren, sodass auch jeder Empfänger etwas damit anfangen kann. Besonders spannend finde ich aber die Möglichkeit Texte direkt via API auf WordPress, Medium, Ghost und anderen Plattformen zu veröffentlichen.

Gerade hier hat es bis jetzt noch kein Texteditor geschafft mich zu überzeugen. Hier war es bei der Konkurrenz entweder immer zu viel oder zu wenig bzw. es funktionierte nicht überzeugend. So versucht iA Writer nicht, wie z.Bb Mars Edit, das komplette WordPress Backend zu ersetzen, sondern beschränkt sich auf einen einfache aber saubere Übergebe des Geschriebenen in einen WordPress Draft. Ich persönlich würde ohnehin keine Blogpost veröffentlichen wollen, den ich vorher nicht noch einmal im Backend gegengecheckt habe. Aus diesem Grund ist es dann auch kein Problem Dinge wie das Artikelbild, Tags oder Kategorien dort festzulegen.

iCloud

iA Writer gibt es für iOS und macOS und beide Versionen weisen exakt die gleichen Funktionen auf. Die iOS Variante hält Systembedingt noch eine konfigurierbare Tastatur vor, auf die man sich Markdown Kommandos nach Wunsch legen kann. Der Rest ist aber identisch und man hat kein Problem mit dem nahtlosen weiterschreiben nach dem Wechsel von z.B. iPad zu Mac.

Alle Schriftstücke werden stets über Apple’s iCloud synchron gehalten und befinden sich in einer ebenfalls nach den eigenen Vorstellungen sortierbaren Text-Bibliothek in iA Writer. Natürlich lassen sich auch Texte aus externen Quellen wie Dropbox oder einfach von Desktop dort verwalten. Die Synchronisation zwischen Mac und iOS funktioniert schnell und fehlerfrei. So kann ich an Texten weiterarbeiten oder nochmal drüber fliegen wann mir der Kopf danach steht.

Fazit:

iA Writer ist nach all den Jahren inzwischen recht komplex und lässt sich sehr individuell nutzen. Trotzdem ist die Bedienung und das Feeling beim Schreiben, minimalistisch geblieben. Das die Entwickler entgegen des allgemeinen Trends weiterhin nicht auf ein ein Abo Modell setzten macht iA Writer wohl für sehr viele Leute interessanter als die Konkurrenz. Aber auch funktionstechnisch braucht sich der Markdown-Editor nicht verstecken und befindet sich zumindest für Miene Ansprüche auf Augenhöhe mit Ulysses.

Mac und iOS Versionen müssen separat gekauft werden und schlagen im AppStore mit je 32,99€ zu Buche. Unterm Strich macht iA Writer im Feld der Markdown Editoren aktuell für mich das Rennen. Ich nutze es in Kombination mit dem WordPress Backend, für Texte die länger werden und es ist wirklich ein wahrer Genuss.

 

*** Belong to the cool Kids! It’s Easy: Follow this Blog on Twitter, experience ZWENTNERS’s Life on Instagram and listen to our Podcast about Vinyl ***